US-Präsident Donald Trump hält es für eine gute Idee, die strategisch wichtige Insel Grönland zu kaufen – oder zumindest den Versuch zu wagen. Doch wie schon der griechische Historiker Thukydides in seinem berühmten „Melier-Dialog“ warnte: Wer auf Macht statt auf Bündnisse setzt, verliert oft beides.
Vor rund 2.500 Jahren versuchte Athen, die neutrale Insel Melos mit Gewalt zu integrieren – ein Bruch mit den eigenen Prinzipien und Allianzen. Das Resultat: Misstrauen, Isolation und der spätere Untergang des athenischen Imperiums. Thukydides’ Lehre ist zeitlos: Stärke zeigt sich nicht in der Eroberung, sondern im Erhalt verlässlicher Bündnisse.
Heute ist Grönland ein geopolitisches Juwel – nicht nur wegen seiner Lage im Arktisraum, sondern auch als Vorposten in einer Region, die zunehmend umkämpft ist. Doch Trump verkennt, dass die USA Grönland längst nutzen können – dank des NATO-Partners Dänemark und des 1951 geschlossenen Verteidigungsabkommens, das uneingeschränkten militärischen Zugang sichert.
Grönland „kaufen“ zu wollen – ob per Zwang oder Scheckbuch – sendet ein gefährliches Signal: Dass Amerika bereit ist, seine Allianzen für kurzfristige Vorteile aufs Spiel zu setzen. Das wiederum gefährdet genau jene Stärke, auf die sich die USA im Wettstreit mit Russland und China eigentlich verlassen müssen: ihr globales Netz an freiwilligen, vertraglich abgesicherten Partnern.
Denn allein ist Amerika in der Arktis schwach: Drei US-Eisbrecher (nicht atomar) stehen 50 russischen – viele davon nuklear – gegenüber. Doch gemeinsam mit den arktischen NATO-Partnern (Kanada, Norwegen, Dänemark u. a.) ergibt sich eine Flotte und Küstenlinie, die Russland weit überlegen ist.
Trump scheint diesen Punkt nun erkannt zu haben. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos rückte er überraschend vom Kaufkurs ab – und verwies auf ein „unbegrenztes Abkommen“, das faktisch längst existiert. Gut so.
Denn eines ist klar: Inseln kann man kaufen – Vertrauen nicht. Wer seine Verbündeten wie Melos behandelt, könnte am Ende wie Athen enden.
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