Seit den 1930er-Jahren galten die Zustimmungswerte von US-Präsidenten als wichtiger Gradmesser für politische Stimmung und öffentliche Wahrnehmung. Nun hat das Meinungsforschungsinstitut Gallup überraschend angekündigt, die Erhebung und Veröffentlichung von Zustimmungs- und Beliebtheitswerten einzelner Politiker einzustellen.
Das Unternehmen teilte am 11. Februar mit, man werde die regelmäßige Veröffentlichung der sogenannten „Job Approval Ratings“ ab diesem Jahr beenden. Die Entscheidung spiegele eine Neuausrichtung der öffentlichen Forschungsarbeit wider, erklärte Gallup gegenüber „USA TODAY“.
Eine Tradition seit Roosevelt
Die Geschichte der Präsidenten-Zustimmungswerte begann 1938 mit George Gallup, Gründer des American Institute of Public Opinion. Während der Großen Depression ließ er landesweit Bürger befragen, ob sie die Arbeit von Präsident Franklin D. Roosevelt befürworten oder ablehnen.
Seitdem entwickelten sich die Umfragen zu einem festen Bestandteil der politischen Berichterstattung. Die Werte galten nicht nur als Popularitätsbarometer, sondern auch als Indikator für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der Vereinigten Staaten. Nationale Krisen, militärische Konflikte oder wirtschaftliche Abschwünge spiegelten sich regelmäßig in den Zahlen wider.
Historische Tiefstwerte
Den niedrigsten jemals gemessenen Zustimmungswert erhielt laut Gallup Harry S. Truman. Im Februar 1952 lag seine Zustimmung bei nur 22 Prozent. Gründe waren unter anderem eine schwächelnde Wirtschaft, der langwierige Koreakrieg, Arbeitskonflikte sowie Korruptionsaffären gegen Ende seiner Amtszeit.
Auch Donald Trump erreichte in seinen Amtszeiten vergleichsweise niedrige Werte. Zwar hält er nicht den historischen Negativrekord, doch war er der erste Präsident, dessen Zustimmungsrate sowohl während seiner ersten Amtszeit als auch im ersten Jahr einer zweiten Amtszeit unter 50 Prozent lag.
Politisches Stimmungsbarometer vor dem Aus
Mit dem Ende der Gallup-Erhebungen verschwindet eine fast 90-jährige Institution der amerikanischen Meinungsforschung. Zwar führen andere Institute weiterhin Umfragen durch, doch das traditionsreiche Gallup-Rating galt über Jahrzehnte als besonders prägend für die politische Analyse in den USA.
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