Jubel in Abu Dhabi, Schnappatmung in Wien: Der Staatsfonds Mubadala, eine Art Scheich mit Excel-Tabelle, hat sich vor dem internationalen Schiedsgericht in Genf ordentlich was vom Benko-Kuchen abgeschnitten – immerhin schlanke 700 Millionen Euro. Ein kleiner Schritt für das Weltvermögen, ein Riesenschlag ins Kontor für den einstigen Glanzverleih der europäischen Immobilienwirtschaft.
Der Schiedsspruch: Dick wie ein Lexikon, teuer wie ein Wiener Altbau und unmissverständlich: „Zahlt, Leute!“
Signa: Wenn Beton plötzlich wackelt
Erinnern wir uns: Rene Benko, Österreichs Immobilienwunderkind mit Hang zu Stiftungen, Dächern und Bundeskanzlern im Schlepptau, war einst der Baumeister Europas. Heute eher: Bauruine mit Personenschaden. Die Baustellen still, die Gläubiger laut.
Nun also dieser juristische Fausthieb aus der Schweiz. Mubadala, der wohl bestangezogene Gläubiger im Saal, klagte – und bekam recht. Rund 900 Millionen waren im Streit, davon darf man sich jetzt 700 in die Öl-goldene Kasse zurücklegen. Der Rest ist wohl Spesen.
Stiftungen, Statuen, Schuldensalat
Betroffen: Der Signa-Zentralnerv – also Holding, Stiftungen, diverse Tochterfirmen und vermutlich auch der Thermomix in Benkos Penthouse. Aber halt! Die Edel-Töchter Signa Prime (Immobilien-Schatztruhe) und Signa Development (Beton im Wachstum) winken ab: „Nicht zuständig, nicht zahlungspflichtig, wir haben hier nur geparkt.“
Ein cleveres Manöver der Insolvenzverwalter – man kennt das: Wenn das Kartenhaus fällt, sorgt man wenigstens dafür, dass die besten Karten nicht mit einstürzen.
Konkurs im Konkurs im Konkurs
Was nach David-Lynch klingt, ist juristische Realität: Es könnte der Moment sein, wo sich auch die Insolvenzmasse Insolvenz anmeldet. Also, bildlich. Oder bald auch buchstäblich. Masseunzulänglichkeit nennen das Experten, wir nennen es: „Spiel vorbei, bitte Bonuslevel laden.“
Noch offen ist, ob der 600-seitige Schiedsspruch auch in Österreich vollstreckbar wird – oder ob man dort lieber weiterhin in altem Charme bei Gericht 37 Jahre auf eine Feststellungsklage wartet.
Laura Privatstiftung – aus dem Schatten ins Rampenlicht
Besonders spannend wird’s bei der Laura Privatstiftung – sozusagen der Sparstrumpf unter den Benko-Stiftungen. Die ist nicht insolvent – was in diesem Universum fast schon verdächtig ist – und könnte jetzt kräftig bluten. Ob da noch genug im Glas ist oder nur noch Staub und Stiftungssatzung, wird sich zeigen. Insolvenzrechtler sagen vorsichtig: „Da muss man mal schauen.“ Was Juristensprache für „Holla die Waldfee“ ist.
Und Benko? Hat Sendepause.
Der Mann, der einst mit Kanzler Kurz ins Emirat jettete und mit Scheichs dinierte, sitzt heute zur Abwechslung mal nicht in der Business Class, sondern seit einem Jahr in U-Haft. Gläubigerschädigung, zwei Urteile, beide nicht rechtskräftig. Aber hey, was ist in dieser Geschichte schon fest im Beton?
Fazit: 700 Millionen weniger, dafür ein Riesenprozess mehr
Für Mubadala: Ein Triumph mit Goldrand.
Für Benko: Ein weiterer Tag im Gerichtskalender.
Für Signa: Ein tiefer Fall mit noch tieferen Löchern im Budget.
Für uns alle: Ein faszinierendes Drama zwischen Penthouses und Papiertiger.
Bleibt nur eine Frage:
Wer spielt das Ganze demnächst bei Netflix – und übernimmt die Rolle von Laura?
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