Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus haben am Donnerstag (26. September) einen weiteren Teil der Akten aus dem Nachlass des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Die Unterlagen enthalten Hinweise auf Kontakte zu mehreren prominenten Persönlichkeiten, darunter der frühere Chefstratege im Weißen Haus Steve Bannon, der Tech-Milliardär Elon Musk, der Investor Peter Thiel sowie Prinz Andrew. Auch ein mutmaßlich von Donald Trump unterzeichneter Brief ist Teil der Veröffentlichung.
Die Dokumente, darunter Flugprotokolle, Terminpläne und interne Mitteilungen, stammen aus den Jahren 2000 bis 2019. Laut dem Ausschuss für Regierungsaufsicht ist dies die dritte Tranche der insgesamt über 8.000 Dokumente, die dem Kongress im Rahmen einer Voruntersuchung zur Verfügung gestellt wurden. Die Demokraten kündigten an, „nicht zu ruhen, bis alle Verantwortlichen identifiziert sind, die an Epsteins Verbrechen beteiligt waren“.
Frühstücke, Flüge und fragwürdige Notizen
In Epsteins Terminplan finden sich unter anderem ein geplanter Besuch Elon Musks auf Epsteins Privatinsel am 6. Dezember 2014 („Is this still happening?“), ein Frühstückstermin mit Steve Bannon im Februar 2019 sowie ein Mittagessen mit Peter Thiel im November 2017. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates taucht in den Kalenderaufzeichnungen mehrfach auf. Eine frühere Flugliste von 2000 nennt Epstein und Prinz Andrew als Passagiere.
Ein besonders aufsehenerregendes Dokument ist ein angeblich von Donald Trump unterzeichneter Geburtstagsbrief an Epstein. Die Nachricht ist im Umriss eines weiblichen Körpers platziert, die Unterschrift des damaligen US-Präsidenten bildet dabei offenbar die Schamhaarregion. Trump bestreitet, den Brief geschrieben zu haben.
Politische Kontroverse um Veröffentlichung
Die Republikaner, die aktuell den Ausschussvorsitz innehaben, warfen den Demokraten eine selektive Veröffentlichung vor. In einem Beitrag auf X (vormals Twitter) hieß es: „Die Demokraten halten weiterhin Dokumente zurück, die Namen von Parteikollegen enthalten könnten. Sie stellen Politik über die Opfer.“ Der Ausschuss kündigte jedoch an, bald sämtliche Unterlagen zugänglich zu machen.
Die Epstein-Akten sind seit Jahren ein politischer Zankapfel in Washington. Kritiker werfen verschiedenen Akteuren Vertuschung, Untätigkeit oder gar Mittäterschaft vor. Epstein war 2019 in Untersuchungshaft tot aufgefunden worden – offiziell durch Suizid. Er hatte zuvor bereits eine Verurteilung wegen des Missbrauchs Minderjähriger hinter sich und wartete auf einen Prozess wegen Menschenhandels.
Trump, Musk und das „große Geheimnis“
Bemerkenswert ist die Rolle Elon Musks in der aktuellen Debatte. Der Unternehmer, der Trump bei dessen Wahlsieg 2024 mit fast 290 Millionen Dollar unterstützte, war zwischenzeitlich enger Berater im Weißen Haus – bis es zu einem öffentlichen Zerwürfnis kam. Im Juni 2025 behauptete Musk auf X, Trump befinde sich selbst in den nicht veröffentlichten Epstein-Dokumenten – und das sei „der wahre Grund, warum sie nicht öffentlich gemacht werden“.
Trump selbst erklärte im Juli, er habe „nie das Privileg gehabt“, Epsteins Insel zu besuchen. „Ich habe es abgelehnt. In einem meiner besseren Momente“, so Trump.
Prinz Andrew, Gates und Co. – Rücktritte und Reue
Prinz Andrew, der bereits 2019 von seinen royalen Pflichten entbunden wurde, wird in den Unterlagen erneut mit Massageterminen in Verbindung gebracht. Gegen ihn hatte die Amerikanerin Virginia Giuffre 2021 Zivilklage wegen sexuellen Missbrauchs eingereicht. Der Fall endete mit einem Vergleich und einer „substanziellen Spende“ an Giuffres Wohltätigkeitsorganisation.
Bill Gates und Peter Thiel äußerten sich laut Medienberichten bereits früher zu ihren Kontakten mit Epstein. Thiel sagte 2023 gegenüber dem Wall Street Journal, er sei „naiv gewesen“ und habe Epsteins Motive unterschätzt.
Suche nach Aufklärung – politische Dimension wächst
Mit der Veröffentlichung der jüngsten Unterlagen wächst erneut der Druck auf den Kongress und das Justizministerium, sämtliche verfügbaren Epstein-Dokumente offenzulegen. Bereits im August hatte Ausschussvorsitzender James Comer (Republikaner) eine Subpoena an das Justizministerium gesendet, um vollständige Akteneinsicht zu erzwingen.
Die Enthüllungen fachen nicht nur die öffentliche Debatte um Machtmissbrauch und elitäre Netzwerke neu an, sondern bergen auch politischen Sprengstoff – insbesondere im Vorfeld des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2028.
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