Die Deutschen haben wieder zugeschlagen – und zwar nicht nur im Einkaufszentrum, sondern auch bei der Bank. Laut dem Bankenfachverband liehen sich Verbraucher im ersten Halbjahr 2025 satte 30 Milliarden Euro für private Konsumträume. Das sind immerhin 4,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Ob es dabei um den neuesten Fernseher in Übergröße, den All-inclusive-Urlaub auf Pump oder das Leasingauto für den Nachbarnsneid geht – gespart wird nicht, wenn man stattdessen unterschreiben kann.
Während Herr und Frau Mustermann also tapfer die Wirtschaft mit neuen Schulden am Laufen halten, sieht es bei den Unternehmen eher trübe aus: Für Investitionen stellten die Banken gerade einmal 5,2 Milliarden Euro bereit – ein Rückgang von 6,6 Prozent. Offenbar ist die Lust am Risiko dort kleiner als bei den Konsumenten, die schon bei Nullzinsen in den Dispo marschieren.
Konsum vor Vernunft
Das Bild ist klar: Während Firmen angesichts von Energiepreisen, Bürokratie und geopolitischer Unsicherheit den Rotstift zücken, gönnen sich Privatkunden weiterhin Konsum auf Kredit. Zukunftsplanung? Eher Fehlanzeige. Aber Hauptsache, die nächste Küche ist hochglänzend und das neueste Smartphone finanziert.
Banken profitieren
Für die Banken ist das Ganze ein gefundenes Fressen: Konsumkredite bringen Zinsen, schnelle Abschlüsse und eine schöne Nachfragekurve. Unternehmensfinanzierungen dagegen sind langwieriger, riskanter – und lohnen sich in Zeiten schwindender Investitionsfreude kaum.
Gesellschaft im Spiegel
Das Resultat: Deutschland verschuldet sich lieber für Sofortbefriedigung als für langfristigen wirtschaftlichen Aufbau. Während Unternehmen sich zurückhalten, stopfen Verbraucher ihre Einkaufswagen und finanzieren die Rechnung bei der Bank. „Made in Germany“ scheint also gerade mehr für Kreditanträge als für industrielle Zukunftsprojekte zu stehen.
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