Das US-Justizministerium hat Millionen bislang nicht veröffentlichter Dokumente über den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein freigegeben – der bislang umfassendste öffentliche Einblick in den Fall. Insgesamt wurden drei Millionen Seiten, 180.000 Bilder und 2.000 Videos veröffentlicht.
Die Freigabe erfolgte mit sechswöchiger Verspätung, nachdem ein vom früheren US-Präsidenten Donald Trump unterzeichnetes Gesetz das Justizministerium verpflichtet hatte, alle Epstein-bezogenen Unterlagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
„Mit der heutigen Veröffentlichung schließen wir einen umfassenden Überprüfungsprozess ab, um Transparenz gegenüber der amerikanischen Bevölkerung sicherzustellen“, erklärte Vize-Justizminister Todd Blanche.
Was beinhalten die neuen Dokumente?
Die Unterlagen geben Einblick in:
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Epsteins Haftzeit und psychologische Gutachten
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Die Umstände seines Todes 2019 im Gefängnis
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Ermittlungen gegen Ghislaine Maxwell, die 2021 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt wurde
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E-Mail-Korrespondenz mit hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Adel, Wirtschaft und Technologie
Viele der enthaltenen Dokumente stammen aus den Jahren zwischen 2008 und 2013 – also nach Epsteins erstem Schuldspruch wegen Anstiftung zur Prostitution Minderjähriger in Florida.
Verbindungen zum britischen Königshaus
Besonders brisant: E-Mails zwischen Epstein und einem Mann namens „The Duke“, bei dem es sich laut BBC-Recherchen um Prinz Andrew (Andrew Mountbatten-Windsor) handeln soll. Die Nachrichten enthalten:
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Einladungen zu privaten Abendessen im Buckingham Palace
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Den Vorschlag, den Herzog mit einer „26-jährigen Russin“ bekannt zu machen
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Signaturen mit „HRH Duke of York KG“
In einer weiteren E-Mail aus dem Jahr 2009 schreibt Sarah Ferguson, Andrews Ex-Frau, an Epstein: „Mein lieber, spektakulärer und besonderer Freund Jeffrey“. Sie bedankt sich herzlich und nennt ihn einen „Mythos“ – zu einer Zeit, in der Epstein sich noch im Hausarrest befand.
Finanzielle Verbindungen zu Peter Mandelson
Der britische Politiker Lord Peter Mandelson soll laut Dokumenten mehrfach Kontakt zu Epstein gehabt haben:
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Epstein überwies 2009 rund 10.000 Pfund an Mandelsons heutigen Ehemann, Reinaldo da Silva, zur Finanzierung eines Osteopathie-Kurses.
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Lord Mandelson selbst bat via E-Mail um einen Aufenthalt in einem von Epsteins Anwesen.
Mandelson hatte seine Beziehung zu Epstein bereits eingeräumt und betont, er habe „nie illegales Verhalten beobachtet“.
Donald Trump: Hunderte Erwähnungen
In den freigegebenen Akten taucht Donald Trump hunderte Male auf. Zwar bestand in den 1990er-Jahren eine Freundschaft zwischen Trump und Epstein, doch der ehemalige Präsident betont, sie hätten sich „vor Jahren zerstritten“ und er wisse nichts über Epsteins Verbrechen.
Viele der in den Akten enthaltenen Hinweise stammen von Hinweistelefonen des FBI und beruhen auf nicht verifizierten Aussagen. Das Justizministerium erklärt dazu:
„Einige Dokumente enthalten falsche, sensationelle Behauptungen gegen Präsident Trump, die kurz vor der Wahl 2020 bei der FBI-Hotline eingingen. Diese sind unbegründet.“
Elon Musk: E-Mail-Kontakt zu Epstein
Auch Elon Musk erscheint mehrfach in der Korrespondenz:
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In E-Mails von 2012 erkundigt sich Musk bei Epstein nach dem „wildesten Abend“ auf dessen Privatinsel.
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In späteren Nachrichten spricht er über die Möglichkeit, mit seiner damaligen Frau Talulah Riley anzureisen.
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Musk betonte am Wochenende auf X (ehemals Twitter), dass diese E-Mails „aus dem Kontext gerissen werden können“ – wichtig sei jedoch, „dass die wirklichen Täter strafrechtlich verfolgt werden“.
Es gibt keine Beweise, dass Musk tatsächlich die Insel besuchte oder sich in illegales Verhalten verwickeln ließ.
Bill Gates: Absurde Behauptungen
In zwei E-Mails von 2013, die offenbar von Epstein selbst verfasst wurden, macht er groteske Anschuldigungen gegen Bill Gates, darunter angeblich eine sexuell übertragbare Krankheit und eine angebliche Resignation aus der eigenen Stiftung.
Ein Sprecher von Gates wies alle Anschuldigungen als „völlig absurd und falsch“ zurück:
„Diese Dokumente zeigen nur Epsteins Frustration über die fehlende Beziehung zu Gates.“
Opferanwältin kritisiert Veröffentlichung: „Verletzend und fahrlässig“
Die prominente Opferanwältin Gloria Allred äußerte scharfe Kritik an der Veröffentlichung:
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Zahlreiche Namen von Überlebenden seien nicht ausreichend geschwärzt.
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In manchen Fällen seien Fotos von Betroffenen veröffentlicht worden, die nie öffentlich aufgetreten seien.
„Das Justizministerium hat versagt. Die Veröffentlichung war ein Desaster und ein massiver Eingriff in die Privatsphäre der Opfer“, so Allred.
Sind jetzt alle Dokumente veröffentlicht?
Offiziell erklärt das Justizministerium die Freigabe für abgeschlossen. Doch Kritik aus dem US-Kongress hält an:
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Insgesamt wurden 6 Millionen Seiten als relevant eingestuft, doch nur 3,5 Millionen freigegeben.
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Abgeordneter Ro Khanna (Demokraten) fordert weitere Transparenz und Prüfung der noch zurückgehaltenen Dokumente.
Trotz des neuen Transparenzgesetzes bleibt unklar, ob alle relevanten Informationen je öffentlich werden. Kritiker vermuten weiterhin, dass Teile des Establishments geschützt werden.
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