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Die neue goldene Ära der Prominenz in der Formel 1 hat womöglich gerade erst begonnen

Papafox (CC0), Pixabay
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Die Formel 1 erlebt derzeit einen bemerkenswerten Imagewandel – und der könnte den Beginn einer neuen, besonders glamourösen Phase markieren. „Das Fahrerlager ist inzwischen zu einem Laufsteg geworden“, sagt Susie Wolff über den exklusiven Bereich bei Rennwochenenden, in dem sich Teams, Medien und geladene Gäste begegnen. „Dort haben alle ihren großen Auftritt – Prominente genauso wie die Partnerinnen und Partner der Fahrer.“

Wolff kennt die Welt der Formel 1 aus nächster Nähe: Als ehemalige Rennfahrerin, heutige Geschäftsführerin der rein weiblichen Rennserie F1 Academy und Ehefrau von Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist sie tief im Sport verwurzelt. Für sie ist die Formel 1 „eine der wenigen wirklich globalen Sportarten – mit einem Glamourfaktor, der Teil der Show und der Faszination ist“.

Glamour gehörte schon immer zur Königsklasse des Motorsports. Seit 76 Jahren treffen hochpräzise Rennwagen auf Luxusmarken in den Metropolen der Welt. Doch aktuell scheint eine neue Promi-Ära anzubrechen – befeuert von einer jüngeren Zielgruppe. Die Stars der Generation Z entdecken die Formel 1 für sich.

Einen entscheidenden Anteil daran hat die Netflix-Dokumentation *Drive to Survive*, die an diesem Wochenende in ihre achte Staffel startet. Seit der US-Medienkonzern Liberty Media 2017 die Formel 1 für 4,4 Milliarden Dollar übernahm, wurde der Sport strategisch modernisiert: stärkere digitale Präsenz, Social Media, neue Marketingpartnerschaften. 2018 schaffte man zudem die sogenannten „Grid Girls“ ab und setzte verstärkt auf zeitgemäße Inszenierung – unter anderem mit der Netflix-Serie, die intime Einblicke hinter die Kulissen gewährt.

Die Strategie ging auf. Laut offiziellen Zahlen sind inzwischen 43 Prozent der Fans unter 35 Jahre alt – ein deutlicher Anstieg seit 2018. Eine YouGov-Studie ergab 2023, dass sieben Millionen Menschen die jüngste Staffel von *Drive to Survive* sahen, fast ein Drittel davon im Alter zwischen 18 und 29 Jahren.

Die Teams hätten erkannt, so Wolff, „dass es nicht nur um das Renngeschehen geht, sondern auch um das Drama und die Persönlichkeiten abseits der Strecke“. Entsprechend begehrt sind Einladungen ins Fahrerlager geworden – ein Formel-1-Wochenende zählt heute zu den exklusivsten Events für internationale Stars.

Zwar waren Prominente schon früher Teil der Szene – etwa Nicole Scherzinger zu Zeiten ihrer Beziehung mit Lewis Hamilton oder Geri Horner, Ehefrau des früheren Red-Bull-Teamchefs Christian Horner. Doch die aktuelle Saison 2025 lockte besonders viele, vor allem jüngere und global bekannte Namen an die Rennstrecken: Beyoncé und Jay-Z, Jennifer Lopez, Timothée Chalamet oder Rosé und Lisa von BLACKPINK.

Auch die Partnerinnen der Fahrer stehen zunehmend im Rampenlicht. In *Drive to Survive* sind sie regelmäßig zu sehen – stilvoll gekleidet und medienwirksam inszeniert. Der Podcaster Matt Elisofon beobachtet, dass die Prominenz heute internationaler und „hollywoodreifer“ sei als in früheren Zeiten. Investoren wie Travis Kelce oder NFL-Star Patrick Mahomes engagieren sich inzwischen ebenfalls in Teams.

Lewis Hamilton gilt dabei als einer der Wegbereiter dieses neuen Images. Seit seinem Einstieg 2007 sorgt er mit unkonventionellen Modeauftritten im Fahrerlager für Aufmerksamkeit und hat die Ästhetik des Sports mitgeprägt.

Für viele Beobachter ist die wachsende Promi-Präsenz ein Türöffner. Schon ein kleiner Prozentsatz der riesigen Social-Media-Reichweiten von Stars wie Kim Kardashian könne neue Fans anziehen. In den USA, wo die Formel 1 lange um Anerkennung kämpfte, zählt man inzwischen rund 52 Millionen Anhänger.

Besonders auffällig ist der steigende Frauenanteil unter den Fans. Laut offiziellen Angaben sind mittlerweile 42 Prozent der Formel-1-Fans weiblich, die am schnellsten wachsende Gruppe ist zwischen 18 und 24 Jahre alt. Content-Creatorin Bella James sieht in *Drive to Survive* einen entscheidenden Faktor: Die Serie mache Fahrer nahbar und eröffne Frauen denselben Zugang wie Männern – nicht nur über Technik und Rennen, sondern auch über Persönlichkeiten, Mode und Marken.

Susie Wolff betont jedoch, dass bei aller Inszenierung die sportliche Integrität gewahrt bleiben müsse: „Während des Rennens zählt allein die Leistung. Es geht darum, die Balance zu finden.“

Auch der Erfolg des Films *F1* mit Brad Pitt, seinem bislang erfolgreichsten Kinoprojekt, trug zur Popularität des Motorsports bei. Und viele Fans erinnern sich an dramatische Momente wie das Titelduell 2021 zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton, das erst in der letzten Runde des letzten Rennens in Abu Dhabi entschieden wurde. „Damals wusste die ganze Welt, dass etwas Außergewöhnliches passiert war – selbst Menschen, die sonst nichts mit Formel 1 zu tun hatten“, sagt Wolff.

Solche Ereignisse, später erneut emotional in *Drive to Survive* aufgearbeitet, ziehen immer neue Generationen in den Bann. Mit dem Start der Saison 2026 in Melbourne dürfte sich zeigen, ob die Formel 1 ihren Status als globales Sport- und Popkultur-Phänomen weiter festigen kann.

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