Startseite Allgemeines Crans Montana:Wenn das Gesetz Feuer löscht: Wie sich eine Gemeinde im Wallis elegant aus der Verantwortung ziehen könnte
Allgemeines

Crans Montana:Wenn das Gesetz Feuer löscht: Wie sich eine Gemeinde im Wallis elegant aus der Verantwortung ziehen könnte

NoName_13 (CC0), Pixabay
Teilen

Von außen betrachtet wirkt es wie ein schlechter Witz – wäre die Tragödie nicht so real, die Trauer nicht so tief, die Opfer nicht so jung. Am Neujahrsmorgen um exakt 1:26 Uhr bricht im beliebten Skiort im Wallis ein verheerender Brand aus. 40 Menschen sterben, 116 werden verletzt. Die Schweiz steht unter Schock. Und die Frage nach der Verantwortung steht unausweichlich im Raum.

Doch die Antwort auf diese Frage könnte so schweizerisch sein, dass sie fast schon karikiert wirkt: Ein Gesetz, das keine 90 Minuten vor der Katastrophe in Kraft trat, könnte genau jene Gemeinde vor millionenschweren Schadenersatzklagen schützen, in der das Inferno seinen Lauf nahm. Man kann es sich nicht ausdenken – und doch ist es Realität.

„Die Behörde haftet nicht“ – Punkt.

Es geht um einen einzigen Satz. Eingefügt im neuen Baugesetz des Kantons, Artikel 37, Absatz 5. Ein Satz, so trocken wie brisant: „Die zuständige Behörde haftet nicht für Schäden, die dadurch entstehen, dass Bauherren und deren Vertreter gegen die Vorschriften dieses Gesetzes verstoßen.“

Mit anderen Worten: Wer als Gemeinde mutmaßlich über Jahre keine Kontrolle durchgeführt hat, ist möglicherweise dennoch fein raus – weil das neue Gesetz eben genau das sagt. Und das – man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen – trat exakt 86 Minuten vor dem Brand in Kraft.

Wer glaubt, dass so etwas nur in einem satirischen Bühnenstück vorkommt, der irrt. Das ist Schweiz 2026.

Gesetze gegen das Feuer – oder gegen Verantwortung?

Man stelle sich vor: Behörden, die jahrelang keine Brandschutzkontrolle in einer Bar durchführen, in der später Dutzende Menschen ums Leben kommen. Ein Veranstaltungsort, der angeblich keine gültige Genehmigung hatte – oder zumindest keine vorweisen kann. Eine Website der Gemeinde, auf der plötzlich Sicherheitsdokumente verschwinden, kurz nachdem das Feuer wütete. Und dann dieses neue Gesetz – wie aus dem Drehbuch eines kafkaesken Justizdramas.

Ein renommierter Anwalt ordnet ein: Ja, der Haftungsausschluss ist auf den Fall anwendbar. Die Gemeinde könnte tatsächlich davonkommen. Es sei denn, so der Jurist, man könne beweisen, dass grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliches Verhalten vorliegt – oder dass die Pflichtverletzungen bereits vor dem Inkrafttreten des Gesetzes begangen wurden. Also, bevor es plötzlich hieß: „Sorry, wir sind nicht verantwortlich.“

Aber was ist das dann noch wert – Verantwortung? Wenn selbst im Angesicht eines der schwersten Unglücke der jüngeren Schweizer Geschichte über Paragrafen gestritten wird, anstatt den Opfern beizustehen?

Das große Löschen hat längst begonnen – im Internet

Währenddessen verschwinden Seiten von der Homepage der Gemeinde. Ein offizieller Sicherheitsprospekt aus dem Sommer 2025 – plötzlich nur noch als Quellcode auffindbar. Darin steht schwarz auf weiß, wie wichtig Brandschutz sei, wie jede Veranstaltung bewilligt werden müsse, wie sorgfältig alles geprüft werde. Theorie und Realität könnten kaum weiter auseinanderliegen.

Doch jetzt wird offenbar lieber gelöscht als geantwortet. Der Bürgermeister schweigt. Die Staatsanwaltschaft auch.

Verhaftung? Erst nach öffentlicher Empörung

Und auch das: Neun Tage ließ man den Barbetreiber in Freiheit. Obwohl er französischer Staatsbürger ist. Obwohl in der Brandnacht Bilder gelöscht wurden. Obwohl man wusste, dass er mit seiner Frau – ebenfalls Betreiberin – zusammenlebt. Verdunkelungsgefahr? Fluchtgefahr? Zunächst: Nein.

Erst als die öffentliche Empörung ins Unermessliche wuchs – Medienberichte, Proteste, internationale Kritik – kam die Kehrtwende. Der Mann wurde festgenommen. Wegen Fluchtgefahr. Plötzlich doch.

Ein Strafrechtler kommentierte es trocken: „Ein Schildbürgerstreich.“ Und man wünschte, er hätte Unrecht.

Der Skandal hinter dem Inferno

Was hier passiert, ist mehr als ein tragisches Unglück. Es ist ein Lehrstück darüber, wie Behörden versagen – und sich dann, durch ein zufällig perfekt getimtes Gesetz, aus der Affäre ziehen wollen. Es ist ein Skandal mit Ansage. Und mit dem Beigeschmack, dass niemand wirklich die Verantwortung übernehmen will.

Denn während Familien ihre Kinder beerdigen, Überlebende um ihr Leben kämpfen und ein ganzes Land trauert, beschäftigt sich die juristische Elite mit Verjährungsfristen, Zuständigkeitsgrenzen und Gesetzesübergängen. Und mit der Frage, ob ein Satz in einem Gesetz wirklich das Leid von Hunderten ungeschehen machen kann.

Willkommen in der Schweiz, wo selbst das Feuer an Bürokratie verbrennt.

Quando la legge spegne gli incendi: Come un comune svizzero potrebbe salvarsi dalle responsabilità

Da fuori sembra quasi una barzelletta – se non fosse che la tragedia è reale, il dolore profondo e le vittime troppo giovani. All’alba del nuovo anno, alle 1:26 del mattino, un incendio devastante scoppia in una località turistica del Vallese. 40 morti, 116 feriti. La Svizzera è sotto shock. E la domanda è inevitabile: chi è responsabile?

La risposta però potrebbe essere così svizzera da sembrare una caricatura: una legge entrata in vigore appena 86 minuti prima della tragedia potrebbe, di fatto, salvare il comune da richieste di risarcimento per milioni.

Un solo paragrafo. Asciutto, legale, cinico:
«L’autorità competente non è responsabile dei danni causati dal mancato rispetto delle disposizioni di legge da parte dei costruttori o dei loro rappresentanti.»

Tradotto: se il comune per anni non ha effettuato controlli antincendio, poco importa. Perché la nuova legge, entrata in vigore un’ora e mezza prima del disastro, lo scagiona.

Solo in Svizzera, verrebbe da dire.

Intanto, sul sito del comune, documenti importanti sulla sicurezza spariscono. I gestori della bar dove è avvenuto il dramma vengono arrestati solo dopo giorni, sotto la pressione pubblica. Il procuratore cambia idea all’improvviso. Prima non c’erano motivi per la custodia cautelare. Poi, improvvisamente, sì.

Sembra quasi uno scherzo, una farsa. Ma è tutto vero.

E mentre si contano i morti e i sopravvissuti cercano di rimettere insieme i pezzi, le autorità discutono… di codici, articoli di legge e competenze giurisdizionali.

Benvenuti in Svizzera, dove anche il fuoco viene spento dalla burocrazia.

Quand la loi éteint l’incendie : Comment une commune suisse pourrait se dérober à sa responsabilité

Vu de l’extérieur, cela ressemble à une mauvaise blague – si ce n’était pas une tragédie bien réelle, avec des victimes trop jeunes et un deuil national sincère. Le matin du Nouvel An, à 1h26, un incendie dévastateur éclate dans une station du Valais. 40 morts, 116 blessés. La Suisse est sous le choc. Et une question s’impose : Qui est responsable ?

La réponse pourrait difficilement être plus helvétique : une nouvelle loi, entrée en vigueur exactement 86 minutes avant la catastrophe, pourrait protéger la commune contre toute demande d’indemnisation de plusieurs millions.

Un seul paragraphe, sec et tranchant comme un couperet :
« L’autorité compétente n’est pas responsable des dommages résultant de la violation des dispositions de la présente loi par les maîtres d’ouvrage ou leurs représentants. »

Autrement dit : si aucune inspection n’a été effectuée pendant des années, peu importe – la loi, toute fraîche, dit que la commune n’est pas responsable.
Oui, vous avez bien lu. C’est uniquement en Suisse qu’un incendie pourrait être éteint par une clause légale.

Et ce n’est pas tout : depuis l’incendie, des documents liés à la sécurité publique ont mystérieusement disparu du site internet de la commune. Les exploitants du bar n’ont été arrêtés qu’après une vague d’indignation publique. Le ministère public a changé d’avis du jour au lendemain. Pas de risques de fuite au départ, puis soudainement… si.

Tout cela frôle l’absurde.

Et pendant que des familles enterrent leurs enfants, que les survivants tentent de se reconstruire, les autorités débattent… de délais de prescription, d’articles de loi et de compétences administratives.

Bienvenue en Suisse, où même le feu peut se noyer dans la paperasse.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Brandkatastrophe von Crans-Montana: Notausgang war von innen verschlossen – zentrale Frage im Strafverfahren

Im Zuge der Ermittlungen zum verheerenden Brand in der Bar „Le Constellation“,...

Allgemeines

Trump schließt „Peacemaker“-Einheit des US-Justizministeriums – Experten warnen vor Eskalation

Inmitten wachsender Proteste gegen tödliche Einsätze von Bundesbehörden hat die US-Regierung unter...

Allgemeines

Trump droht mit weiteren Militäraktionen: Venezuela-Einsatz als Signal an die Welt

Nach einem Jahr diplomatischer Initiativen hat Präsident Donald Trump in seinem zweiten...

Allgemeines

Washington National Opera verlässt umbenanntes „Trump-Kennedy Center“ – Künstlerproteste und rechtliche Auseinandersetzungen folgen

Die renommierte Washington National Opera (WNO) zieht sich erstmals seit über 50...