Weil Literatur nicht radikal sein darf – aber Sabotage irgendwie schon**
Die irische Bestsellerautorin Sally Rooney hat ein Problem:
Nicht, weil ihre Romane schlecht liefen – im Gegenteil.
Sondern weil das Vereinigte Königreich beschlossen hat, ihre politische Haltung als Sicherheitsrisiko einzustufen.
Kurz gesagt: „Normale Menschen“ darf sie schreiben, aber völlig normale politische Unterstützung – lieber nicht.
Denn Rooney hat sich erneut solidarisch mit Palestine Action gezeigt.
Und die britische Regierung hat diese Gruppe inzwischen in dieselbe Kategorie eingeordnet wie al-Kaida und den Islamischen Staat.
Ein Schritt, bei dem selbst einige Bürokraten wohl überlegt haben:
„Sind wir sicher, dass wir nicht ein kleines bisschen übertreiben?“
Die Antwort war offenbar:
„Ja.“
Rooney befürchtet ihr eigenes „Verschwinden aus dem Regal“
Vor dem High Court ließ Rooney eine Erklärung verlesen, die so klang, als hätte man ihr gerade mitgeteilt, dass sie in London ab sofort nur noch als Fußnote existieren darf.
Sie sei „nahezu sicher“, dass sie keine neuen Bücher mehr in Großbritannien veröffentlichen kann – und dass ihre bisherigen Werke vielleicht aus dem Handel entfernt werden müssen.
Britische Buchhandlungen könnten also bald aussehen wie Diäten:
Alles drin – nur nichts, was Spaß macht.
Ihr Verlag und sogar die BBC zögern mittlerweile, ob sie Rooney noch Tantiemen zahlen dürfen, ohne riskieren zu müssen, in einem Regierungsbericht als „Terrorfinanzierer“ erwähnt zu werden.
Der einzige Thriller, der hier entsteht, ist der zwischen Staat und Verlag.
Warum das alles? Weil Sabotage teuer sein kann
Palestine Action hatte in den vergangenen Jahren mehrere Sabotageakte durchgeführt:
- Farbattacke auf einen Stützpunkt der Royal Air Force (Schaden: 7 Millionen Pfund),
- ein Angriff auf Donald Trumps Golfclub in Schottland (vielleicht der erste Fall, bei dem Sabotage gesellschaftlich akzeptiert war),
- und das Eindringen in eine britische Rüstungsfabrik.
Die Gruppe sagt: ziviler Widerstand.
Der Staat sagt: Terror.
Die Bevölkerung sagt: „Ab wann betrifft uns eigentlich nur noch das Wetter?“
Produzenten und Verlage in Panik: „Bitte keine Tantiemen mehr!“
Die Produktionsfirma der BBC-Serien, die auf Rooneys Büchern basieren, habe Rooneys Agentin bereits gewarnt:
Eine Zahlung an die Autorin könnte theoretisch als „Finanzierung einer verbotenen Organisation“ ausgelegt werden.
Das wäre ungefähr so absurd, als würde man J. K. Rowling zum Sicherheitsrisiko erklären, weil Voldemort gefährlich ist.
Rooney: „Das Verschwinden meiner Werke wäre ein extremer staatlicher Eingriff“
Man muss ihr zugestehen: Recht hat sie.
Wenn der Staat anfängt, Romane wie potenzielle Bomben zu behandeln, könnte das literarische Leben in Großbritannien bald so kahl aussehen wie ein Kühlschrank am Ende des Monats.
Rooney wirft Israel zudem Völkermord vor – ein Vorwurf, den die israelische Regierung regelmäßig und vehement zurückweist.
Der politische Sturm ist also vorprogrammiert.
Proteste, Festnahmen und ein High Court, der sich wünscht, er wäre im Urlaub
Seit Juli wurden über 2.000 Menschen festgenommen, weil sie Plakate trugen wie:
„Ich unterstütze Palestine Action“ – oder schlimmer:
„Ich bin gegen Völkermord.“
In Großbritannien kann man offensichtlich straffrei vieles tun – nur nicht politisch unbequem sein.
UNO-Experten und Amnesty International halten das Verbot für unverhältnismäßig.
London hingegen erklärt schwerste Sachbeschädigung kurzerhand zu „Terrorismus“.
Während echte Terroristen an anderer Stelle vermutlich denken:
„Wow. Warum macht ihr ausgerechnet DIESE Leute zu unseren Kollegen?“
Und Rooney? Sie schreibt weiter – aber bald vielleicht nur noch für Irland
Ob ihre Bücher in britischen Regalen verschwinden, entscheidet nun der High Court.
Vielleicht wird sie zur ersten Autorin, deren Werke wegen ihrer politischen Haltung ausgelistet werden.
Oder wie Rooney es ausdrückt:
„Das wäre ein extremer staatlicher Eingriff.“
Oder wie der britische Kulturbetrieb es nennen würde:
„Ein Donnerstag.“
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