Am Donnerstag, den 25. September, wollen die US-Bundesstaaten Texas und Alabama fast zeitgleich zwei zum Tode verurteilte Männer hinrichten. Sollten die Exekutionen wie geplant stattfinden, steigt die Zahl der Todesstrafen in den USA in diesem Jahr auf 33 – so viele wie seit 2014 nicht mehr.
Alabama: Exekution durch Stickstoff
In Alabama soll der 50-jährige Geoffrey West durch die noch neue Methode des Stickstoffgases sterben. Er wurde 1997 für den Mord an Margaret Parrish Berry, einer zweifachen Mutter, zum Tode verurteilt. West hatte die Frau bei einem Tankstellenüberfall aus nächster Nähe erschossen.
Ihr damals elfjähriger Sohn Will Berry spricht sich jedoch gegen die Hinrichtung aus. In einem Gastbeitrag schrieb er, die Exekution bringe seine Mutter nicht zurück und bedeute, „dass der Staat Gott spielt“. Stattdessen wünsche er sich ein Treffen mit West, um ihm Vergebung auszusprechen. Die Behörden hätten ihn über den Hinrichtungstermin nicht informiert, kritisierte er.
Texas: Lethale Injektion nach „Exorzismus“-Fall
Zur selben Zeit soll in Texas der 35-jährige Blaine Milam mit einer tödlichen Injektion hingerichtet werden. Milam wurde 2008 für den grausamen Tod der 13 Monate alten Amora Bain Carson verurteilt, der Tochter seiner damaligen Verlobten.
Das Kleinkind war von Kopf bis Fuß schwer verletzt, mit Knochenbrüchen, Bisswunden und inneren Verletzungen. Milam und die Mutter des Kindes hatten behauptet, Amora sei von Dämonen besessen gewesen und man habe einen „Exorzismus“ durchgeführt.
Milam beteuerte später in einem Interview mit dem Regisseur Werner Herzog seine Unschuld: „Ich habe meine kleine Tochter nicht getötet. Ich wünschte, ich könnte es rückgängig machen.“ Seine Anwälte kämpfen seit Jahren gegen die Vollstreckung – unter anderem wegen fragwürdiger Biss-Spuren-Gutachten und Hinweisen auf geistige Behinderung. Doch Berufungsgerichte wiesen die Anträge zurück.
Todesstrafe in den USA auf dem Vormarsch
Die Doppelhinrichtung ist bereits das fünfte Mal in diesem Jahr, dass zwei Exekutionen am selben Tag stattfinden. Für die kommenden Monate sind weitere neun Hinrichtungen in acht Bundesstaaten geplant. Damit könnte die Gesamtzahl 2025 auf mindestens 42 Exekutionen steigen – ein Niveau, das zuletzt 2012 erreicht wurde.
Besonders aktiv ist Florida unter Gouverneur Ron DeSantis, der bereits 12 Hinrichtungen in diesem Jahr veranlasst hat – mehr als jemals zuvor in einem Jahr in diesem Bundesstaat.
Im Oktober steht eine intensive „Hinrichtungswoche“ bevor: Innerhalb von vier Tagen sollen fünf Männer in Florida, Mississippi, Missouri, Texas und Arizona exekutiert werden. Unter ihnen ist auch der Texaner Robert Roberson, dessen Fall wegen Zweifeln an seiner Schuld im vergangenen Jahr noch einmal aufgeschoben wurde.
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