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Erfolg im Exil – und jetzt zurück? Havanna wirbt um kubanische Unternehmer in den USA

jorono (CC0), Pixabay
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Havanna steckt in der Krise – und setzt nun auf jene, die das Land einst verlassen haben. Jahrzehnte nach der Revolution bittet die kubanische Regierung Exil-Kubaner um Investitionen. Doch viele reagieren mit Ablehnung, Spott oder Wut.

Seit Fidel Castro 1959 die Macht übernahm, ist das Leben auf der Karibikinsel geprägt von Mangelwirtschaft, staatlicher Kontrolle und politischer Repression. Heute steht das System unter Druck wie seit dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr. Stromausfälle, Treibstoffknappheit und eine bröckelnde Infrastruktur bestimmen den Alltag.

Vor diesem Hintergrund richtete sich Vizepremier und Außenhandelsminister Oscar Pérez-Oliva Fraga jüngst mit einer bekannten Botschaft an die Diaspora: Kubaner im Ausland seien eingeladen, in ihre Heimat zu investieren. Neu ist das nicht – doch diesmal wirkt der Appell dringlicher.

„Ein verzweifelter Schritt“

In den USA, wo ein großer Teil der kubanischen Diaspora lebt, stößt der Vorstoß auf Skepsis. Viele sehen darin keinen echten Kurswechsel, sondern ein Zeichen wachsender Not.

„Die meisten Unternehmer werden nicht zurückgehen, um in ein System zu investieren, das sich nicht grundlegend verändert hat“, sagt Orlando Gutiérrez-Boronat von der oppositionellen „Assembly of Cuban Resistance“.

Kritik gibt es vor allem an fehlenden Rechtsstaatstrukturen. Es gebe keine unabhängige Justiz, kaum Schutz für Investoren – und letztlich entscheide der Staat über alles. „Das ist ein gefährlicher Ort für Investitionen“, so Gutiérrez-Boronat.

Energiekrise verschärft Lage

Die wirtschaftliche Situation hat sich zuletzt weiter zugespitzt. Nach der Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch die USA ist eine zentrale Ölquelle versiegt. Gleichzeitig verschärfte Washington den Druck mit Sanktionen und Einschränkungen für Treibstofflieferungen.

Das Ergebnis: eine dramatische Energiekrise. Immer wieder kommt es zu landesweiten Stromausfällen, die Wirtschaft liegt vielerorts lahm.

„Wie ein Fisch auf dem Trockenen“

Für Jorge Astorquiza, Unternehmer aus Florida, ist Havannas Werben um Investoren Ausdruck purer Verzweiflung. „Sie sind wie ein Fisch auf dem Trockenen“, sagt er. „Sie wissen, dass ihre Zeit abläuft.“

Die Einladung bezeichnet er als „absurd“. Nachdem viele ins Exil gedrängt worden seien, solle man nun zurückkehren und investieren? „Das ist verrückt.“

Auch wirtschaftlich sei das Risiko unkalkulierbar: fehlende Eigentumsrechte, strenge Regulierung, marode Infrastruktur. „Das ist keine Investition – das ist ein Geschenk an den Staat.“

Erfolgreich im Ausland – ohne Rückkehrwunsch

In Städten wie Louisville, Kentucky, haben sich florierende kubanisch-amerikanische Gemeinschaften entwickelt. Unternehmerin Margarita Coro betreibt dort eine erfolgreiche Bäckerei. Eine Rückkehr nach Kuba kommt für sie nicht infrage.

„Solange das Regime besteht, kann es dort keine echten Geschäfte geben“, sagt sie. Stattdessen fordert sie noch stärkeren Druck auf die Regierung – selbst wenn das umstritten ist.

Denn viele Familien auf Kuba sind auf Geldsendungen aus dem Ausland angewiesen. Für Coro ein moralisches Dilemma: „Wir helfen unseren Angehörigen – aber gleichzeitig nähren wir damit das System.“

Alltag zwischen Mangel und Improvisation

Auch Gastronom Marcos Lorenzo, der regelmäßig nach Havanna reist, beschreibt die Lage als dramatisch: stundenlange Stromausfälle, Müllberge, fehlende Grundversorgung.

„Es geht nur noch ums Überleben“, sagt er. An Investitionen denkt er nicht. „Das wäre verrückt.“

Rechtliche Hürden bleiben hoch

Selbst wenn es Interesse gäbe: Der US-Embargo setzt enge Grenzen. Das Helms-Burton-Gesetz von 1996 schreibt die Sanktionen fest. Lockerungen wären nur durch den Kongress möglich – und an Bedingungen geknüpft wie freie Wahlen und die Freilassung politischer Gefangener.

Jurist Jordi Martinez-Cid spricht von einem „Tanz zu zweit“: Investitionen müssten sowohl in Kuba als auch in den USA legal sein.

Ein Markt mit Potenzial – und großen Risiken

Trotz aller Probleme bleibt Kuba wirtschaftlich interessant: nur 150 Kilometer von den USA entfernt, mit großem Nachholbedarf in vielen Branchen.

Doch derzeit überwiegt für viele Exil-Kubaner die Skepsis. Solange sich die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen nicht grundlegend ändern, bleibt Havannas Ruf ungehört.

Oder, wie es ein Unternehmer formuliert: „Warum sollte man in ein Land investieren, in dem es keine Freiheit gibt?“

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