In den ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Georgien und westlichen Partnern gibt es eine neue Eskalation. Das georgische Außenministerium hat den deutschen Botschafter Peter Fischer einbestellt, nachdem dieser mit politischen Äußerungen im Land für Unmut gesorgt hatte.
In einer offiziellen Mitteilung betonte das Ministerium, Fischer sei daran erinnert worden, dass Diplomaten nach der Wiener Konvention von 1961 verpflichtet seien, die Gesetze und Regeln des Gastgeberlandes einzuhalten und sich nicht in innere Angelegenheiten einzumischen. Mit dem Schritt will Tiflis offenbar ein deutliches Signal an Berlin und andere westliche Staaten senden, dass es die Rolle ausländischer Vertreter genau beobachtet.
Wiederholte Spannungen
Die Einbestellung ist kein isoliertes Ereignis. Bereits zwei Wochen zuvor hatte der georgische Regierungschef Irakli Kobachidse dem deutschen Botschafter öffentlich vorgeworfen, sich unzulässig in innenpolitische Fragen Georgiens einzumischen. Konkret geht es um Äußerungen Fischers zur politischen Entwicklung im Land, die von der Regierung als „Einmischung“ interpretiert werden.
Solche Vorwürfe sind Teil eines größeren Musters: In den vergangenen Monaten hat die georgische Regierung wiederholt scharf auf Kritik westlicher Partner reagiert, sei es in Bezug auf Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit oder die umstrittenen Gesetzesvorhaben zur Regulierung von NGOs und Medien.
Hintergrund: Georgiens Balanceakt
Georgien befindet sich seit Jahren in einem geopolitischen Spannungsfeld. Auf der einen Seite strebt das Land offiziell eine engere Anbindung an die Europäische Union an und genießt breite Unterstützung in Teilen der Bevölkerung, die in Brüssel eine Chance auf Demokratie und wirtschaftliche Stabilität sehen. Auf der anderen Seite gibt es enge wirtschaftliche und politische Verflechtungen mit Russland – ein Verhältnis, das spätestens seit dem Krieg in der Ukraine zu erheblichen Spannungen mit westlichen Partnern führt.
Die aktuelle Konfrontation mit dem deutschen Botschafter spiegelt diese Zerrissenheit wider: Während westliche Diplomaten die Regierung in Tiflis immer wieder ermahnen, demokratische Standards einzuhalten, versucht die politische Führung des Landes, ihre Unabhängigkeit zu betonen und äußeren Druck abzuwehren.
Signal an den Westen – und an die eigene Bevölkerung
Die Einbestellung Fischers dürfte nicht nur nach Berlin, sondern auch an die georgische Bevölkerung gerichtet sein. Die Regierung zeigt damit, dass sie sich gegen ausländische Einflussnahme zur Wehr setzt. Kritiker hingegen werfen ihr vor, dass solche Schritte die internationalen Beziehungen belasten und den europäischen Integrationsprozess gefährden könnten.
Ausblick
Wie die Bundesregierung auf den diplomatischen Schritt reagieren wird, ist derzeit offen. Beobachter gehen davon aus, dass Berlin besonnen reagieren, zugleich aber an seiner Kritik an der politischen Entwicklung in Georgien festhalten wird. Klar ist: Die Beziehungen zwischen Georgien und seinen westlichen Partnern stehen an einem kritischen Punkt. Jede weitere Eskalation könnte den ohnehin fragilen europäischen Kurs des Landes weiter schwächen.
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