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Eigensonne GmbH bilanziell Überschuldet und ein Fall für das Bundesamt für Justiz

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Schaut man sich die aktuelle Bilanz des Unternehmens an, jene die als letzte Bilanz im Unternehmensregister hinterlegt wurde, dannist unsere Aussage richtig. Die letzte im Unternehmensregister hinterlegte Bilanz ist aus dem Jahre 2022, dabei hätte man längst hinterlegen müssen. Mit dem aktuellen Handeln verstößt man gegen gesetzliche Bestimmungen.

Bilanzanalyse der Eigensonne GmbH zum 31.12.2022

1. Unternehmensprofil und Umfeld Die Eigensonne GmbH ist ein wachstumsorientierter Anbieter im Bereich privater Photovoltaiklösungen mit Sitz in Berlin. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds durch Pandemie, Krieg in der Ukraine und gestörte Lieferketten konnte das Unternehmen 2022 seinen Umsatz erheblich steigern. Der Fokus liegt auf PV-Anlagen mit und ohne Speicher für Privatkunden im Miet- oder Kaufmodell.

2. Ertragslage

  • Umsatzentwicklung: Der Umsatz stieg um 59 % auf 20,3 Mio. EUR. Die Gesamtleistung inklusive Bestandsveränderungen belief sich auf 24,0 Mio. EUR (+85 %).
  • Aufwandsstruktur: Die Material- und Fremdleistungskosten betrugen 16,6 Mio. EUR, der Personalaufwand stieg auf 17,9 Mio. EUR (+88 %). Werbekosten lagen bei 1,6 Mio. EUR.
  • EBIT: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag bei -17,7 Mio. EUR und verschlechterte sich um 4,7 Mio. EUR zum Vorjahr.
  • Jahresfehlbetrag: Mit -19,1 Mio. EUR fiel das Jahresergebnis nochmals schwächer aus als 2021 (-13,1 Mio. EUR). Hauptgründe waren hohe Personal- und Materialkosten sowie gestiegene Zinsaufwendungen (1,7 Mio. EUR).

3. Vermögenslage (Bilanz)

  • Bilanzsumme: Starker Anstieg von 17,4 Mio. EUR auf 48,0 Mio. EUR, getrieben durch Umlaufvermögen (v.a. Vorräte +8,7 Mio. EUR).
  • Aktiva:
    • Anlagevermögen: 2,2 Mio. EUR (Vorjahr: 1,25 Mio. EUR)
    • Umlaufvermögen: 17,8 Mio. EUR (Vorjahr: 7,3 Mio. EUR)
    • Nicht durch EK gedeckter Fehlbetrag: 27,5 Mio. EUR (Vorjahr: 8,3 Mio. EUR)
  • Passiva:
    • Eigenkapital formal 0 EUR, real stark negativ durch Verlustvortrag und Jahresfehlbetrag
    • Verbindlichkeiten: 46,9 Mio. EUR, hauptsächlich gegenüber Gesellschafterin EWE AG (43,6 Mio. EUR)
    • Rückstellungen: 1,1 Mio. EUR

4. Finanzlage

  • Die flüssigen Mittel lagen bei 3,7 Mio. EUR, Forderungen aus Lieferungen bei 3,1 Mio. EUR.
  • Finanzierung erfolgt wesentlich über Wandeldarlehen der EWE AG.
  • Die Liquidität ist bis Ende 2024 gesichert.

5. Prognose und Going Concern

  • Trotz hoher Verluste zeigt sich die Geschäftsführung optimistisch: Umsatzwachstum, steigende Marge und schrittweiser Break-even auf Monatsebene sind geplant.
  • Erfolgsabhängigkeit von Produktivitätssteigerung, Lieferkettenstabilität und weiterer Finanzierung durch Gesellschafter.
  • Der Bestätigungsvermerk weist auf eine wesentliche Unsicherheit bzgl. der Unternehmensfortführung hin, sieht jedoch derzeit keine akute Bestandsgefährdung.

6. Chancen und Risiken

  • Chancen: stark wachsender Markt, politische Unterstützung (z.B. 0% USt für PV), Digitalisierung (GNDEW), Skalierungspotenzial
  • Risiken: Materialverfügbarkeit, Fachkräftemangel, Liquiditätssicherung, gesamtwirtschaftliche Entwicklung

7. Gesamturteil Die Eigensonne GmbH zeigt ein beeindruckendes Umsatzwachstum in einem schwierigen Marktumfeld, steht jedoch unter erheblichem Ergebnis- und Finanzierungsdruck. Die Abhängigkeit von der Gesellschafterin EWE AG ist hoch. Die Fortführung des Unternehmens ist aktuell nur durch externe Mittel möglich, die Umsetzung der geplanten Effizienzmaßnahmen bleibt abzuwarten. Die finanzielle Stabilität ist fragil, der Weg zur Profitabilität ambitioniert, aber nicht ausgeschlossen.

Übrigens eine bilanzielle Überschuldung ist nicht gleichzusetzen mit einer insolvenzrechtlichen Überschuldung.

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