Die israelische Staatsanwaltschaft hat den Bruder des Leiters des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet wegen „Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten“ angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, Zigaretten in den Gazastreifen geschmuggelt zu haben.
In der am Donnerstag veröffentlichten Anklageschrift heißt es, Bezalel Zini habe gewusst, dass die Hamas durch den Weiterverkauf von Zigaretten und Tabakwaren zu stark überhöhten Preisen profitieren könnte. Der 50-Jährige ist Reservist und befand sich im aktiven Militärdienst.
Nach Angaben der Anklage soll Zini insgesamt 14 Stangen Zigaretten – rund 7.000 einzelne Packungen – geschmuggelt und dafür etwa 365.000 Schekel (rund 117.000 US-Dollar) erhalten haben. Sein Bruder, der kürzlich ernannte Shin-Bet-Chef David Zini, steht nicht unter Verdacht.
Israel kontrolliert während des Krieges mit der Hamas den Zugang von Hilfsgütern und Waren in den Gazastreifen streng. Die Anklage gegen Zini ist Teil eines größeren Verfahrens gegen mehr als ein Dutzend Personen. Ihnen wird vorgeworfen, einem organisierten Schmugglerring anzugehören, der unter anderem neue iPhones, Autoteile und andere Elektronik nach Gaza gebracht haben soll.
Allein durch den illegalen Verkauf von Tabakprodukten seien seit Beginn des Krieges „Hunderte Millionen Schekel“ in die Kassen der Hamas geflossen, heißt es in der Anklageschrift. Die Schmuggelaktivitäten sollen im Sommer 2025 begonnen haben, noch vor der Waffenruhe im Oktober, als die Kämpfe im Gazastreifen andauerten.
Die Staatsanwaltschaft erklärt, die Beteiligten hätten sich als Soldaten im Einsatz ausgegeben, um israelische Sicherheitskräfte an Grenzübergängen zu täuschen. Neben dem Vorwurf der Feindhilfe werden Zini auch Betrug, Bestechlichkeit und Steuerdelikte zur Last gelegt. Er wurde vor zwei Wochen gemeinsam mit zwei mutmaßlichen Komplizen festgenommen.
Zinis Verteidiger weisen die Vorwürfe zurück. Laut der Zeitung Haaretz argumentieren sie, die Anwendung eines Antiterrorgesetzes auf mutmaßlichen Zigarettenschmuggel sei unverhältnismäßig. Einer der Anwälte erklärte demnach, der Vorwurf der Unterstützung des Feindes stelle „eine völlige Verdrehung der Realität“ dar, da sein Mandant sein Leben für den Staat riskiert habe.
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