Der Mord an der 21-jährigen Denise Amber Lee im Jahr 2008 schockierte die USA und führte zu großen Reformen im Notrufsystem. Fast 20 Jahre später soll ihr Mörder Michael King am 17. März in Florida durch eine tödliche Injektion hingerichtet werden.
Entführung am helllichten Tag
Am 17. Januar 2008 war Denise Amber Lee zu Hause in North Port (Florida) und kümmerte sich um ihre beiden kleinen Söhne – den zweijährigen Noah und den sechs Monate alten Adam. Während ihr Mann arbeitete, entführte Michael King sie mit vorgehaltener Waffe von ihrem Grundstück.
Als ihr Ehemann später nach Hause kam, fand er die Kinder im Haus, aber seine Frau war verschwunden. Ihre Handtasche, Schlüssel und ihr Handy lagen noch dort. Er alarmierte sofort den Notruf.
Verzweifelter Notruf aus dem Auto
Etwa vier Stunden nach der Entführung gelang es Denise Amber Lee, im Auto ihres Entführers dessen Telefon zu nehmen und 911 zu wählen. In dem aufgezeichneten Gespräch flehte sie verzweifelt um Hilfe:
„Bitte. Mein Name ist Denise. Ich habe einen wundervollen Mann und ich möchte meine Kinder wiedersehen.“
Der Notruf dauerte mehrere Minuten. Doch der Dispatcher stellte immer wieder dieselben Fragen nach ihrem Namen und Standort, obwohl die junge Frau kaum sprechen konnte.
Zur gleichen Zeit rief auch eine Autofahrerin bei 911 an, die Denise Amber Lee im Auto gesehen und schreien gehört hatte. Sie blieb neun Minuten am Telefon und gab genaue Angaben zum Standort des Fahrzeugs.
Fehlentscheidungen im Notrufsystem
Trotz dieser Hinweise gelang es der Polizei nicht, Denise Amber Lee rechtzeitig zu finden. Laut späteren Untersuchungen wurden wichtige Informationen von den Notrufmitarbeitern nicht an die Einsatzkräfte weitergegeben.
Interne Konflikte zwischen mehreren Dispatchern und Fehler bei der Dateneingabe führten dazu, dass die Polizei nicht rechtzeitig zu dem Fahrzeug geleitet wurde – obwohl sie sich teilweise nur Sekunden entfernt befand.
Zwei Tage später wurde Denise Amber Lees Leiche nackt in einem flachen Grab gefunden. Sie war durch einen Kopfschuss getötet worden.
Reformen nach dem Fall
Der Mord machte landesweit Schlagzeilen und zeigte Schwächen im amerikanischen 911-Notrufsystem. Denise Lees Ehemann gründete später die Denise Amber Lee Foundation, die sich für bessere Ausbildung und Standards für Notrufmitarbeiter einsetzt.
Durch diese Initiative wurden in mehreren US-Bundesstaaten neue Gesetze und Trainingsprogramme für Dispatcher eingeführt.
„Sie hat einen Unterschied gemacht“, sagt ihr Mann Nathan Lee heute. „Man kann nur hoffen, dass sie nicht umsonst gestorben ist.“
Hinrichtung des Täters
Michael King sitzt seit Jahren im Todestrakt in Florida. Seine Hinrichtung ist für 17. März um 18 Uhr im Staatsgefängnis von Raiford geplant. Seine Anwälte versuchen noch, die Vollstreckung zu stoppen.
Bei der Hinrichtung wollen auch Denise Lees Ehemann, ihr ältester Sohn sowie weitere Familienmitglieder anwesend sein.
„Das Wort ‚Abschluss‘ gibt es in solchen Fällen nicht wirklich“, sagte Nathan Lee. „Aber wir wollen dort sein – für Denise.“
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