Wer bei Geldanlagen den Überblick verloren hat, ist nicht allein. Die Investmentbranche liebt Komplexität – hunderte Fonds, Strategien, „smarte“ Produkte und täglich neue Börsen-News. Doch die gute Nachricht ist: Einfachheit kann sich lohnen – finanziell und psychologisch.
Wenn Sie weder Zeit noch Lust haben, sich ständig mit dem Markt zu beschäftigen – und trotzdem Ihre finanziellen Ziele erreichen möchten –, könnte eine einfache, minimalistische Strategie genau das Richtige für Sie sein. Nennen wir sie: KISS – Keep It Simple and Smart.
1. Warum „den Markt schlagen“ oft ein Irrweg ist
Viele Anleger jagen der „besten“ Aktie oder dem „cleversten“ Fonds hinterher. Doch laut Daten von Morningstar schlagen die wenigsten aktiven Fonds langfristig ihre passiven Vergleichsindizes – vor allem nach Kosten.
-
Nur 21 % der aktiv gemanagten Fonds schnitten über 10 Jahre bis Juni 2025 besser ab als ihre passiven Pendants.
-
Besonders ernüchternd: Nur 7,1 % der großen US-Mischfonds konnten in 20 Jahren den S&P 500 übertreffen.
Fazit: Wer auf breite, kostengünstige Indexfonds setzt, fährt in der Regel besser – ganz ohne Markt-Timing und Manager-Guru.
2. Weniger Fonds, mehr Ruhe: So geht einfaches Investieren
Ein „einfaches“ Portfolio bedeutet nicht „planlos“. Sondern: klare Struktur, geringe Kosten, breite Streuung.
-
Zieldatumsfonds (Target-Date-Fonds), wie sie viele betriebliche Altersvorsorgepläne (z. B. 401(k)s) anbieten, übernehmen alles automatisch – passend zum geplanten Rentenalter.
-
Wer lieber selbst mischt, kann mit drei Indexfonds viel erreichen:
-
ein Fonds für US-Aktien
-
ein Fonds für internationale Aktien
-
ein Fonds für Anleihen
-
Diese Mischung deckt die wichtigsten Anlageklassen ab – und lässt sich nach persönlichem Risikoprofil gewichten.
3. Auch fürs Zwischenziel: einfach bleibt sinnvoll
Nicht nur für die Altersvorsorge: Wer in den nächsten 5–10 Jahren ein größeres Ziel plant (Hauskauf, Sabbatical, Studium der Kinder), fährt gut mit:
-
soliden Anleihefonds mittlerer Laufzeit
-
oder einem günstigen Mischfonds, der Aktien und Anleihen kombiniert
Gerade in diesem Bereich schneiden manche aktiv verwalteten Fonds tatsächlich gut ab – vorausgesetzt, die Kosten sind niedrig.
4. Der unterschätzte Bonus: Gelassenheit
Ein simples Portfolio wirkt wie ein aufgeräumter Kleiderschrank: weniger Auswahl – weniger Stress.
-
Sie wissen jederzeit, wo Ihr Geld liegt.
-
Ein jährlicher Check genügt, um Ihre Anlagestrategie ggf. anzupassen.
-
Im Falle von Krankheit oder Tod ist das Portfolio auch für Partner oder Kinder leichter zu übernehmen.
Zitat von Amy Arnott (Morningstar):
„Mit zunehmendem Alter und komplexerer Finanzlage weiß ich die Kraft der Einfachheit zu schätzen. Es ist ein Geschenk – für sich selbst und für die, die nach einem kommen.“
5. Der wichtigste Punkt: Einfach ist nicht gleich passiv
Ein einfaches Portfolio ist kein Selbstläufer. Es hilft Ihnen aber, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt: genug sparen.
Denn egal, wie gut Ihre Investments laufen – ohne ausreichende Einzahlungen bleibt das große Ziel in weiter Ferne.
Fazit: Wer bei Geldanlagen aufs Wesentliche setzt, spart nicht nur Gebühren – sondern auch Nerven. Oder, wie es auf KISS-Deutsch heißen könnte:
„Mach’s einfach – und du machst’s richtig.“
Kommentar hinterlassen