Startseite Allgemeines „Crypto-Woche“ als Wendepunkt: Wird die Branche einen großen Durchbruch erleben – oder ein Chaos auslösen?
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„Crypto-Woche“ als Wendepunkt: Wird die Branche einen großen Durchbruch erleben – oder ein Chaos auslösen?

John_dave10 (CC0), Pixabay
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In Washington D.C. erlebte die sogenannte „Crypto-Woche“ einen Höhepunkt, als drei wichtige Gesetzesentwürfe zur Regulierung der Kryptowährungsbranche am 17. Juli das Repräsentantenhaus durchliefen. Doch während die Krypto-Befürworter dies als entscheidenden Schritt in Richtung eines rechtlichen Rahmens feiern, sind Kritiker besorgt, dass dies zu einer weiteren Entfesselung des „Wilden Westens“ der Finanzwelt führen könnte – mit schwerwiegenden Folgen für die breitere Wirtschaft und die Steuerzahler.

Was sind die neuen Krypto-Gesetze?

Die drei verabschiedeten Gesetze haben weitreichende Implikationen. Der GENIUS Act, der bereits im Juni den Senat passierte, zielt darauf ab, Stablecoins – eine Krypto-Form, deren Wert an traditionelle Währungen wie den US-Dollar gebunden ist – zu regulieren. Der zweite Gesetzesentwurf, der „Digital Asset Market Clarity Act“, soll einen klaren regulatorischen Rahmen für digitale Vermögenswerte schaffen, und der „Anti Central Bank Digital Currency Surveillance State Act“ stellt sicher, dass die Federal Reserve keine eigene digitale Währung einführt – obwohl diese im Moment keinerlei Interesse an einem solchen Schritt hat.

Pro-Krypto-Lobby: Ein lange überfälliger Schritt?

Für Krypto-Befürworter ist dies der lang ersehnte Schritt, um den digitalen Finanzmarkt zu demokratisieren und Investoren zu schützen. „Wir kommen der Etablierung eines vernünftigen regulatorischen Rahmens immer näher“, sagte Mason Lynaugh, Direktor der Stand With Crypto Advocacy Group. Die Kryptoindustrie hat ihre Lobbyarbeit massiv verstärkt und ist mittlerweile ein finanzielles Schwergewicht. Im Wahljahr 2024 investierte die Branche mehr als 130 Millionen Dollar in politische Kampagnen, um krypto-freundliche Politiker zu unterstützen und die Gesetzgebung in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Kritik: Ein gefährlicher Schritt zurück in die Vergangenheit?

Doch die Kritik wächst. Demokratische Politiker wie Rep. Maxine Waters warnen, dass die Gesetze nicht genügend Schutz bieten und eine gefährliche Wiederholung der Fehler der Vergangenheit fördern könnten. Sie sehen die Krypto-Regulierung als einen Versuch, „eine regulierte Wildwest-Ära“ zurückzubringen, in der Unternehmen wie Walmart, Meta oder Amazon ihre eigenen Währungen herausgeben könnten, ohne sich an die traditionellen Bankvorschriften halten zu müssen.

„Das könnte uns in eine Situation bringen, in der US-Steuerzahler für ‚too big to fail‘-Tech-Unternehmen bürgen müssen“, sagt Hilary Allen, Professorin für Finanzrecht an der American University. Sie vergleicht diese Entwicklung mit der chaotischen Bankenkrise im 19. Jahrhundert, als Banken in den USA völlig unreguliert agierten und Kunden am Ende mit wertlosen Banknoten zurückgelassen wurden.

Das Risiko eines „langsamen Autounfalls“

Allen und andere Kritiker warnen, dass diese Lockerung der Vorschriften die Finanzmärkte destabilisieren könnte, indem eine massive Anzahl von Investoren in ein System gezogen wird, das auf Spekulation und Unsicherheit basiert. In einem Interview mit CNN wies sie auf die Gefahr hin, dass Kryptowährungen, die einst als Außenseiter der Finanzwelt galten, nun zu einem systemischen Risiko für die gesamte Wirtschaft werden könnten.

„Es wird nicht nur die Kryptoindustrie profitieren. Am Ende wird es jede Branche sein, die von diesem neuen, unregulierten Finanzmarkt Gebrauch macht“, warnte Allen. Sie schlägt vor, dass die Menschen sich besser auf ein Leben mit weniger finanziellen Unsicherheiten vorbereiten sollten – und scherzte, dass nachhaltige Landwirtschaft die Antwort sein könnte, falls das Finanzsystem zusammenbricht.

Wird der Krypto-Markt den Erwartungen gerecht?

Derzeit geht es der Krypto-Branche mehr denn je um das „große Geld“. Der Bitcoin hat in dieser Woche erstmals 120.000 Dollar überschritten – eine beachtliche Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Doch es bleibt abzuwarten, ob diese steigenden Gewinne tatsächlich langfristige Stabilität bringen oder ob sie nur eine Blase darstellen, die irgendwann platzen könnte.

Schlussfolgerung

In einer Zeit, in der Krypto immer mehr politischen und wirtschaftlichen Einfluss gewinnt, wird es entscheidend sein, wie sich die Branche weiterentwickelt. Während die Gesetzgebung als Fortschritt für die Kryptoindustrie gefeiert wird, gibt es immer mehr Warnungen, dass der Preis für diese „Innovation“ zu hoch sein könnte – sowohl für die Wirtschaft als auch für die Finanzmärkte. Wie sich dieser „langsame Autounfall“ entwickelt, bleibt abzuwarten.

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