In Bangladesch werden die Stimmen der ersten Parlamentswahl seit dem Sturz von Premierministerin Sheikh Hasina im Jahr 2024 ausgezählt. Die langjährige Regierungschefin war nach massiven, von Studierenden angeführten Protesten und einem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte ins Exil geflohen. Laut UN kamen dabei bis zu 1.400 Demonstrierende ums Leben. Hasina wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt, weist die Vorwürfe jedoch zurück und lebt inzwischen in Indien.
Mehr als 2.000 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich um 350 Parlamentssitze. Hasinas Awami League ist von der Wahl ausgeschlossen. Damit gilt der Urnengang als offener als frühere Abstimmungen, die international als systematisch zugunsten der Awami League manipuliert kritisiert wurden. Viele Wählerinnen und Wähler äußerten die Hoffnung auf eine Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen.
Als Favorit gilt Tarique Rahman von der konservativen Bangladesh Nationalist Party (BNP), Sohn der früheren Premierministerin Khaleda Zia. Die BNP trifft auf eine Koalition unter Führung der islamistischen Jamaat-e-Islami, die gemeinsam mit der aus der Protestbewegung hervorgegangenen National Citizen Party (NCP) antritt. Jamaat, lange politisch marginalisiert, spielt diesmal eine deutlich größere Rolle, ihre Siegchancen gelten jedoch als begrenzt.
Sowohl BNP als auch Jamaat waren unter Hasina stark unter Druck geraten. Jamaat wirbt mit einem Programm gegen Korruption und für Gerechtigkeit und präsentiert sich als erneuerte Kraft. Kritiker bemängeln jedoch die geringe Beteiligung von Frauen: Unter den mehr als 200 Jamaat-Kandidaten ist keine Frau, auch bei der BNP ist ihr Anteil gering.
Rund 120 Millionen Menschen waren wahlberechtigt, etwa 40 Prozent von ihnen jünger als 37 Jahre. Parallel zur Parlamentswahl wurde über Verfassungsänderungen abgestimmt, die das Übergangskabinett unter Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus angestoßen hat. Sie sollen ein nach Ansicht der Übergangsregierung „zerrüttetes“ politisches System reformieren.
Yunus sprach nach seiner Stimmabgabe in Dhaka vom Ende eines „Albtraums“ und dem Beginn eines „neuen Traums“. Bis zum frühen Nachmittag lag die Wahlbeteiligung bei 49 Prozent. Fast eine Million Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Mit ersten Ergebnissen wird am Freitag gerechnet.
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