Wieder einmal schrillen die Alarmglocken: 16 Milliarden Zugangsdaten sollen im Netz aufgetaucht sein – ein „gigantisches Datenleck“, meldet die Plattform Cybernews dramatisch. Die Rede ist von Passwörtern, Cookies, Tokens – betroffen angeblich alle großen Player: Apple, Google, Facebook, Telegram. Der Untergang des digitalen Abendlands? Eher nicht.
Denn kaum war der Panikbericht veröffentlicht, kamen die Fachleute mit der großen Dosis Realität. BleepingComputer etwa winkt ab: Kein frischer Hack, kein neuer Super-GAU. Vielmehr: eine Reanimationsübung alter Passwort-Leichen, sorgsam zusammengeschaufelt aus längst bekannten Quellen. Infostealer-Malware, alte Leaks, Datenbankreste – nichts, was halbwegs sicherheitsbewusste Menschen nicht schon längst geändert hätten.
Auch Sicherheitsexperten wie Thomas Boele von Check Point gießen kühles Wasser auf die erhitzten Gemüter. Sein Fazit: Wer in den letzten Jahren nicht völlig geschlafen hat, muss nicht in Panik verfallen. Die meisten Daten sind veraltet, teilweise jahrelang im Darknet unterwegs. Wer regelmäßig Passwörter ändert, Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzt und seinen digitalen Verstand eingeschaltet lässt, kann „das ein wenig kaltblütiger betrachten“, so Boele.
Kurz gesagt: Was als digitaler Weltuntergang verkauft wurde, ist nicht mehr als die gepflegte Aufbereitung von Datenmüll – ein Clickbait-Cocktail mit Extra-Angstgeschmack. Natürlich: Wachsamkeit ist wichtig. Aber bevor wir wieder kollektiv unser Netflix-Passwort ändern, sollten wir uns fragen: Ist das wirklich neu – oder nur alter Spam im frischen Design?
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