Eine lustige, aber nicht ganz unrealistische Betrachtung unserer Bildschirmgewohnheiten
Suchtfaktor: Social Media – die Chipstüte für den Daumen.
Eigentlich wollten wir nur mal kurz schauen. Nur ein Reel, nur ein TikTok, nur ein… oh, es ist 3 Uhr morgens und wir wissen immer noch nicht, wonach wir eigentlich suchen.
Willkommen im „Smooth Scroll State“ – auch bekannt als: Gehirn im Autopilot.
Die Kommunikationswissenschaftlerin Kathrin Karsay nennt das Ganze „Flow-Erlebnis“. Wir nennen es: „Oops, ich hab meinen Tag verlegt.“ Man scrollt, man wischt, man staunt – und ehe man sich versieht, hat man 27 Videos über tanzende Hunde, DIY-Gartenmöbel und emotionale Brot-Rezepte konsumiert, ohne sich daran zu erinnern.
Das Prinzip ist einfach:
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Immer neue Inhalte.
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Immer kleine Überraschungen.
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Immer der Gedanke: „Das nächste Video wird sicher NOCH besser!“
Der Algorithmus ist wie dieser eine Freund, der immer sagt: „Bleib noch ein bisschen!“ Und wir bleiben. Und bleiben. Und… ja, da geht wieder eine Stunde ins digitale Nirwana.
Dein Hirn? Total überfordert.
Jede Entscheidung – bleiben oder wischen – klingt banal. Aber stell dir vor, du müsstest 400 dieser Entscheidungen in 30 Minuten treffen. Willkommen in der kognitiven Muckibude: Viel zu viel Training, null Erholung.
Folgen? Konzentration? Weg. Impulskontrolle? Auch weg.
Studien zeigen: Wer zu viel Zeit mit Kurzvideos verbringt, bekommt Probleme mit Fokus, Gedächtnis und Schlaf. Ein ganzer Film? Unvorstellbar. Aber denselben Film in 89 Ein-Minuten-Häppchen anschauen? Kein Problem!
Und während wir scrollen wie Weltmeister, bleiben echte Gespräche auf der Strecke.
Der sogenannte Displacement-Effekt meint: Wenn du TikTok mehr Stunden pro Woche gibst als deinem Job, deiner Familie und deinem Kühlschrank zusammen, könnte da was aus dem Gleichgewicht geraten sein. Sozialleben? Vielleicht beim nächsten Update.
Wer ist schuld? Du? Nein. Naja… ein bisschen. Aber vor allem: die Plattformen.
Apps wie TikTok, Instagram & Co. sind nicht aus Versehen so süchtig machend. „Addictive Design“ nennt man das – Design, das nicht will, dass du gehst. Statt einer netten Verabschiedung bekommst du: „Willst du nicht lieber noch dieses eine Video sehen? Es könnte dein Leben verändern!“ (Spoiler: Wird es nicht.)
Was tun? Einfach löschen? Hahaha. Nein, ehrlich: Was tun?
Karsay empfiehlt kleine Hacks:
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Eine App nur an einem bestimmten Ort nutzen (z. B. nur auf dem Klo, aber bitte nicht drei Stunden).
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Einen Timer stellen (nicht ignorieren!).
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Gewohnheiten durchbrechen (z. B. nicht bei jeder roten Ampel scrollen – vielleicht einfach mal… Leute beobachten?).
Fazit:
Social Media ist wie Chips: super lecker, aber irgendwann fragt man sich, wie die ganze Packung verschwunden ist – und warum man jetzt Bauchweh (oder Konzentrationsprobleme) hat.
Es ist okay, mal zu chillen und sich berieseln zu lassen. Nur: Wenn dein Hirn dabei permanent auf High Alert ist, dann war’s kein Entspannungsbad, sondern ein kognitiver Dauerlauf. Vielleicht also doch mal das Handy aus – und einfach kurz… nichts tun.
Und falls du diesen Text bis hierher gelesen hast, ohne wegzuwischen: Glückwunsch! Du hast schon mehr Aufmerksamkeitsspanne als der Durchschnitt.
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