Ein chinesischer Militärhubschrauber flog am Dienstag nur drei Meter an einem philippinischen Patrouillenflugzeug vorbei – eine gefährliche Annäherung, die nach Ansicht von Experten eine ernsthafte Kollision hätte verursachen können.
Ein riskanter Vorfall über dem Scarborough-Shoal
Der Vorfall ereignete sich über dem Scarborough-Shoal, einem strategisch wichtigen, fischreichen Gebiet im Südchinesischen Meer, das trotz seiner Lage innerhalb der philippinischen Wirtschaftszone seit 2012 von China kontrolliert wird.
Ein Reporter der Associated Press (AP) befand sich an Bord des philippinischen Flugzeugs vom Typ Cessna Caravan und dokumentierte die Begegnung. Während der 30-minütigen Konfrontation warnte der philippinische Pilot den chinesischen Hubschrauber:
„Sie fliegen zu nah! Sie gefährden unser Leben.“
China hingegen behauptete, dass das Flugzeug in seinen Luftraum eingedrungen sei und von der Volksbefreiungsarmee (PLA) vertrieben wurde.
Wachsende Spannungen: Chinas aggressives Verhalten nimmt zu
Der Vorfall war bereits der zweite binnen einer Woche, bei dem die chinesische Armee ausländische Flugzeuge bedrängte:
- Wenige Tage zuvor feuerte ein chinesisches Kampfflugzeug Leuchtraketen in unmittelbarer Nähe eines australischen P-8-Aufklärungsflugzeugs ab. Diese hätten die Triebwerke beschädigen und das Flugzeug zum Absturz bringen können, so Analysten.
Internationale Reaktionen: Scharfe Kritik an Peking
Die USA, ein Verteidigungsbündnispartner der Philippinen, verurteilten die „gefährlichen Manöver“ scharf.
US-Botschafterin MaryKay Carlson forderte China auf, seine Streitigkeiten friedlich und im Einklang mit dem Völkerrecht zu lösen.
Geopolitischer Hintergrund: Pekings Machtanspruch im Südchinesischen Meer
China beansprucht fast das gesamte Südchinesische Meer für sich – einschließlich Inseln und Riffe, die hunderte Kilometer von seinem Festland entfernt liegen. Neben den Philippinen haben auch Vietnam, Malaysia, Brunei und Taiwan Gebietsansprüche.
Während Peking von „indisputabler Souveränität“ spricht, erkennen die USA, Australien und andere westliche Staaten Chinas Anspruch nicht an und bestehen darauf, dass ihre Flugzeuge in internationalem Luftraum operieren.
Chinas Strategie: Eskalation im Schatten globaler Krisen?
Experten wie Ray Powell von der Stanford University sehen in den jüngsten Zwischenfällen eine bewusste Eskalation durch China.
- Während die USA mit der Ukraine und dem Nahen Osten beschäftigt sind, könnte Peking dies nutzen, um seine Macht im Indopazifik auszubauen.
- China setze dabei auf eine schrittweise Gewöhnung der Welt an aggressive Aktionen, um seine Ansprüche langfristig durchzusetzen.
Der US-Kommandeur Admiral Samuel Paparo verglich die Taktik mit dem Vorgehen Pekings gegen Taiwan, wo chinesische Militärübungen zunehmend wie „Proben für eine gewaltsame Vereinigung“ wirken.
Fazit: Steigende Gefahr durch Chinas „Grauzonen-Taktik“
Die zunehmende Zahl gefährlicher Vorfälle im Südchinesischen Meer zeigt, dass China seine militärische Präsenz gezielt ausbaut. Während die Philippinen, Australien und andere Anrainerstaaten auf diplomatische Lösungen setzen, verfolgt Peking eine Politik der Einschüchterung. Sollte der Druck weiter steigen, könnte dies das Risiko eines echten militärischen Zwischenfalls erheblich erhöhen.
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