Sieht aus wie Trockenfutter. Heißt wie Trockenfutter. Ist aber keines. „Boy Kibble“ – auch „Human Kibble“ genannt – ist der neueste Food-Trend in den sozialen Medien. Und ja: Er erinnert verdächtig an den Napf eines Labradors.
Gemeint ist eine schnörkellose Mischung aus Reis, gehacktem Gemüse, Hackfleisch und Eiern. Alles kommt in eine große Pfanne, wird durchgegart, anschließend in Boxen abgefüllt – und dann tagelang gegessen. Zwei Mal am Tag. Möglichst ohne Drama, ohne Deko, ohne Food-Fotografie-Ästhetik.
Anti-„Girl Dinner“ für Gym-Bros?
Viele sehen in „Boy Kibble“ eine Reaktion auf den einst gefeierten „Girl Dinner“-Trend – jene locker zusammengestellten Snack-Teller, die eher nach Kühlschrank-Resteverwertung als nach Menü klangen. Wo „Girl Dinner“ verspielt und improvisiert daherkam, setzt „Boy Kibble“ auf Disziplin und Wiederholung.
Der US-Food-Creator Patrick Kong etwa wirbt mit seinem Rezept als effizientes Mittel zum Fettabbau bei gleichzeitigem Muskelerhalt. Sechs Monate lang soll er sich so ernährt und dabei neun Kilo verloren haben – inklusive sichtbarer Muskeldefinition. Klar ist: Ganz ohne Training dürfte das nicht passiert sein.
Funktion statt Genuss
Bei „Boy Kibble“ geht es nicht um Genuss. Nicht um Ästhetik. Sondern um Makronährstoffe, Kalorienkontrolle und maximale Effizienz. Ein Gericht, eine Pfanne, Essen für die ganze Woche. Wer will, variiert die Gewürze – mehr Abwechslung ist optional.
Im Vergleich zu extremen High-Protein-Diäten wie der reinen „Carnivore Diet“, die ausschließlich auf tierische Produkte setzt, wirkt „Boy Kibble“ fast moderat. Immerhin sind Gemüse und Reis dabei.
Die Ernährungsforscherin Emily Contois deutete gegenüber der New York Times an, dass schon der Begriff „Boy“ die Strenge etwas abmildere – als ironischer Filter für Verhaltensweisen, die sonst schnell als übertrieben maskulin gelten könnten.
Fitness, Männlichkeit – und Politik
Der Trend passt in eine Zeit, in der Fitness und Ernährung zunehmend politisch aufgeladen sind. In den USA inszenieren sich konservative Politiker gern mit Liegestütz-Challenges und Muskelbildern. Körperdisziplin wird zur Haltung.
Vor diesem Hintergrund wirkt „Boy Kibble“ fast wie ein Symbol: Kontrolle über den eigenen Körper, Reduktion aufs Wesentliche, keine Ausreden. Essen als Trainingsplan.
Und doch hat der Trend eine pragmatische Seite. Ein Gericht, das schnell geht, günstig ist, satt macht und sich problemlos vorbereiten lässt – das dürfte viele ansprechen, nicht nur Fitness-Enthusiasten.
Ob „Boy Kibble“ nun cleveres Meal-Prep oder kulinarischer Tiefpunkt ist, bleibt Geschmackssache. Sicher ist nur: Noch nie sah Selbstoptimierung so sehr nach Hundenapf aus.
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