Wenn das Ziel der Trump-Regierung war, den öffentlichen Gesundheitsämtern mitten im Wintersturm einen kollektiven Nervenzusammenbruch zu bescheren – dann: Mission erfüllt.
Denn während sich Gesundheitsbehörden in allen Bundesstaaten auf Schneestürme, Grippewellen und die nächste bakterielle Apokalypse vorbereiteten, rauschte am Samstag eine schockierende Nachricht in die Posteingänge: Alle CDC-Gesundheitszuschüsse seien „bis auf Weiteres“ eingefroren.
Kein Geld mehr. Keine Tests. Keine Transporte. Keine Impfaktionen. Willkommen im Überlebensmodus.
Nur Stunden später dann der Rückzug. Das US-Gesundheitsministerium HHS teilte mit, die Pause sei aufgehoben – aber viele Betroffene hatten davon noch nichts gehört. Chaos als Gesundheitsstrategie?
„Es ist, als würde man mitten im OP-Saal den Strom abdrehen“
„Mehr Chaos. Mehr Unsicherheit“, fasst Dr. Phil Huang, Leiter des Gesundheitsamts von Dallas County, resigniert zusammen. Seine Behörde verwaltet über zwei Millionen Dollar aus dem Fördertopf – unter anderem für Impfstellen, Krankentransporte und Seuchenüberwachung. All das stand plötzlich auf der Kippe.
HHS: Alles nur eine „kurze Pause zum Nachdenken“
Laut HHS-Sprecher Andrew Nixon sei es lediglich ein „kurzer Stopp“ gewesen, um „ein neues Prüfverfahren zu implementieren“ – schließlich wolle man „Steuergelder schützen“ und „sicherstellen, dass sie im Einklang mit den Prioritäten der Behörde verwendet werden“.
Welche Prioritäten genau gemeint sind, blieb unklar – vielleicht spontane Budget-Astrologie oder das Würfeln auf dem Golfplatz?
Milliarden auf der Kippe – Arbeitsplätze gleich mit
Betroffen waren Fördermittel für alle 50 Bundesstaaten, Washington D.C., acht US-Territorien und 48 Großstädte. Insgesamt geht es um über 5 Milliarden Dollar, mit denen landesweit Labore, Notfalleinsätze und direkt patientennahe Versorgung finanziert werden – inklusive tausender Arbeitsplätze.
„Wenn man diese Mittel einfriert, verliert jede betroffene Behörde Personal – und das sehr schnell“, warnt Brian Castrucci, Chef der de Beaumont Foundation. „Das ist keine Bürokratie, das sind Leute, die Krankheiten aufspüren, impfen und retten.“
Er vergleicht den plötzlichen Mittelstopp mit einem Militär, das nach einem verlorenen Krieg einfach aufgelöst wird: „Nicht gerade brillant.“
Deja-vu der Panik
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die Trump-Regierung nach dem Prinzip „Ankündigen, zerstören, zurückrudern“ agiert: Erst vor wenigen Wochen wurden Tausende Förderungen für psychische Gesundheit gestrichen – und kurz darauf wieder bewilligt. Vermutlich war der Kalender schuld.
Und das mitten im Sturm
Für viele Gesundheitsämter fühlte sich der Zuschuss-Stopp an wie ein Feueralarm mitten in einem Hochhausbrand: „Es lenkt uns ab von der eigentlichen Aufgabe – den Menschen helfen“, sagt Chrissie Juliano, Direktorin der Big Cities Health Coalition.
Und sie stellt die Frage, die jetzt in vielen Amtsstuben gärt: „Welches Programm wird als Nächstes über Nacht gestrichen?“
Eine rhetorische Frage, sicher. Denn wer braucht schon Vorhersehbarkeit in der öffentlichen Gesundheit – wenn man auch ein bisschen politischen Nervenkitzel haben kann?
Fazit: Die Förderung ist (vorerst) zurück. Das Vertrauen? Vielleicht nicht. Und die Gesundheitsämter? Die machen weiter – wie immer. Mit weniger Schlaf, mehr Kaffee und der ständigen Angst, dass am nächsten Samstag wieder eine E-Mail kommt, die beginnt mit: „Aus Gründen der strategischen Umorientierung…“
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