Beim Nationalen Gebetsfrühstück am Donnerstag sprach US-Präsident Donald Trump über die Verfolgung von Mariam Ibrahim – einer sudanesischen Christin, die 2014 wegen ihres Glaubens zum Tode verurteilt wurde und nach weltweiter Empörung noch im selben Jahr freikam.
Trump sagte zunächst korrekt: „Gläubige auf der ganzen Welt haben sich für Mariam eingesetzt, für sie gebetet und erfolgreich Druck für ihre Freilassung gemacht.“
Doch dann folgte eine improvisierte Bemerkung: „Das war ich. Das war ich. Ich habe das mit einem einzigen Telefonat geregelt“, sagte Trump. „Sie hatte so viel Unterstützung, es war ganz einfach. Und als ich es den zuständigen Stellen erklärte: ‚Jawohl, Sir, wir machen das sofort.‘ Ich wünschte nur, ich hätte früher davon gewusst. Aber es ist eine große Welt mit vielen Menschen.“
Trump ist bekannt dafür, Anekdoten zu erzählen, in denen ihm unbekannte Personen mit „Sir“ antworten – häufig ohne belegbare Faktenbasis. Auch in diesem Fall gibt es keinerlei Beweise für seine angebliche Rolle.
Die Fakten sprechen dagegen
Ibrahim wurde 2014 unter Präsident Barack Obama freigelassen. Trump wurde erst im Juni 2015 Präsidentschaftskandidat und trat sein Amt im Januar 2017 an. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der damalige Unternehmer und TV-Star in irgendeiner Form in die diplomatischen Bemühungen zur Freilassung Ibrahims eingebunden war.
Ein ehemaliger Beamter des Nationalen Sicherheitsrats unter Obama sagte gegenüber CNN: „Ich hatte damals keinerlei Kenntnis über Trumps Beteiligung – und habe auch heute keine.“
Auch der konservative Jurist Robert P. George, der 2014 Vorsitzender der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit war, sagte: „Ich habe mich aktiv für Mariam Ibrahim eingesetzt, erinnere mich aber nicht, dass Donald Trump involviert war oder unsere Arbeit unterstützt hätte.“
Zwar schloss George nicht kategorisch aus, dass Trump auf irgendeine Weise im Hintergrund tätig gewesen sein könnte – Belege dafür gibt es jedoch nicht.
Kein Kommentar vom Weißen Haus
Auf Anfrage von CNN äußerte sich das Weiße Haus am Freitag nicht dazu, ob Trump in die Freilassung eingebunden war. Eine Recherche in der Mediendatenbank LexisNexis ergab hunderte Artikel zu Ibrahims Fall – keiner davon erwähnte Donald Trump.
Selbst bei einem Treffen mit Ibrahim im Weißen Haus 2019, bei dem Trump Opfer religiöser Verfolgung empfing, sprach er nicht davon, an ihrer Freilassung beteiligt gewesen zu sein. Ein Regierungsmitarbeiter fasste ihre Geschichte kurz zusammen, worauf Trump lediglich sagte: „Wir haben dich rausgeholt – das ist gut, das ist großartig.“
Auch sein damaliger Stabschef Mark Meadows erwähnte bei einem öffentlichen Gespräch 2020 nichts über Trumps Beteiligung, obwohl er sich mit einem konservativen Aktivisten über ihren Einsatz für Ibrahim austauschte.
Der republikanische Abgeordnete Chris Smith aus New Jersey, einer der prominentesten Fürsprecher Ibrahims 2014, verwies auf Nachfrage von CNN lediglich auf zwei Pressemitteilungen – ohne Trump darin zu erwähnen.
Versuche, Ibrahim direkt zu kontaktieren, blieben bislang erfolglos.
Kommentar hinterlassen