Der Tod des US-Schauspielers James Van Der Beek im Alter von 48 Jahren hat eine Entwicklung ins öffentliche Bewusstsein gerückt, die Fachleute seit Jahren mit Sorge beobachten: Darmkrebs betrifft zunehmend jüngere Erwachsene. Die Erkrankung gilt inzwischen als häufigste krebsbedingte Todesursache bei Menschen unter 50 Jahren.
Lange wurde Darmkrebs vor allem als Krankheit älterer Menschen betrachtet. Doch zwischen 2000 und 2021 stieg die Zahl der Neuerkrankungen bei 20- bis 49-Jährigen deutlich an. Eine im Fachjournal JAMA veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Darmkrebs seit 2023 bei unter 50-Jährigen häufiger zum Tod führt als Brust- oder Lungenkrebs. Fachgesellschaften wie die American Society of Clinical Oncology sprechen von einem „alarmierenden Trend“.
Die genauen Ursachen sind bislang nicht abschließend geklärt. Mediziner vermuten ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Parallel zum Anstieg der Erkrankungszahlen haben auch Adipositas und Diabetes zugenommen – beides bekannte Risikofaktoren für Krebs. Hinzu kommen Bewegungsmangel, Rauchen und Alkoholkonsum. Diskutiert wird zudem der Einfluss einer westlich geprägten Ernährung mit hohem Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln, rotem Fleisch, zuckerhaltigen Getränken und gleichzeitig geringer Ballaststoffzufuhr.
Einige Studien weisen darüber hinaus auf mögliche Umweltfaktoren hin, etwa Mikroplastik oder bestimmte antimikrobielle Substanzen in Alltagsprodukten. Belastbare Belege stehen jedoch noch aus.
Fachleute betonen, dass Prävention und Früherkennung entscheidend sind. Wird Darmkrebs im Stadium 1 oder 2 diagnostiziert, liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei rund 90 Prozent. Empfohlen werden eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, regelmäßige Bewegung sowie der Verzicht auf Tabak und übermäßigen Alkoholkonsum.
Die Leitlinien zur Früherkennung wurden in den vergangenen Jahren angepasst: Für Menschen ohne familiäre Vorbelastung beginnen regelmäßige Screenings inzwischen ab 45 Jahren statt wie früher ab 50. Wer einen erstgradig Verwandten mit Darmkrebs hat, sollte noch früher mit der Vorsorge beginnen – in der Regel zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen oder spätestens mit 40.
Als verlässlichste Untersuchungsmethode gilt die Darmspiegelung, da sie Polypen und frühe Tumorstadien direkt erkennen und oft zugleich entfernen kann. Alternativ stehen Stuhltests zur Verfügung, die auf verstecktes Blut oder Tumor-DNA prüfen. Fällt ein solcher Test positiv aus, ist jedoch stets eine Darmspiegelung erforderlich.
Unabhängig vom Alter sollten Warnzeichen ernst genommen werden. Dazu zählen Blut im Stuhl, anhaltende Bauchschmerzen, Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, unerklärlicher Gewichtsverlust oder eine Eisenmangelanämie. Treten solche Symptome auf, raten Ärzte dringend zu einer zeitnahen ärztlichen Abklärung – auch bei Menschen, die das offizielle Screeningalter noch nicht erreicht haben.
Kommentar hinterlassen