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Ein leiser Abschied – und eine laute Warnung

ZuluZulu (CC0), Pixabay
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Es gibt Momente in der Geschichte, in denen eine Entscheidung mehr ist als nur ein politischer Vorgang. Sie wird zum Symbol, zu einem Wendepunkt, zu einer Mahnung. Michel Friedmans Austritt aus der CDU ist genau das – nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern ein Echo auf eine Entwicklung, die weit über eine einzelne Abstimmung hinausreicht.

Über Jahrzehnte hinweg war Friedman Teil der CDU, eine Stimme, die immer wieder mahnte, erinnerte, wachrüttelte. Nun wendet er sich ab – nicht aus Enttäuschung allein, sondern aus tiefer Überzeugung, dass eine rote Linie überschritten wurde. Die Abstimmung, bei der die Union ihre Mehrheit mit den Stimmen der AfD errang, war für ihn nicht bloß ein politischer Fehler, sondern ein Dammbruch. Ein Moment, der die Tür öffnet für etwas, das nie hätte normal werden dürfen.

Er spricht von einer „Büchse der Pandora“, von einer Naivität, die keine Ausrede mehr sein kann. Diejenigen, die nun beteuern, sie hätten die AfD-Stimmen nicht gewollt, verkennen das Gewicht ihres Handelns. Denn was einmal geschehen ist, lässt sich nicht einfach zurücknehmen. Die Grenzen, die einst klar schienen, verschwimmen.

Friedman, der sein Leben lang gegen das Vergessen gekämpft hat, sieht, was viele nicht wahrhaben wollen: dass Hass in den demokratischen Diskurs einsickert, dass Ausgrenzung und Verachtung eine politische Stimme bekommen haben, die nicht länger am Rand steht.

Sein Austritt ist eine Entscheidung, die nachhallt. Nicht, weil er allein geht, sondern weil er damit eine Frage stellt, die sich nun viele beantworten müssen: Wann ist der Punkt erreicht, an dem Schweigen nicht mehr reicht? Wann ist der Moment gekommen, in dem Haltung mehr bedeutet als Parteibindung?

Vielleicht wird eines Tages in den Geschichtsbüchern stehen, dass es diese Woche war, in der sich etwas grundlegend verschoben hat. Oder vielleicht wird es der Moment sein, in dem Menschen wie Friedman, durch ihre Klarheit, einen anderen Weg aufgezeigt haben. Einen, auf dem Demokratie nicht nur eine Floskel bleibt – sondern eine Verantwortung.

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