Der US-KI-Konzern Anthropic wirft drei chinesischen Unternehmen vor, in großem Stil Daten und Fähigkeiten aus seinem Chatbot „Claude“ abgeschöpft zu haben. Betroffen seien DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax.
Nach Angaben von Anthropic nutzten die Firmen eine Technik namens „Distillation“. Dabei werden die Antworten eines leistungsstärkeren KI-Systems verwendet, um ein schwächeres Modell schnell und kostengünstig zu verbessern. Das Verfahren ist in der Branche grundsätzlich üblich, wird normalerweise jedoch innerhalb eines Unternehmens eingesetzt, um kleinere oder günstigere Versionen eigener Modelle zu entwickeln.
Anthropic spricht jedoch von „industriellem Diebstahl geistigen Eigentums“. Die drei chinesischen Labore sollen rund 16 Millionen Interaktionen mit „Claude“ durchgeführt und etwa 24.000 gefälschte Konten genutzt haben. So hätten sie gezielt Funktionen in Bereichen wie Programmierung, agentenbasiertes Denken und Werkzeugnutzung abgeschöpft – Felder, in denen Claude als besonders leistungsfähig gilt. Um Zugriffsbeschränkungen für China zu umgehen, seien Proxy-Dienste eingesetzt worden.
Laut Anthropic untergräbt diese Praxis auch US-Exportkontrollen für Hochtechnologie und berge Sicherheitsrisiken: Modelle, die auf diese Weise entstehen, könnten Schutzmechanismen verlieren, etwa Beschränkungen gegen die Entwicklung von Biowaffen oder Cyberangriffen.
Bereits zuvor hatte auch OpenAI, Entwickler von ChatGPT, ähnliche Vorwürfe gegen chinesische Firmen erhoben. Anthropic fordert nun eine koordinierte Reaktion von Industrie und Regierung, da einzelne Unternehmen das Problem allein nicht lösen könnten.
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