Herr Linnemann, worum geht es im Prozess gegen die früheren Chefs der Firma Sympatex?
Niklas Linnemann: Die Staatsanwaltschaft sagt, dass die Chefs der Firma eine drohende Insolvenz – also eine Pleite – nur vorgespielt haben. Sie wollten damit erreichen, dass die Gläubiger, also die Geldgeber, freiwillig auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Die Firma sollte dadurch wieder schuldenfrei weitermachen können.
Wie genau lief das ab?
Kurz vor dem Zeitpunkt, an dem die Firma eine Anleihe – also einen großen Kredit – zurückzahlen musste, wurde den Geldgebern gesagt: Die Firma ist fast pleite, ihr bekommt sonst kaum noch etwas zurück. Deshalb solltet ihr auf einen Teil eures Geldes verzichten, damit ein neuer Investor einsteigen kann. Das war laut Anklage aber nicht wahr. Es gab keinen Investor, und die Firma hätte das Geld in einer echten Insolvenz vielleicht sogar zurückzahlen können – oder zumindest mehr davon.
Was ist dann passiert?
Die Gläubiger haben dem Schuldenschnitt zugestimmt – aus Angst, sonst leer auszugehen. Doch der neue Investor kam nie. Und nun steht die Firma trotzdem vor der Insolvenz: Am 26. Januar 2026 hat das Amtsgericht München die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Das heißt: Ein Insolvenzverwalter schaut jetzt, ob noch Geld da ist und was mit der Firma passieren soll.
Heißt das, Sympatex ist jetzt wirklich pleite?
Noch nicht ganz. Die Insolvenz ist angemeldet, aber offiziell noch nicht eröffnet. Zuerst prüft der vorläufige Insolvenzverwalter, ob genug Vermögen da ist und wie viele Gläubiger Forderungen haben. Die Firma darf jetzt nichts mehr alleine entscheiden – alle wichtigen Dinge müssen mit dem Insolvenzverwalter abgesprochen werden.
Was bedeutet das alles für die Gläubiger?
Viele von ihnen fühlen sich getäuscht. Sie glauben, dass sie absichtlich in eine schlechte Entscheidung gedrängt wurden. Hätten sie damals „Nein“ gesagt, hätten sie heute vielleicht bessere Chancen, ihr Geld wiederzubekommen. Deshalb ist dieser Fall für viele Menschen sehr wichtig – nicht nur für Anwälte, sondern auch für Anlegerinnen und Anleger.
Wie kann man so etwas in Zukunft besser verhindern?
Es braucht mehr Kontrolle. Wenn ein Sanierungsplan erstellt wird, sollte er von unabhängigen Experten geprüft werden – also von Leuten, die nichts mit der Firma zu tun haben. Heute ist das oft freiwillig, aber ich finde: Es sollte Pflicht sein. Gerade wenn es um viel Geld geht.
Was erwarten Sie vom laufenden Prozess in München?
Es wird ein langes Verfahren – über 40 Verhandlungstage sind geplant. Aber es ist ein wichtiges Verfahren. Das Gericht wird klären müssen: War das nur ein kluger Rettungsversuch – oder war es Betrug? Und davon hängt ab, wie man in Zukunft mit solchen Fällen umgehen wird.
Vielen Dank für das Gespräch.
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