Die Ermittlungen im Fall des mutmaßlichen Attentäters auf den rechtskonservativen Aktivisten Charlie Kirk schreiten voran. Laut dem republikanischen Gouverneur von Utah, Spencer Cox, verweigert der Verdächtige bislang jede Kooperation mit den Behörden.
Tyler Robinson (22) wird beschuldigt, Kirk am 10. September während eines öffentlichen Auftritts an der Utah Valley University in Orem, Utah, in den Hals geschossen zu haben.
Am 14. September erklärte Cox in der ABC-Sendung „This Week“, dass Robinson sich gegenüber den Ermittlern des FBI bislang nicht geäußert habe. Allerdings sei dessen Umfeld – darunter auch eine romantische Partnerin, mit der er zusammenlebte – kooperativ.
Cox kündigte an, dass die Anklageschrift detaillierte Hinweise auf das mögliche Tatmotiv sowie forensische Beweise enthalten werde, die Robinson mit dem Anschlag in Verbindung bringen.
Die Ermittler konnten Robinson unter anderem durch Online-Kommunikation, Interviews mit Angehörigen und Freunden sowie durch Überwachungsvideos als Tatverdächtigen identifizieren.
„Am Dienstag werden deutlich mehr Informationen öffentlich, wenn die Anklageschrift beim Gericht eingereicht wird“, sagte Cox.
Hintergrund zu Tyler Robinson
Bislang wurde kein offizielles Tatmotiv bekanntgegeben. Familie und Freunde berichteten gegenüber USA TODAY jedoch, dass Robinson in letzter Zeit zunehmend politisiert und wütend gewirkt habe.
Ein früherer Mitschüler, Xander Luke, sagte, Robinson sei politisch engagiert gewesen und habe sich kritisch gegenüber beiden politischen Lagern geäußert. Er sei überzeugt gewesen, dass weder die Linke noch die Rechte zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation beitrügen.
Robinson hat laut offiziellen Angaben keine Vorstrafen und besuchte eine High School in St. George. Er ist als Wähler registriert, gehört jedoch keiner Partei an. Seine Eltern sind registrierte Republikaner.
Laut Facebook-Posts seiner Mutter Amber Robinson trug Tyler 2017 ein Trump-bezogenes Halloween-Kostüm. Im Jahr 2020 veröffentlichte sie zudem ein sehr gutes Ergebnis seines ACT-Tests: 34 von 36 Punkten – ein Wert, der ihn zu den besten 1 % der US-Testteilnehmer zählte. Er erhielt daraufhin ein Stipendium über 32.000 Dollar für die Utah State University, brach das Studium jedoch bereits im ersten Semester ab.
„Wir müssen herausfinden, wie es dazu kommen konnte, dass ein Schüler mit einem 4.0-Notendurchschnitt, einem 34er-ACT und einem Vollstipendium an meiner Alma Mater so weit abrutscht, dass er so etwas tut“, sagte Cox bei ABC.
Kooperation der Partnerin – keine Kooperation des Täters
Laut Cox spricht das FBI derzeit mit Robinsons Mitbewohnerin, die zugleich seine romantische Partnerin sei – eine Transfrau in geschlechtlicher Transition. Diese Person habe nichts von der geplanten Tat gewusst und arbeite eng mit den Ermittlern zusammen.
Bezüglich eines möglichen Zusammenhangs zwischen der Partnerin und einem Tatmotiv äußerte sich Cox vorsichtig:
„Wir wollen das genau herausfinden. Jeder will jetzt sofort wissen, warum – das verstehe ich. Ich auch. Aber ich möchte vorsichtig sein, da ich noch nicht alle Verhörprotokolle gelesen habe.“
Robinson selbst habe bislang kein Geständnis abgelegt und verweigere weiterhin die Zusammenarbeit.
Inschriften auf den Patronenhülsen werfen Fragen auf
Das FBI stellte nach eigenen Angaben die mutmaßliche Tatwaffe sicher – ein hochpräzises Repetiergewehr – sowie mehrere Patronenhülsen mit auffälligen Gravuren.
Eine abgefeuerte Hülse trug den Schriftzug: „Notices bulges OwO What’s This?“ – eine Anspielung auf ein Internet-Meme aus der sogenannten „Furry“-Kultur. „OwO“ ist ein emoticon, das oft Niedlichkeit oder Neugier signalisiert.
Eine nicht abgefeuerte Hülse trug den italienischen Liedtext: „Oh bella ciao, bella ciao, ciao, ciao“ – ein Lied der antifaschistischen Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg. Laut der Website „Know Your Meme“ wurde der Song in jüngerer Zeit auch ironisch von rechten Gruppen verwendet.
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