Startseite Allgemeines Epstein-Akten: Opfer in Angst – droht eine fatale Offenlegung?
Allgemeines

Epstein-Akten: Opfer in Angst – droht eine fatale Offenlegung?

Maklay62 (CC0), Pixabay
Teilen

Die bevorstehende Veröffentlichung der Ermittlungsakten im Fall Jeffrey Epstein sorgt für zunehmende Nervosität – vor allem bei seinen mutmaßlichen Opfern. Denn während das neue „Epstein Files Transparency Act“ Transparenz verspricht, wächst die Sorge, dass der Schutz der Betroffenen auf der Strecke bleiben könnte.

Zahlreiche mutmaßliche Opfer hatten sich für die Offenlegung starkgemacht – nun fürchten viele von ihnen schwerwiegende Fehler bei der Umsetzung. „Ich bekomme täglich Nachrichten von mindestens fünf Betroffenen, die in unglaublicher Angst leben“, berichtet die Opferanwältin Brittany Henderson gegenüber USA TODAY. Die Stimmung: alarmiert, verzweifelt, schlaflos.

Namen in Akten – und auf Seiten, die jeder sehen kann

Besonders besorgniserregend war bereits die Freigabe von rund 20.000 Seiten durch den US-Kongress am 12. November. Laut Henderson wurden dabei mehr als 30 Opfer mit vollem Namen genannt – ein eklatanter Verstoß gegen den Opferschutz.

„Sie wollen einfach keinen Bezug mehr zu diesem Mann in ihrem Leben haben“, erklärt Anwalt Spencer Kuvin. Viele Betroffene hätten Jahre gebraucht, um sich ein neues Leben aufzubauen. Eine öffentliche Nennung könne retraumatisierend wirken – und sie erneut Angriffen oder Stigmatisierung aussetzen.

Eine Frau berichtete, dass sie in den freigegebenen Akten handschriftliche Vermerke über eine Massage gefunden habe – inklusive ihres vollen Namens und denen anderer Überlebender. Eine andere schrieb: „Ich kann nicht schlafen, funktioniere emotional nicht mehr.“

Angst vor Tätern in der Opferrolle

Die Empörung richtet sich aber nicht nur gegen potenzielle Fahrlässigkeit. Einige Anwälte befürchten, dass Täter unter dem Deckmantel des Opferschutzes selbst anonym bleiben könnten. Es gebe Hinweise, dass mutmaßliche Mitwisser oder Beteiligte sich nun selbst als Opfer darstellten, um ihre Namen schwärzen zu lassen.

„Das ist absurd“, so Kuvin. „Wer unter Epstein mitgemacht hat, darf nicht durch eine künstliche Opfererzählung geschützt werden.“

Zu viel Schutz – oder zu wenig?

Während das Justizministerium bis zum 19. Dezember alle nicht klassifizierten Akten veröffentlichen muss, erlaubt das Gesetz Ausnahmen: geschützte Opferdaten, laufende Ermittlungen, nationale Sicherheitsinteressen. Kritiker warnen, dass diese Klauseln als Vorwand dienen könnten, um Epstein-nahe Personen – darunter auch politische und wirtschaftliche Eliten – zu schonen.

Bis spätestens 3. Januar 2026 muss das DOJ einen Bericht über alle Schwärzungen und zurückgehaltenen Inhalte vorlegen. Doch viele bezweifeln, dass dies reicht.

„Wir wollen Transparenz – ohne neuen Schaden“

Die Anwälte Henderson und Brad Edwards, die mehr als 200 Epstein-Opfer vertreten, darunter 75 enge Mandantinnen, appellieren an das Ministerium: „Es gibt keine Entschuldigung für Fehler.“ Der erste Schwung an Dokumenten müsse mit äußerster Sorgfalt erfolgen – sonst werde das Thema „nicht verschwinden, bis es richtig gemacht wurde“.

„Wir wollen, dass dieser Prozess funktioniert. Aber ich will nicht, dass Frauen schlaflose Nächte haben aus Angst vor dem, was passieren könnte“, so Henderson.

Fazit: Der Wunsch nach Aufklärung ist groß – doch er darf nicht auf dem Rücken der Opfer ausgetragen werden. Nur ein sensibler Umgang mit den Namen, Geschichten und Traumata der Betroffenen kann echte Gerechtigkeit bringen.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Universitätsklinikum Leipzig: Spitzenmedizin mit wirtschaftlichen Herausforderungen

Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) gehört zu den größten und traditionsreichsten Krankenhäusern in...

Allgemeines

Bericht: Steve Bannon suchte Austausch mit Jeffrey Epstein über Strategie gegen Papst Franziskus

Neu veröffentlichte Dokumente des US-Justizministeriums legen nahe, dass der frühere Trump-Berater Steve...

Allgemeines

Ende-Wer hatte die niedrigste Zustimmungsrate? Gallup beendet historische Präsidentenumfragen

Seit den 1930er-Jahren galten die Zustimmungswerte von US-Präsidenten als wichtiger Gradmesser für...

Allgemeines

US-Regierung streicht Anreiz für Start-Stopp-Systeme in Autos

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump schafft eine bisherige Gutschrift für Autohersteller...