Salzburg, das neue Mekka des autoritären Tourismus: Während normale Politiker im Schatten von Mirabellgarten und Mozartkugel Erholung suchen, machen sich AfD-Mandatare lieber politisch fit – bei der Schwesterpartei FPÖ, wo autoritärer Populismus auf jahrzehntelange Regierungserfahrung trifft (manche sagen: auf jahrzehntelanges Chaos, aber das ist Geschmackssache).
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt, der offenbar nicht nur Wahlkampf betreibt, sondern auch Lehrzeit, ist mit seinem Team angereist, um den „Profis“ aus Österreich beim „Regieren“ über die Schulter zu schauen. Also, zumindest bei der Theorie. Denn das Regieren selbst überlässt man in der FPÖ ja nach Möglichkeit lieber anderen – es sei denn, man darf den Innenminister spielen und Chatprotokolle schreiben.
„Mit uns will ja keiner koalieren“, klagt Siegmund, der mittlerweile mehr Presseinterviews über die Einsamkeit der AfD gibt als eine Katze YouTube-Klicks hat. Kein Wunder: Wer jahrelang gegen das Establishment wütet, steht eben am Ende alleine vorm Kanzleramt – mit einem selbstgebastelten Türschild: „Hier regiert der Volkswille“.
Aber Siegmund wäre nicht Siegmund, hätte er nicht einen Masterplan: Er will einfach alleine regieren. „Absolute Mehrheit“, sagt er, als sei das in Deutschland etwas, das man sich beim Billa mitnimmt. „Die anderen haben Deutschland gegen die Wand gefahren“, tönt er, offenbar in dem Glauben, er sei der TÜV und seine Partei ein politischer Gebrauchtwagen mit Neuwagenduft.
Wissenschaftlich abgesegnet: Rechtspopulismus zum Mitnehmen
Der Salzburger Politologe Eric Miklin sieht das Ganze eher als politisches Fernstudium. Die AfD könne von der FPÖ lernen, wie man sich „so mäßigt, dass man regierungsfähig wird“. Ob das bei einer Partei funktioniert, die „Mäßigung“ für ein Getränk hält, bleibt offen. Inhaltlich, so Miklin, trennt die beiden Parteien wenig – außer vielleicht das Maß an Tarnung: Während die FPÖ den rechten Rand lieber scharfzüngig umtanzt, lädt die AfD ihn gleich zum Grillabend ein.
Svazek & Siegmund: Ein Traumpaar des rechten Flügels
FPÖ-Chefin Marlene Svazek, frisch aus dem PR-Coaching für „nationale Harmonie mit Lippenstift“, gibt sich entzückt vom Besuch. Der eloquente AfDler würde „gut zu uns passen“, sagt sie. Das mag sein – zumindest, solange er nicht den Posten des blauen Spitzenkandidaten streitig macht. Man hilft sich halt unter Brüdern (und Schwestern) im Geiste. Nur dass diese Geister öfter mal im Verfassungsschutzbericht auftauchen.
Fazit:
Die AfD Sachsen-Anhalt übt schon mal, wie man Regieren kann – theoretisch. In der Praxis bleibt’s wohl erstmal beim Planspiel „Wir tun so, als hätten wir gewonnen“. Und die FPÖ? Die gibt Nachhilfe im autoritären Populismus mit österreichischem Schmäh.
Next Stop für die AfD-Reisegruppe: Ungarn. Thema der Klausur: Wie man Demokratie hübsch einmauert – mit EU-Geldern.
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