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Drahtseilakt im Pentagon: Oberster US-General zwischen Trump und Iran-Krise

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Während im Weißen Haus offen über mögliche Militärschläge gegen den Iran gesprochen wird, arbeitet im Pentagon ein Mann im Hintergrund an Szenarien – und an seinem politischen Gleichgewicht. Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine, lässt derzeit militärische Optionen für einen möglichen Einsatz gegen Teheran ausarbeiten. Zugleich bemüht er sich, ein offenes Zerwürfnis mit Präsident Donald Trump zu vermeiden.

Nach Informationen aus Regierungskreisen hat Caine in den vergangenen Wochen wiederholt ranghohe Vertreter von Heer, Marine und Luftwaffe einzeln in sein Büro bestellt. Anders als üblich wurden sensible Planungen nicht im streng gesicherten Konferenzraum des Pentagons diskutiert. Hintergrund ist die Sorge vor Indiskretionen in einer Regierung, die großen Wert auf Abschottung legt.

Intern soll Caine deutlich auf Risiken hingewiesen haben: Die Komplexität eines Angriffs auf iranische Raketen- oder Atomanlagen, mögliche hohe Opferzahlen und unvorhersehbare regionale Folgen. Diese vorsichtigen Einschätzungen stehen im Kontrast zu Trumps öffentlicher Rhetorik. Der Präsident betont regelmäßig, ein militärischer Erfolg wäre rasch und eindeutig erreichbar – ohne die Details eines solchen „Sieges“ näher zu definieren.

Caine verfolgt offenbar eine andere Strategie als sein Vorgänger, der in Trumps erster Amtszeit mehrfach offen widersprach und auch hinter den Kulissen versuchte, internationale Partner zu beruhigen. Der heutige General setzt stattdessen auf Zurückhaltung. Er liefert militärische Optionen, vermeidet jedoch öffentliche oder direkte Konfrontationen. Beobachter sprechen von einem bewussten Balanceakt: professionelle Beratung ohne politische Positionierung.

Kritiker werfen ihm vor, gegenüber dem Präsidenten zu defensiv aufzutreten. Offiziell heißt es dagegen, Caine erfülle exakt seine gesetzliche Rolle: Er präsentiere ein breites Spektrum militärischer Möglichkeiten und weise nüchtern auf Risiken und Nebenwirkungen hin – vertraulich und ohne persönliche Agenda.

Parallel zu den Planungen hat das US-Militär in den vergangenen Wochen erhebliche Kräfte im Nahen Osten zusammengezogen – die größte Konzentration seit dem Irakkrieg. Die Optionen reichen von gezielten Luftschlägen bis hin zu Szenarien, die auf einen Führungswechsel in Teheran abzielen könnten. Gleichzeitig laufen diplomatische Kontakte weiter.

Bei einer Sitzung im Lagezentrum des Weißen Hauses soll Caine zuletzt eingeräumt haben, die Folgen eines erzwungenen Regimewechsels nur schwer prognostizieren zu können. Diese Unsicherheit steht im Spannungsfeld zwischen militärischer Analyse und politischer Erwartung.

Der General gilt als diskret, analytisch und politisch vorsichtig. Er vermeidet öffentliche Auftritte, spricht selten mit Medien und agiert bevorzugt im Hintergrund. Dennoch wurde er mehrfach zum Gesicht großer Operationen, etwa nach spektakulären Militäreinsätzen in Lateinamerika oder bei Angriffen auf iranische Ziele. In diesen Momenten lieferte er sachliche, technische Erläuterungen – ohne politische Zuspitzung.

Innerhalb des Verteidigungsministeriums wird Caine teils als stabilisierende Figur wahrgenommen, insbesondere im Verhältnis zum Verteidigungsminister, dessen Führungsstil als konfrontativer gilt. Bei Personalentscheidungen und strategischen Weichenstellungen soll es wiederholt Differenzen gegeben haben. Mehrere hochrangige Offiziere schieden vorzeitig aus dem Dienst aus – Entscheidungen, die im Militär Unruhe auslösten.

Hinzu kommt ein grundsätzliches Dilemma: Das US-Militär unterliegt der zivilen Kontrolle. Auch wenn politische Vorgaben intern kritisch gesehen werden, bleibt die Ausführung verfassungsgemäß angeordneter Befehle Pflicht. Einige Beobachter sprechen dennoch von einer „moralischen Belastung“ für Teile der militärischen Führung.

Caines Herausforderung ist damit doppelt: Er muss das Vertrauen des Präsidenten wahren und zugleich die Integrität seiner Institution schützen. Zwischen Loyalität, Professionalität und politischem Druck versucht er, die Rolle des obersten Militärberaters neu zu definieren.

Ob ihm dieser Balanceakt gelingt, könnte sich bald entscheiden – sollte aus den Planspielen Realität werden.

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