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Dreikampf um Texas-Senatssitz: Cornyn gerät zwischen Establishment und MAGA-Rechte

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Im republikanischen Lager in Texas bahnt sich ein harter innerparteilicher Machtkampf an. Der langjährige Senator John Cornyn (74) muss sich in der Vorwahl von rechts behaupten – gegen den Kongressabgeordneten Wesley Hunt und den texanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton, der als populistischer Kandidat stark auf den „Make America Great Again“-Kurs setzt.

Parteistrategen in Washington beobachten die Auseinandersetzung mit Sorge. Denn Texas gilt zwar als traditionell republikanisch, doch ein zermürbender Vorwahlkampf könnte Ressourcen binden und die Republikaner zwingen, im Herbst mehr Geld und Personal in die Verteidigung eines eigentlich sicheren Sitzes zu stecken.

Viele rechnen mit Stichwahl im Mai

Politische Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass am 3. März kein Kandidat die nötige Mehrheit von über 50 Prozent erreicht. In diesem Fall käme es am 26. Mai zu einer Stichwahl. Umfragen deuten auf ein enges Rennen hin: Paxton liegt demnach knapp vorn, Cornyn folgt dicht dahinter, Hunt rangiert auf Platz drei.

Ein Unsicherheitsfaktor ist dabei Donald Trump: Der frühere Präsident hat sich bislang nicht festgelegt, wen er unterstützt. In republikanischen Vorwahlen ist eine Trump-Empfehlung oft wahlentscheidend – und sein Schweigen vergrößert die Spannung in Texas zusätzlich.

Cornyn: Erfahrungsträger mit Vertrauensproblem bei MAGA-Wählern

Cornyn ist seit Jahren eine feste Größe in der texanischen Politik. Gleichzeitig wird er von MAGA-nahen Kritikern als zu kompromissbereit dargestellt – unter anderem wegen früherer Kritik an Trump und wegen seiner Rolle bei einem Waffenpaket von 2022, das auch von Demokraten mitgetragen wurde.

Politikwissenschaftler Mark Jones von der Rice University sagt, ein beträchtlicher Teil der republikanischen Vorwahlwähler könne Cornyn „seit der Trump-Ära nicht ausstehen“. Zugleich gilt Cornyn vielen als der Kandidat, der in der eigentlichen Wahl im November am ehesten sicher gewinnen würde.

Paxton: Umstritten, aber mobilisierend

Ken Paxton (63) bringt eine Reihe von Kontroversen mit in den Wahlkampf. 2023 wurde er vom republikanisch dominierten texanischen Repräsentantenhaus wegen Korruptionsvorwürfen angeklagt (Impeachment), später aber vom Senat des Bundesstaates nach einem Prozess freigesprochen.

Zusätzliche Schlagzeilen lieferte sein Privatleben: Seine Ehefrau, die ebenfalls Politikerin ist, kündigte im vergangenen Jahr öffentlich die Scheidung an und begründete dies mit „biblischen Gründen“.

Trotz dieser Belastungen gelingt es Paxton, in Umfragen vorne zu liegen. Er versucht, die Debatte auf seine Klagen gegen die Biden-Regierung, seine harte Linie und seine Trump-Nähe zu lenken. Cornyns Umfeld wiederum fährt eine aggressive Kampagne gegen Paxton – bis hin zu besonders scharfen Werbespots, die Paxtons Skandale in den Mittelpunkt stellen.

Hunt: Der „saubere“ Herausforderer, aber noch ohne breite Bekanntheit

Wesley Hunt (44), Veteran des Irakkriegs und ehemaliger Hubschrauberpilot, ist später in den Wettbewerb eingestiegen. Er versucht, sich als Alternative für jüngere, Trump-nahe Republikaner zu positionieren, die Cornyn für überholt halten, Paxton aber für zu belastet.

Hunt vermeidet zwar weitgehend direkte Angriffe auf Paxton, räumt aber ein, dass dessen Skandale im Herbst ein ernstes Problem sein könnten. Er präsentiert sich als Kandidat ohne „Altlasten“ – doch ihm fehlt bislang die breite Bekanntheit, um im Dreikampf deutlich aufzuholen.

Warum die Vorwahl für die Republikaner riskant ist

Für Demokraten ist die Vorstellung verlockend, dass ein stark polarisierender Kandidat wie Paxton Texas im November zumindest theoretisch angreifbarer machen könnte. Realistisch gesehen ist Texas jedoch weiterhin ein sehr republikanischer Staat: Ein demokratischer Senator wurde dort zuletzt 1988 gewählt, ein demokratischer Gouverneur sogar 1995. Trump gewann Texas 2024 deutlich.

Dennoch warnen Analysten: Wenn Cornyn die Vorwahl verliert oder wenn das Rennen extrem eskaliert, müssten die Republikaner im Herbst womöglich deutlich mehr Geld nach Texas lenken – Geld, das dann in umkämpften Staaten wie Maine oder North Carolina fehlen könnte, oder bei Versuchen, demokratische Sitze in Georgia und Michigan zu erobern.

Trumps Entscheidung könnte alles verändern

Trump betonte zuletzt, er denke ernsthaft über eine Empfehlung nach, sei aber mit allen drei Kandidaten „freundlich“. Bei einem Auftritt in Texas lobte er erneut alle drei Bewerber. Gleichzeitig wird berichtet, Cornyn sei mit Trump in der Air Force One gereist – ein Signal, dass Cornyn dringend um Trumps Rückendeckung wirbt.

Experten gehen davon aus: Wenn Cornyn politisch überleben will, muss er Trump entweder noch vor der Vorwahl oder spätestens vor einer möglichen Stichwahl auf seine Seite ziehen. Andernfalls könnte der Senator in einem MAGA-geprägten Klima entscheidende Stimmen verlieren.

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