Nach einer monatelangen Aufwärtsbewegung hat der Edelmetallmarkt vergangene Woche einen deutlichen Rückschlag erlitten. Besonders Gold und Silber verzeichneten erhebliche Kursverluste, die sich zum Wochenbeginn – wenn auch in abgeschwächter Form – fortsetzten.
Ein zentraler Auslöser war die Meldung, dass US-Präsident Donald Trump mit Kevin Warsh einen Kandidaten als neuen Vorsitzenden der US-Notenbank (Fed) favorisiert, der für eine restriktive Geldpolitik steht. Damit änderten sich die Markterwartungen schlagartig – insbesondere für jene Investoren, die auf weiter steigende Edelmetallpreise gesetzt hatten.
Kettenreaktion durch Margin Calls
Laut Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM, war die mögliche Warsh-Nominierung zwar ein Auslöser, könne das Ausmaß der Kursverluste aber nicht allein erklären. Entscheidender seien Zwangsverkäufe durch Margin Calls gewesen: Viele Spekulanten hatten mit geliehenem Kapital („gehebelt“) auf einen schwachen Dollar und weiter steigende Edelmetallpreise gesetzt – im Vertrauen darauf, dass Trump einen Fed-Chef ernennen würde, der seine Forderungen nach Zinssenkungen unterstützt.
Mit Warsh, der als geldpolitischer „Falke“ gilt und Zinssenkungen kritisch gegenübersteht, verlagerten Investoren ihre Anlagen zurück in verzinsliche Papiere, etwa Staatsanleihen – zulasten von Gold, das keine Zinsen abwirft. Die US-Terminbörse COMEX reagierte auf die Kursverluste mit einer Anhebung der Sicherheitsleistungen, was weitere Liquidationen nach sich zog.
Hintergrund der Edelmetallrally
Zuvor hatten Gold und Silber binnen eines Jahres außergewöhnlich stark zugelegt – getrieben von geopolitischen Spannungen, Inflationssorgen und einem sinkenden Vertrauen in die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Ereignisse wie die Eskalation in Venezuela und dem Iran sowie Trumps Außen- und Geldpolitik hatten die Nachfrage nach „sicheren Häfen“ wie Edelmetallen massiv verstärkt.
Gold hatte sich im Laufe von zwölf Monaten nahezu verdoppelt, Silber stieg sogar um rund 285 %. Eine Korrektur war daher aus Sicht vieler Marktteilnehmer überfällig, insbesondere bei Silber, das als überkauft galt.
Marktreaktion: Deutlicher Rückgang
Am Freitag verlor Silber zeitweise rund 30 % – der stärkste Tagesverlust seit 1980. Damals hatten die Brüder Hunt versucht, den Silbermarkt zu kontrollieren, was in einem Crash endete. Am Montag fiel der Silberpreis zeitweise auf 71,38 US-Dollar pro Feinunze, nach einem Rekordhoch von 121,65 US-Dollar in der Vorwoche. Der Goldpreis sank auf rund 4.680 US-Dollar, nach einem Rückgang von mehr als neun Prozent am Freitag und weiteren vier Prozent am Montag.
Ausblick: Rücksetzer mit begrenzter Wirkung?
Trotz der starken Rückgänge erwarten viele Analysten, dass Edelmetalle auch weiterhin attraktiv bleiben. Die Deutsche Bank hält an ihrem Kursziel für Gold von 6.000 US-Dollar pro Unze für das laufende Jahr fest. Auch JP Morgan prognostiziert Preise zwischen 6.150 und 6.500 US-Dollar. Geopolitische Risiken und die starke Nachfrage – insbesondere aus China – könnten die Märkte weiter stützen.
Kommentar hinterlassen