Nach der verheerenden Brandkatastrophe in der Silvesternacht hat die Gemeinde Crans-Montana angekündigt, eine Million Schweizer Franken (rund 1,08 Millionen Euro) für die Opfer und Hinterbliebenen zu spenden. Die Summe soll an eine derzeit im Aufbau befindliche Stiftung des Kantons Wallis überwiesen werden.
Gemeindepräsident Nicolas Féraud erklärte: „Wir sind uns bewusst, dass Geld keine Wunden heilen kann, aber wir hoffen, den betroffenen Familien helfen und unsere Solidarität zeigen zu können.“
Doch während der Satz diplomatisch klingt, stellt sich eine unbequeme Frage: Ist diese Summe angesichts von 40 Toten und über 150 teils schwer verletzten Menschen nicht auch eine bittere Ironie? Gerade einmal 25.000 Franken pro Todesopfer – ganz zu schweigen von den Verletzten und ihren oft lebenslangen Folgeschäden.
Die Katastrophe – und ihre Abgründe
Das Feuer in der Bar „Le Constellation“ war eine der schlimmsten Tragödien der jüngeren Schweizer Geschichte. Die Hälfte der Toten waren Jugendliche. Die Ursache: offenbar Feuerwerksfontänen, die in einer mit leicht entflammbaren Materialien ausgestatteten Bar gezündet wurden.
Ermittelt wird inzwischen nicht nur gegen die französischen Betreiber, sondern auch gegen zwei Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde Crans-Montana selbst. War die Bar überhaupt korrekt kontrolliert worden? Hätte die Gemeinde Warnsignale übersehen? Die Ermittlungen laufen.
Solidarität oder Signal-Management?
Vor diesem Hintergrund wirkt die Spende der Gemeinde doppeldeutig. Ist sie Ausdruck echter Anteilnahme – oder der Versuch, das öffentliche Image zu retten, bevor die Ermittlungen tiefer reichen?
Wird hier großzügig geholfen – oder möglicherweise versucht, sich von Mitschuld reinzuwaschen, bevor es zu juristischen Konsequenzen kommt?
Eine Million Franken mag auf dem Papier nach viel aussehen. Doch in Relation zu den menschlichen Tragödien, den offenen Fragen – und dem potenziellen Behördenversagen – wirkt die Summe eher wie ein symbolischer Akt.
Eine Geste. Aber reicht eine Geste – oder ist sie sogar ein Hohn für die Betroffenen?
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