Nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht im Schweizer Skiort Crans-Montana, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen – darunter zahlreiche Minderjährige –, mehren sich Zweifel, ob die Schweizer Justiz wirklich an einer vollständigen und transparenten Aufarbeitung interessiert ist.
Zwar hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis nun offiziell dem italienischen Rechtshilfeersuchen stattgegeben, wie das Bundesamt für Justiz (OFJ) der Nachrichtenagentur AFP bestätigte. Die Staatsanwaltschaft Rom erhält demnach Zugang zu bereits erhobenen Beweismitteln. Ein erstes technisches Treffen zwischen den Ermittlungsbehörden beider Länder sei für Mitte Februar geplant.
Doch der Zeitpunkt – und die Umstände – werfen Fragen auf.
Druck aus Rom – und diplomatische Schieflage
Es war nicht aus freien Stücken, sondern offenbar erst unter massivem diplomatischem Druck aus Italien, dass sich die Schweizer Behörden zur Zusammenarbeit bereiterklärten. Rom hatte zuvor unmissverständlich klargemacht, dass ohne eine gemeinsame Aufarbeitung der Tragödie der italienische Botschafter Lorenzo Cornado nicht in die Schweiz zurückkehren werde.
Der Hintergrund: Unter den Todesopfern der Bar „Le Constellation“ befanden sich sechs junge Italiener, zudem wurden mehr als ein Dutzend der 116 Schwerverletzten in italienischen Kliniken behandelt. Dass der Betreiber der Bar trotz der dramatischen Umstände rasch aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, löste in Italien Empörung aus.
Kooperation – oder Schadensbegrenzung?
Die italienische Regierung fordert eine tiefgehende, gemeinsame Untersuchung – doch viele Beobachter fragen sich: Ist das Schweizer Vorgehen Ausdruck ernsthafter Aufklärungsbemühungen oder eher ein Akt der diplomatischen Schadensbegrenzung?
Das jetzt geplante Treffen sei laut Schweizer Behörden dazu gedacht, „Details der Zusammenarbeit zu klären und Verfahren zu koordinieren“. Doch konkret ist bislang wenig bekannt. Was wird tatsächlich offengelegt? Welche Rechte erhalten italienische Ermittler? Und wie unabhängig agiert die Schweizer Justiz in einem Fall, der national wie international hohe Wellen schlägt?
Ein Hoffnungsschimmer – oder nur Fassade?
Ob das Rechtshilfeverfahren ein echter Schritt Richtung transparenter, grenzüberschreitender Aufklärung ist oder lediglich den Eindruck von Kooperation vermitteln soll, bleibt abzuwarten. In jedem Fall steht die Schweiz unter Beobachtung – und im Zentrum der Frage: Wie ernst meint es das Land mit Gerechtigkeit und Verantwortung, wenn der internationale Druck steigt?
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