Fünf Tage nach dem Mord an dem rechtsradikalen US-Aktivisten Charlie Kirk ist die Lage so klar wie trüb: Der mutmaßliche Täter schweigt, das Motiv liegt im Dunkeln – und die Politik stürzt sich gierig auf den Fall, um ihre alte Leier von „die anderen sind schuld“ wieder aufzuwärmen.
Präsident Trump erklärte am Wochenende, die „radikale Linke“ habe Blut an den Händen. Sein Gouverneur in Utah sekundierte brav: Natürlich müsse da eine linke Ideologie im Spiel sein, schließlich sei der Verdächtige von Familie und Freunden als „linksgerichtet“ beschrieben worden. Dass dieselbe Familie erklärte, sie sei eingefleischte Trump-Wählerschaft – Nebensache. Hauptsache: Schuld ist der Gegner.
Gaming, Memes und die ewige Ausrede „das Internet“
Von offizieller Seite hört man inzwischen: Der junge Mann habe sich „in dunklen Internetforen radikalisiert“ und viel Zeit mit Videospielen verbracht. Dazu die obligaten Hinweise auf Reddit, Memes und Patronenhülsen mit Sprüchen aus Computerspielen. Es ist die alte Reflexgeste: Wenn etwas Schlimmes passiert, muss es „das Internet“ gewesen sein.
Transfeindlichkeit als Trittbrett
Kaum war bekannt, dass der Mitbewohner des Täters eine Transperson ist, roch die rechte Szene Blut: Sofort wurde das Märchen von einer „Transterrorzelle“ in die Welt geblasen. Was man nicht versteht, macht man eben zum Feindbild. Dass diese Person nachweislich mit den Behörden kooperiert und keinerlei Wissen von der Tat hatte, interessiert die selbsternannten Moralapostel nicht. Hauptsache, ein neues Hassobjekt.
Die FBI-Spurensicherung und das Schweigen des Täters
Das FBI hat die Tatwaffe eindeutig dem Verdächtigen zugeordnet und sogar ein zerstörtes Dokument rekonstruiert, in dem er die Tat ankündigte. Das klingt nach Beweisen, nicht nach Vermutungen. Doch der 22-Jährige verweigert jede Aussage. Stattdessen reden alle anderen – die Familie, der Gouverneur, der Präsident, rechte Influencer. Nur der Täter selbst schweigt.
Ein hochintelligenter Außenseiter – oder das nächste politische Symbol?
Der junge Mann galt als hochbegabt, gehörte zu den besten Schülern seines Jahrgangs, bekam Stipendien, studierte Elektrotechnik. Aus dem Wunderkind wurde ein mutmaßlicher Mörder. Eine Biografie, die sich nicht in 280 Zeichen pressen lässt – und die gerade deshalb von allen Seiten für billige Narrative missbraucht wird.
Der Mord als Brennglas der Spaltung
Kirk, selbst ein Meister der Provokation und Desinformation, wird nun zum Märtyrer stilisiert. Republikaner und Demokraten überbieten sich mit Warnungen, dass die Gewaltspirale in den USA außer Kontrolle geraten könnte. Aber anstatt Ursachen zu analysieren, wird weiter polarisiert. Schuld ist immer die andere Seite – links, rechts, egal.
Das Ergebnis: Ein Land, das unfähig ist, über politische Gewalt zu sprechen, ohne sie sofort als Waffe im Kulturkampf einzusetzen.
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