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Epstein-Enthüllungen lösen Rücktritte und politische Erschütterungen in Europa aus

stevepb (CC0), Pixabay
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Der Missbrauchsskandal um den verstorbenen US-Milliardär Jeffrey Epstein hat in Europa eine Welle von Rücktritten und politischen Turbulenzen ausgelöst – mit Auswirkungen bis in höchste Regierungskreise. Während die USA selbst bislang kaum personelle Konsequenzen ziehen, geraten in Großbritannien, Norwegen, der Slowakei und Frankreich Politiker, Diplomaten und sogar Mitglieder des Königshauses zunehmend unter Druck.

Großbritannien: Starmer in der Schusslinie

Am stärksten betroffen ist derzeit Großbritannien, wo Premierminister Keir Starmer nach der umstrittenen Ernennung von Peter Mandelson zum US-Botschafter mit Rücktrittsforderungen konfrontiert ist. Mandelson, ein Vertrauter Starmers und früherer Labour-Minister, hatte auch nach Epsteins Verurteilung 2008 Kontakt zu diesem gehalten. Interne Dokumente legen nahe, dass Mandelson als Minister sensible Wirtschaftsinformationen an Epstein weitergab und Geld von ihm annahm.

Nachdem bereits am Sonntag Starmers Kabinettschef Morgan McSweeney das Handtuch warf, folgte am Montag auch Kommunikationschef Tim Allan. Beide galten als Schlüsselfiguren im Umfeld des Premiers. Die Abfindung für Mandelson – über 51.000 Euro nach nur sieben Monaten im Amt – sorgt zusätzlich für Empörung.

Labour-Partei unter Druck

Innerhalb der Labour-Partei mehren sich die Stimmen, die Starmers Rücktritt fordern. Besonders deutlich wurde Anas Sarwar, der Chef von Scottish Labour, der einen personellen Neustart in der Downing Street forderte. Starmer lehnt einen Rückzug ab und pocht auf seinen Reformkurs.

Gleichzeitig versuchen mehrere Minister, den Premier zu stützen. Außenministerin Yvette Cooper und Vizepremier David Lammy betonen, dass Starmer gebraucht werde, „nicht nur im eigenen Land, sondern auch auf der Weltbühne“.

Royals unter Beobachtung: Neue Vorwürfe gegen Prinz Andrew

Auch der britische König Charles III. und das Königshaus geraten durch neue Epstein-Enthüllungen in Bedrängnis. E-Mails deuten darauf hin, dass Prinz Andrew als früherer Handelsbeauftragter möglicherweise vertrauliche Dokumente an Epstein weitergegeben haben könnte. Ob er sich damit strafbar gemacht hat, wird derzeit geprüft.

König Charles zeigte sich laut Palast „zutiefst besorgt“ und bot Ermittlungsbehörden seine Unterstützung an. Bei einem öffentlichen Auftritt wurde Charles bereits zum zweiten Mal mit kritischen Zwischenrufen zu Andrew konfrontiert. Auch Prinz William und Prinzessin Kate äußerten sich besorgt und bekundeten ihr Mitgefühl für die Opfer.

Rücktritte in Norwegen und der Slowakei

In Norwegen trat die prominente Diplomatin Mona Juul von ihrem Amt als Botschafterin in Jordanien und im Irak zurück. Gegen sie und ihren Ehemann, den einstigen UN-Vermittler Terje Röd-Larsen, laufen Ermittlungen. Norwegische Medien berichten von einem persönlichen Finanzverhältnis Röd-Larsens zu Epstein. Pikant: In Epsteins Testament sollen die Kinder des Paares mit je fünf Millionen Dollar bedacht worden sein.

Auch in der Slowakei kam es zu einem Rücktritt: Miroslaw Lajcak, ehemaliger Außenminister und Regierungsberater, trat wegen mutmaßlicher Kontakte zu Epstein zurück. E-Mails aus dem Jahr 2018 legen nahe, dass Lajcak mit Epstein über junge Frauen kommunizierte. Lajcak bestreitet jegliches Fehlverhalten.

Frankreich: Ermittlungen gegen Ex-Kulturminister

In Frankreich leiteten die Behörden Ermittlungen gegen den ehemaligen Kulturminister Jack Lang und dessen Tochter Caroline Lang ein. Es geht um den Verdacht auf Geldwäsche und Steuerbetrug im Zusammenhang mit dem Epstein-Netzwerk. Lang, der inzwischen unter Polizeischutz steht, weist alle Vorwürfe zurück.

Maxwell schweigt – Trump bleibt stumm

In den USA hingegen stockt die juristische Aufarbeitung. Bei einer Anhörung vor dem Kongress am Montag verweigerte Ghislaine Maxwell, enge Vertraute Epsteins und zu 20 Jahren Haft verurteilte Komplizin, jede Aussage – sie mache von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Ihr Anwalt erklärte, sie sei nur zu einer Aussage bereit, wenn sie von Donald Trump begnadigt werde.

Trump selbst taucht in den freigegebenen Epstein-Dokumenten über 38.000-mal auf. Konkrete Vorwürfe gegen ihn wurden bisher nicht bestätigt. Bill und Hillary Clinton hingegen sollen vor dem US-Kongress aussagen – beide verlangen eine öffentliche Anhörung, um politischer Vereinnahmung vorzubeugen.

Fazit:
Die neuen Epstein-Files entfalten eine brisante politische Sprengkraft – jedoch bislang vor allem in Europa. Rücktritte, Ermittlungen und politische Krisen zeigen: Das Netzwerk des Skandals reicht weit über die USA hinaus – und bringt selbst höchste Kreise ins Wanken.

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