Der US-Fernsehsender CBS News hat eine geplante Wiederholung eines Interviews mit dem Mediziner und Longevity-Experten Dr. Peter Attia aus dem Programm genommen. Grund dafür sind neue Enthüllungen über seine mutmaßlichen Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Über 1.700 Erwähnungen in neuen Epstein-Dokumenten
Laut übereinstimmenden Berichten mehrerer US-Medien, darunter Variety, The New York Times und The Guardian, wird Peter Attia in den am 30. Januar veröffentlichten Epstein-Dokumenten mehr als 1.700 Mal erwähnt. Die Unterlagen enthalten unter anderem fragwürdige E-Mail-Korrespondenzen zwischen Attia und Epstein, darunter sexistisch-anmutende Scherze über weibliche Genitalien sowie Hinweise auf persönliche Treffen mit dem Finanzier.
Ein besonders derber E-Mail-Austausch aus dem Jahr 2016 wurde publik, in dem Attia witzelte, weibliche Genitalien seien „kohlenhydratarm“, man warte aber noch auf Testergebnisse zum „Glutenanteil“.
Attia: Treffen dienten der Forschung – keine Straftaten
In einer ausführlichen Stellungnahme auf der Plattform X (ehemals Twitter) entschuldigte sich Attia und wies jede strafrechtliche Verwicklung entschieden zurück:
„Ich war in keinerlei kriminelle Aktivitäten involviert und hatte mit Epsteins sexuellen Übergriffen oder Ausbeutung von Personen nichts zu tun.“
Attia erklärte, er habe Epstein im Jahr 2014 über eine prominente Führungspersönlichkeit aus dem Gesundheitswesen kennengelernt, während er Mittel für medizinische Forschungsprojekte akquirierte. Die beiden hätten sich danach etwa sieben bis acht Mal in Epsteins Haus in New York getroffen – ausschließlich zur Diskussion wissenschaftlicher Themen.
„Ich bedaure zutiefst, mich in eine Lage gebracht zu haben, in der nun private, teils peinliche und geschmacklose E-Mails öffentlich sind. Das liegt allein an mir.“
Privates Drama überschneidet sich zeitlich mit Treffen
Brisant ist zudem der zeitliche Kontext mancher Treffen mit Epstein: In seinem Buch Outlive beschreibt Attia einen Vorfall vom Juli 2017, als sein wenige Wochen alter Sohn plötzlich aufhörte zu atmen und ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Obwohl seine Frau ihn eindringlich bat, nach Hause zu kommen, blieb Attia in New York – offenbar im Rahmen geschäftlicher Verpflichtungen.
„Ich kann nicht fassen, wie blind und selbstbezogen ich damals war“, schreibt er. „Ich war nicht da für meine Familie. Ich fühle mich deswegen bis heute krank.“
E-Mails aus dem Epstein-Dokumentenpaket bestätigen für denselben Zeitraum einen Termin zwischen Attia und Epstein bzw. dessen enger Mitarbeiterin Leslie Groff.
CBS reagiert – Segment wird nicht erneut ausgestrahlt
Das ursprüngliche „60 Minutes“-Interview mit Attia, das im Oktober 2025 erstmals ausgestrahlt wurde, sollte als Wiederholung parallel zum Super Bowl laufen. Diese Ausstrahlung hat CBS nun abgesagt. Eine Stellungnahme des Senders oder von Attias Sprecher liegt bisher nicht vor. USA TODAY hat Anfragen an beide Seiten gestellt.
Hintergrund: Die neuen Epstein-Dokumente wurden nach Verabschiedung des Epstein Files Transparency Act durch das US-Justizministerium veröffentlicht. Sie enthalten Namen prominenter Persönlichkeiten sowie private Kommunikationsinhalte aus Epsteins Umfeld.
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