Die Gewalt im Nahen Osten hat sich dramatisch verschärft. Nach iranischen Angaben ist die Zahl der Todesopfer nach einem Angriff auf eine Mädchenschule im Süden des Landes auf 53 gestiegen. Gleichzeitig melden mehrere Staaten der Region Raketenangriffe und Abfangaktionen. Die Lage bleibt unübersichtlich, viele Informationen lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
53 Tote bei Angriff auf Mädchenschule im Iran
Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtet unter Berufung auf einen Sprecher des Bildungsministeriums, dass eine Mädchenschule Ziel von drei Raketenangriffen geworden sei. Ali Farhadi erklärte, bei dem Angriff seien 53 Menschen getötet und 63 weitere verletzt worden. Einsatzkräfte seien weiterhin dabei, die Trümmer zu durchsuchen, um mögliche weitere Opfer zu finden.
Bereits zuvor hatte ein örtlicher Beamter von 40 Toten nach einem Angriff auf eine Grundschule für Mädchen im Bezirk Minab in der südlichen Provinz Hormozgan berichtet. Auch hier war von zahlreichen Verletzten die Rede. Internationale Medien, darunter die BBC, weisen darauf hin, dass sie die Angaben nicht unabhängig verifizieren konnten, da ausländische Journalistinnen und Journalisten häufig keine Visa für Iran erhalten.
Zudem berichten Beobachter von einem nahezu vollständigen Internetausfall im Land sowie von einem vorangegangenen Cyberangriff.
Israel meldet gezielte Angriffe auf Führungspersonal
Die israelischen Streitkräfte (IDF) erklärten, ihre Angriffe in Teheran hätten sich gegen Orte gerichtet, an denen sich hochrangige politische und sicherheitsrelevante Vertreter versammelt hätten. Die Operation sei über Monate vorbereitet worden und habe auf einem günstigen Zeitpunkt basiert, so die IDF. Der Angriff am Morgen habe zudem einen „taktischen Überraschungseffekt“ erzielt. Die Ergebnisse des Einsatzes würden derzeit ausgewertet.
Iran spricht von „illegalen“ Angriffen
Irans Außenminister Abbas Araghchi bezeichnete die gemeinsamen Angriffe der USA und Israels als „völlig unprovoziert, illegal und illegitim“. In einem Beitrag auf der Plattform X warf er dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump vor, „America First“ in „Israel First“ verwandelt zu haben. Die iranischen Streitkräfte seien vorbereitet und würden „den Aggressoren die angemessene Lektion erteilen“.
Ein iranischer Außenpolitik-Experte schilderte gegenüber der BBC eine angespannte Atmosphäre in Teheran. Schon vor Bekanntwerden der US-Beteiligung habe es Explosionen gegeben. Viele Menschen hätten in den vergangenen Tagen Treibstoff und Lebensmittel gehortet. In der Bevölkerung herrsche großes Misstrauen gegenüber den USA.
Raketenbeschuss in mehreren Staaten der Region
Unterdessen berichten mehrere Länder der Region von iranischen Vergeltungsangriffen. In Bahrain wurde nach offiziellen Angaben das Servicezentrum der 5. US-Flotte Ziel eines Raketenangriffs. Verifizierte Videos zeigen den Einschlag einer Rakete und aufsteigende Trümmerteile. Sirenen heulten in der Stadt, dunkle Rauchwolken waren zu sehen.
Auch Jordanien teilte mit, zwei ballistische Raketen abgefangen zu haben. Trümmerteile seien auf jordanischem Gebiet niedergegangen, Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet. Kuwait meldete, mehrere Raketen nahe der Ali-Al-Salem-Luftwaffenbasis – auf der auch US-Streitkräfte stationiert sind – erfolgreich abgefangen zu haben. Bilder zeigen ausgebrannte Fahrzeuge und Einsatzkräfte auf einer Autobahn.
Die mit den iranischen Revolutionsgarden verbundene Nachrichtenagentur Tasnim erklärte, alle US-Stützpunkte und Interessen in der Region seien Ziel iranischer Raketen gewesen.
Sorge vor regionaler Destabilisierung
Arabische Staaten wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Jordanien bemühten sich in den vergangenen Wochen um Vermittlung zwischen den USA und Iran. Nun wächst die Sorge, dass die Angriffe die gesamte Region destabilisieren könnten. Beobachter warnen vor möglichen Angriffen auf Öl- und Gasanlagen oder einer Blockade der Straße von Hormus, einer zentralen Route für den weltweiten Öltransport.
Internationale Experten sprechen von einem äußerst gefährlichen Moment mit unvorhersehbaren Folgen. Während Israel von einem „präventiven“ Schlag spricht, stellen Kritiker infrage, ob tatsächlich eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung vorlag. Klar ist: Die jüngsten Entwicklungen markieren eine weitere Eskalation in einem ohnehin hoch angespannten Konflikt – mit potenziell weitreichenden Konsequenzen für die gesamte Region.
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