Früher waren es Naturkatastrophen, dann die Bürokratie, später die Inflation. Heute? Die größte Bedrohung fürs globale Geschäftsleben trägt Brille, spricht flüssig Programmcode und schreibt bessere Mails als der Chef – die Künstliche Intelligenz.
Laut dem neuen „Risikobarometer“ von Allianz Commercial, dem Stimmungsthermometer für unternehmensgetriebene Paranoia, ist KI in Windeseile vom harmlosen Nerd-Spielzeug zum zweigefährlichsten Ding auf dem Planeten aufgestiegen. Nur noch Cyberkriminelle sind schlimmer – und die benutzen, wie könnte es anders sein, auch KI.
Eine Art Teufelskreis also: KI hilft Hackern, Hacker helfen KI, und mittendrin sitzt der Mittelständler aus Castrop-Rauxel, der nur eine Excel-Tabelle öffnen wollte – und plötzlich seine komplette IT-Infrastruktur auf einem USB-Stick in Sibirien wiederfindet.
KI – der neue Praktikant aus der Hölle
Aber auch ganz ohne dunkle Kapuzen-Hacker lauert Gefahr: Wenn Manager auf Grundlage von halluzinierenden KI-Tools Entscheidungen treffen, die von „falschen Daten“ stammen – also dem, was KI für eine gut gemeinte Wahrheit hält – kann das leicht in den finanziellen Abgrund führen.
„Die KI arbeitet autonom“, warnt Allianz-Managerin Alexandra Braun, „sie denkt sich notfalls auch einfach Sachen aus.“ Wie ein Praktikant mit Selbstbewusstsein, aber ohne Ahnung.
Nur dass dieser Praktikant eben auch Reden fälschen, E-Mails im Namen des CEOs verschicken und möglicherweise das nächste Wahlprogramm der FDP geschrieben hat.
Österreich auf Platz 1: KI offenbar dort besonders gefährlich
In Österreich landete das KI-Risiko sogar auf Platz eins. Möglicherweise, weil man dort befürchtet, dass ChatGPT bald das Kaffeehaus übernimmt oder den Opernball moderiert.
In Deutschland immerhin Platz vier – wir haben also noch Vertrauen in gute, altmodische Fehlentscheidungen von echten Menschen. Und in der Schweiz? Platz zwei. Wahrscheinlich, weil sogar die Maschinen dort überpünktlich und höflich sind – aber leider auch verdammt überzeugend lügen können.
Social Engineering 2.0: Der CEO ruft an – klingt aber wie Siri
Michael Daum von der Allianz erklärt, dass KI inzwischen so gut darin ist, Menschen reinzulegen, dass es reicht, wenn eine E-Mail so klingt, als wäre sie von „dem Chef“ – selbst wenn der gerade in Aruba im Tauchurlaub ist.
KI kann inzwischen Stimmen klonen, Gesichter fälschen und sogar echte Meetings mit gefälschten Videos sprengen. Der nächste Teamcall könnte also eine Netflix-Produktion sein – mit dem echten Kollegen, aber dem falschen Inhalt.
KI kann mehr als schaden – zum Beispiel klagen provozieren
Und als wäre das alles nicht genug, kann KI auch noch ganz legal Probleme verursachen. Zum Beispiel, wenn sie auf Knopfdruck einen Text schreibt, der geistiges Eigentum verletzt, jemanden diskriminiert oder, sagen wir mal, einen schlecht gelaunten Influencer zum Shitstorm animiert.
Das führt zu Rechtsstreitigkeiten, Imageverlust – und schlimmstenfalls zu schlechter Presse. Und was ist für ein Unternehmen schlimmer als ein Hackerangriff? Richtig: Ein X-Post von „RezoLeaksOfficial“ mit dem Hashtag #KIKatastrophe.
Fazit: Willkommen im digitalen Jumanji
Die Allianz hat’s erkannt: Wir haben ein Werkzeug erschaffen, das gleichzeitig genial, gefährlich, hilfreich und völlig unberechenbar ist. Ein bisschen wie ein Thermomix mit Internetanschluss, aber mit Zugriff auf Ihre Steuerdaten.
Und was kommt nach KI auf der Risiko-Hitliste?
Ach ja – Naturkatastrophen, politische Instabilität, Explosionen und die Marktentwicklung. Aber mal ehrlich: Wer hat da noch Angst vor einem Erdbeben, wenn die Buchhaltung plötzlich von einer Chatbot-Version von Elon Musk gemacht wird?
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