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Epstein-Affäre bringt britische Regierung ins Wanken – Druck auf Premier Starmer wächst

rachelmatthews7 (CC0), Pixabay
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Die britische Regierung steckt in einer tiefen Krise: Nach der jüngsten Veröffentlichung von Akten des US-Justizministeriums zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gerät Premierminister Keir Starmer massiv unter Druck. Rücktritte enger Vertrauter und erste offene Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen stellen seine erst 19 Monate alte Amtszeit ernsthaft infrage.

Am Montag erklärte Tim Allan, Starmers Kommunikationschef, seinen Rücktritt. Zuvor war bereits Morgan McSweeney, Starmers Stabschef und engster Berater, zurückgetreten. McSweeney hatte maßgeblich dazu geraten, Peter Mandelson – einen langjährigen Freund Epsteins – im vergangenen Jahr zum britischen Botschafter in den USA zu ernennen. Diese Personalentscheidung gilt inzwischen als Auslöser der aktuellen Affäre.

Personalbeben und Parteikritik

Allans Rückzug verstärkte den Eindruck, dass der Skandal um Mandelson außer Kontrolle geraten ist. Innerhalb der Labour-Partei wächst die Sorge, die Affäre könne Starmer das Amt kosten – trotz des überwältigenden Wahlsiegs, mit dem Labour vor weniger als zwei Jahren an die Macht gekommen war.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgte Anas Sarwar, Vorsitzender der schottischen Labour-Partei. Er forderte als erster prominenter Parteivertreter öffentlich den Rücktritt des Premierministers. „Diese Ablenkung muss ein Ende haben, und die Führung in Downing Street muss sich ändern“, erklärte Sarwar. Die Entscheidung habe ihm persönlich „Schmerz bereitet“, sei aber notwendig mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen im Mai, die zunehmend als Vertrauensabstimmung über Starmer gelten.

Mandelson im Zentrum des Skandals

Im Mittelpunkt der Krise steht die Berufung von Peter Mandelson, einem erfahrenen Labour-Politiker, der trotz seiner bekannten Freundschaft mit Epstein – auch nach dessen Verurteilung im Jahr 2008 – zum US-Botschafter ernannt worden war. Enthüllungen über E-Mails und weitere Dokumente legten nahe, wie eng Mandelsons Kontakte zu Epstein tatsächlich waren.

Nachdem das US-Justizministerium kürzlich Millionen neuer Epstein-Dokumente veröffentlichte, geriet Mandelson noch stärker in den Fokus. Berichten zufolge deuten einige Unterlagen darauf hin, dass er Epstein während seiner Zeit als britischer Wirtschaftsminister im Jahr 2009 marktsensible Informationen weitergegeben haben könnte. Die britische Polizei hat inzwischen im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen möglicher Amtsvergehen zwei mit Mandelson in Verbindung stehende Immobilien durchsucht. Mandelson selbst äußerte sich bislang nicht.

Starmer verteidigt sich – und verliert weiter Verbündete

Starmer entließ Mandelson bereits im September und erklärte vergangene Woche, dieser habe ihn über das Ausmaß seiner Beziehung zu Epstein belogen. Die jüngsten Enthüllungen nannte der Premier „äußerst empörend“. In einer Ansprache an seine Mitarbeiter sprach Starmer von „beschämendem Verhalten“, das mit öffentlichem Dienst unvereinbar sei.

Doch der Schaden scheint größer zu sein. Mit dem Rücktritt von Tim Allan verliert Starmer einen weiteren engen Vertrauten. Allan erklärte, er trete zurück, um den Aufbau eines neuen Teams in der Downing Street zu ermöglichen.

Kampf ums politische Überleben

Starmer steht nun vor der Aufgabe, seine Partei davon zu überzeugen, dass er weiterhin der richtige Mann an der Spitze des Landes ist. Mehrere Kabinettsmitglieder stellten sich am Montag demonstrativ hinter ihn. Vizepremier David Lammy verwies auf das fünfjährige Mandat der Regierung, Außenministerin Yvette Cooper betonte Starmers Bedeutung auch auf internationaler Bühne.

Am Abend wollte Starmer vor fast 400 Labour-Abgeordneten sprechen, um den schwindenden Rückhalt zu stabilisieren. Doch Sarwars Vorstoß könnte weitere Kritiker ermutigen. „Es gab zu viele Fehler“, sagte der schottische Labour-Chef. Zwar habe es auch Erfolge gegeben, „aber niemand nimmt sie wahr, weil alles andere sie übertönt“.

Ob Keir Starmer diese politische Krise übersteht, ist offen. Klar ist jedoch: Die Epstein-Affäre hat sich zu einer der größten politischen Erschütterungen Großbritanniens in diesem Jahrhundert entwickelt.

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