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Der Anfang vom Ende eines großen MLM Vertriebes LR Health & Beauty SE?

CharlesRondeau (CC0), Pixabay
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Ein Beben erschüttert die Multi-Level-Marketing-Welt: Die LR Health & Beauty SE, eines der bekanntesten deutschen Unternehmen im Direktvertrieb von Schönheits- und Gesundheitsprodukten, hat mit einer Ad-hoc-Mitteilung vom 23. Januar 2026 weitreichende Restrukturierungspläne und massive finanzielle Probleme offenbart. Für viele Insider könnte dies der Anfang vom Ende des langjährigen MLM-Giganten sein.

Ergebnisse enttäuschen – Erwartungen verfehlt

Nach vorläufigen Zahlen erzielte LR im Geschäftsjahr 2025 ein EBITDA von rund 16 Mio. EUR, deutlich unter der bisherigen Prognose von 17 bis 20 Mio. EUR. Zwar liegt der Umsatz mit 277 Mio. EUR im erwarteten Rahmen, doch das operative Ergebnis lässt Zweifel an der zukünftigen Rentabilität aufkommen. Für ein Unternehmen, das auf eine breite Vertriebsstruktur und hohe Motivation seiner Partner angewiesen ist, ist diese Entwicklung mehr als alarmierend.

Kapitalspritze und Schuldenschnitt geplant

Doch es kommt noch dicker: Um die eigene Zahlungsfähigkeit zu sichern, plant die Gesellschaft eine Restrukturierung der Anleihe 2024/2028. Die Maßnahmen klingen dramatisch:

  • Schuldenschnitt von 55 % auf den Nominalbetrag der Anleihe (inkl. Zinsen),

  • Laufzeitverlängerung bis Ende 2029,

  • Stundung von Zinszahlungen bis mindestens 2027,

  • sowie ein sogenannter Cash-Sweep-Mechanismus für Barmittel über 15 Mio. EUR.

Zeitgleich soll der Hauptaktionär eine Eigenkapitaleinlage in Höhe von 10 Mio. EUR leisten, um das operative Geschäft kurzfristig zu sichern.

Letzte Chance oder Anfang vom Ende?

Die Brisanz dieser Maßnahmen zeigt sich vor allem im „Worst Case“-Szenario: Sollte keine Einigung mit den Gläubigern erzielt werden, droht ein Insolvenzliquidationsverfahren mit einer erwarteten Insolvenzquote von lediglich 6 % für die Anleihegläubiger. Solche Aussichten lassen nicht nur Investoren aufhorchen – sie wirken sich auch massiv auf das Vertrauen der Vertriebspartner aus.

Ein Restrukturierungsgutachten von EY-Parthenon liefert zwar Szenarien, die eine operative Erholung bis 2028 skizzieren – mit einem möglichen EBITDA von bis zu 31,4 Mio. EUR. Doch ob diese Prognosen realistisch sind, bleibt angesichts der momentanen Lage ungewiss.

Vertriebsstruktur in Gefahr

Gerade für ein MLM-Unternehmen wie LR ist Vertrauen das höchste Kapital. Die aktuelle Krise könnte tiefgreifende Auswirkungen auf den Vertrieb haben: Verunsicherte Partner, stagnierende Neugewinnung, und eine mögliche Abwanderung zu stabileren Wettbewerbern sind reale Risiken.

Die nächsten Wochen werden entscheidend sein – für Gläubiger, für Vertriebspartner und nicht zuletzt für die gesamte MLM-Branche.

Ist dies der Anfang vom Ende – oder gelingt der spektakuläre turn around

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LR HEALTH & BEAUTY SE: VORLÄUFIGES ERGEBNIS FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR 2025 / ANGESTREBTE EIGENKAPITALEINLAGE / ANGESTREBTE RESTRUKTURIERUNG DER ANLEIHE 2024/2028

Veröffentlichung einer Insiderinformation nach Artikel 17 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 (Marktmissbrauchsverordnung – MAR)

LR HEALTH & BEAUTY SE: VORLÄUFIGES ERGEBNIS FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR 2025 / ANGESTREBTE EIGENKAPITALEINLAGE / ANGESTREBTE RESTRUKTURIERUNG DER ANLEIHE 2024/2028

Ahlen, 23. Januar 2026 – Der Vorstand der LR Health & Beauty SE (die „Gesellschaft“) erwartet heute für das Geschäftsjahr 2025 ein EBITDA* reported von rund 16 Mio. EUR (vormalige Erwartung: zwischen 17,0 Mio. EUR und 20,0 Mio. EUR). Zeitgleich erwartet der Vorstand der Gesellschaft einen Umsatz (Warenerlöse) von rund 277 Mio. EUR für das Gesamtjahr 2025 (vormalige Erwartung: Korridor von 276 Mio. EUR bis 281 Mio. EUR).

Ebenfalls heute hat EY-Parthenon die Finalisierung eines Entwurfs des IDW S 6-Restrukturierungsgutachtens für die Gesellschaft angekündigt. Gemäß der in diesem Entwurf des Restrukturierungsgutachtens dargelegten Analyse wird die Gesellschaft für das Geschäftsjahr 2028 im „Sensivity Case“ ein EBITDA* von 27,3 Mio. EUR und einen Umsatz von 281,5 Mio. EUR sowie im „Management Case“ ein EBITDA* von 31,4 Mio. EUR und einen Umsatz von 284,7 Mio. EUR erzielen.

Vor diesem Hintergrund hat die Gesellschaft heute entschieden, Gespräche mit ihrem Aktionär und mit den Anleihegläubigern der von der Gesellschaft ausstehenden Anleihe 2024/2028 (ISIN: NO0013149658) (die „Anleihe“) aufzunehmen. Ziel dieser Gespräche ist es, die Möglichkeit einer finanziellen Restrukturierung der Gesellschaft zu prüfen, die Folgendes umfasst (die folgenden Maßnahmen zusammenfassend als „Restrukturierungsmaßnahmen” bezeichnet):

  • eine Eigenkapitaleinlage des Aktionärs der Gesellschaft in Höhe von 10 Mio. EUR zur Finanzierung des operativen Geschäfts der Gesellschaft; und
  • eine Zustimmung der Anleihegläubiger zu bestimmten Änderungen der Bedingungen der Anleihe (im Wege eines neuen Written Procedure unter der Anleihe) in Bezug auf:
    • einem Schuldenschnitt von 55% des Nominalbetrags der Anleihe auf pro-rata-Basis (einschließlich der kapitalisierten Zinsen für die Zinszahlungen im Rahmen der Anleihe, die im November 2025 und Februar 2026 fällig werden), woraufhin sich der ausstehende Nominalbetrag im Rahmen der Anleihe auf 61,3 Mio. EUR belaufen wird;
    • einer Verlängerung der Laufzeit der Anleihe bis zum 31. Dezember 2029,
    • eine Stundung der Zinszahlungen im Rahmen der Anleihe, die im November 2025 und Februar 2026 (auf Kapitalisierungsbasis und vorbehaltlich des oben beschriebenen Schuldenschnitts) fällig werden sowie anderer Zinszahlungen im Rahmen der Anleihe, die bis einschließlich Mai 2027 (auf Kapitalisierungsbasis) fällig werden, bis zum verlängerten Fälligkeitstermin der Anleihe;
    • Cash-Sweep-Mechanismen für überschüssige Barmittel über einem Schwellenwert von 15 Mio. EUR; und
    • ein vertragliches Recht (Besserungsschein) für die Anleihegläubiger, Bargeld in Höhe von insgesamt bis zu 74,9 Mio. EUR (entsprechend des infolge des Schuldenschnitts abgeschriebenen Betrags) aus etwaigen überschüssigen Barmitteln aus einer Refinanzierung der Anleihe zu erhalten.

Die Gläubiger der Anleihe sollen berechtigt sein, am Refinanzierungsprozess teilzunehmen.
Wenn die Restrukturierungsmaßnahmen nicht umgesetzt werden können, ist derzeit davon auszugehen, dass die Gläubiger der Anleihe in einem Insolvenzliquidationsszenario mit einer Insolvenzquote von rund 6% rechnen müssten.

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