Manche Namen lassen einen einfach nicht los. Kaum veröffentlicht das US-Justizministerium neue Dokumente zum notorischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, schon taucht ein weiterer ehemaliger Regierungschef in den Akten auf – diesmal aus Norwegen.
Die norwegische Polizei ermittelt nun gegen den früheren Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland. Der Verdacht: schwere Korruption. Zuständig ist ausgerechnet Ökokrim, Norwegens Elitebehörde für Wirtschaftskriminalität – für alles also, was über „ups, falscher Freundeskreis“ hinausgeht.
Enge Kontakte? Reiner Zufall, natürlich
Die Zeitung VG berichtet unter Berufung auf die frisch veröffentlichten Epstein-Dokumente, Jagland habe engen Kontakt zu Epstein gepflegt. Wirklich eng. So eng, dass man sich offenbar auch über Wohnungskäufe und finanzielle Unterstützung austauschte.
Jagland versicherte pflichtbewusst, alle Immobilienkredite ganz normal bei der norwegischen Bank DNB aufgenommen zu haben. Dass er laut US-Dokumenten 2015 und 2018 Epsteins Wohnung in Paris sowie 2018 Epstein selbst in New York besuchte, dürfte natürlich keinerlei Bedeutung haben. Man besucht ja schließlich viele Menschen.
Karriere mit moralischem Anspruch – und einem blinden Fleck
Zur Erinnerung: Jagland war nicht nur Ministerpräsident (1996–1997), sondern auch Generalsekretär des Europarats (2009–2019) – also Hüter von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Zusätzlich leitete er von 2009 bis 2015 das norwegische Nobelkomitee, das über den Friedensnobelpreis entscheidet.
Am Sonntagabend räumte Jagland gegenüber der Aftenposten dann ein, er habe Epstein möglicherweise „falsch eingeschätzt“. Eine diplomatische Formulierung für: Man sollte verurteilte Sexualstraftäter vielleicht nicht zu gut kennen.
London zieht nach: Entschuldigung im Nachhinein
Währenddessen eskaliert die Epstein-Nachwirkung auch in Großbritannien. Dort geriet Premierminister Keir Starmer unter massiven Druck, nachdem bekannt wurde, dass er den ehemaligen Minister Peter Mandelson zum Botschafter in den USA ernannt hatte – trotz dessen bekannter Nähe zu Epstein.
Das Ergebnis: eine Regierungskrise und eine öffentliche Entschuldigung Starmers bei den Opfern Epsteins. Die Bestellung Mandelsons sei ein Fehler gewesen. Rückblickend. Wie so oft.
Fazit
Jeffrey Epstein ist tot – aber seine Gästeliste lebt.
Und sie scheint zuverlässiger zu funktionieren als so mancher Verfassungsschutz.
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