Achtung, bitte anschnallen! In China herrscht wieder Hochbetrieb auf Schiene, Straße und in der Luft – denn das Neujahrsfest steht vor der Tür, und das ganze Land macht sich auf den Weg. Wer glaubt, Weihnachten bei der deutschen Bahn sei chaotisch, sollte mal einen Blick gen Osten werfen.
Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua werden dieses Jahr rund 9,5 Milliarden Reisebewegungen erwartet – und ja, das ist kein Tippfehler. Milliarden. Das entspricht etwa der kompletten Weltbevölkerung – nur eben mehrfach. Allein 540 Millionen Bahnfahrten und 95 Millionen Flugreisen sollen es werden. Der Rest staut sich traditionell auf Chinas Highways – oder wartet geduldig am Bahnhof von Lanzhou, bis wieder ein Zug durchfährt.
Vom Schwein zum Pferd – und vom Land in die Stadt
Das chinesische Neujahrsfest fällt heuer auf den 17. Februar und läutet das Jahr des Feuerpferds ein. Laut Mondkalender bedeutet das: Energie, Tatendrang – und bei über 80 Prozent Reiseanteil auf der Straße auch Nerven wie Drahtseile.
Früher fuhren die Leute zum Fest nach Hause aufs Land. Heute? Da reisen die Großeltern vom Dorf in die Stadt, um den Enkeln beim TikTok-Drehen Gesellschaft zu leisten. Die Reiseplattform Qunar meldet einen deutlichen Anstieg an Tickets, die von Über-60-Jährigen gebucht wurden. Das Familien-Wiedersehen gleicht dabei oft eher einer Karawane als einem gemütlichen Nachmittagskaffee.
Tourismus statt Tempel: Hauptsache weg
Immer mehr Chinesinnen und Chinesen sagen sich: Warum nur zu Mama aufs Sofa – wenn auch Skifahren im Norden oder Sonnenbaden im Süden geht? Manche zieht es sogar ins Ausland – nach Europa, Asien oder Afrika. Wer kann, gönnt sich eine Pause vom Hochleistungsleben und fliegt einfach mal weg.
In China selbst wird der Tourismus eifrig angekurbelt: mit 30.000 Events, unzähligen Gutscheinen und – kein Scherz – sogar mit Opernaufführungen im Hochgeschwindigkeitszug. Wer da nicht reist, ist selber schuld.
Wenn das Pferd traurig guckt
Das Symboltier des Jahres ist das Feuerpferd – voller Tatendrang, Energie… und offenbar auch etwas überfordert. In China ist gerade ein Stofftierpferd mit traurigem Gesichtsausdruck zum viralen Hit geworden. Warum? Es schaut genauso erschöpft wie die meisten Angestellten vor den Feiertagen. Nach dem Urlaub, so die Hoffnung, sehen alle wieder aus wie das fröhliche Pendant mit dem breiten Grinsen.
Wirtschaftlich galoppiert’s – so halb
Die Wirtschaft freut sich: Der Inlandstourismus boomt, Ausgaben steigen, und die Regierung setzt alles daran, dass die Menschen ihr Geld lieber in der Heimat ausgeben als bei Louis Vuitton in Paris. Der Konsum soll im kommenden Fünfjahresplan ordentlich anziehen – mit Zuschüssen für Autos und ganz viel „Kauf doch bitte in China!“.
Ob das alles reicht, um die lahmende Konjunktur auf Trab zu bringen? Das wird sich zeigen. Aber eines steht fest: Zum Neujahr sitzt in China niemand still – nicht mal das traurige Plüschpferd.
Kommentar hinterlassen