Das Oberste Gericht Brasiliens will im September mit der Urteilsfindung im Prozess gegen den früheren Präsidenten Jair Bolsonaro beginnen. Wie das Gericht mitteilte, sind zwischen dem 2. und 12. September insgesamt fünf Sitzungen angesetzt, in denen die Richterinnen und Richter über Schuld oder Unschuld des rechtsradikalen Ex-Präsidenten beraten sollen.
Vorwurf: Versuch eines Staatsstreichs
Bolsonaro wird beschuldigt, nach seiner Wahlniederlage 2022 versucht zu haben, das Ergebnis zu kippen. Damals hatte er gegen den heutigen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva verloren. Laut Anklage soll Bolsonaro aktiv an Plänen beteiligt gewesen sein, die Wahl für ungültig erklären zu lassen und mit Hilfe des Militärs im Amt zu bleiben.
Mögliche Strafe: bis zu 40 Jahre Haft
Im Falle einer Verurteilung drohen dem 69-Jährigen bis zu 40 Jahre Gefängnis. Juristische Beobachter betonen, dass ein solch hohes Strafmaß zwar selten verhängt wird, die Anklagepunkte jedoch schwer wiegen. Bolsonaro hatte stets bestritten, einen Putsch vorbereitet oder unterstützt zu haben.
Politische Dimension
Der Prozess gegen Bolsonaro gilt nicht nur juristisch, sondern auch politisch als wegweisend. Viele Brasilianerinnen und Brasilianer sehen darin eine Bewährungsprobe für die Demokratie des Landes. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, wäre es ein starkes Signal gegen autoritäre Tendenzen. Anhänger Bolsonaros dagegen sprechen von einer „politischen Verfolgung“ und haben bereits Protestaktionen angekündigt.
Hintergrund: Sturm auf Regierungsgebäude
Der Fall hängt eng mit den Ereignissen vom 8. Januar 2023 zusammen, als Tausende Bolsonaro-Anhänger Regierungsgebäude in Brasília stürmten – ähnlich wie beim Sturm auf das US-Kapitol 2021. Zwar befand sich Bolsonaro zu diesem Zeitpunkt in den USA, doch Ermittler werfen ihm vor, mit seiner Rhetorik und seinen Handlungen den Weg für die Gewalt bereitet zu haben.
Ausblick
Ob Bolsonaro tatsächlich zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Der September-Prozess wird weltweit mit Spannung verfolgt, da er über die politische Zukunft Brasiliens und die Rolle Bolsonaros entscheidend mitbestimmen dürfte.
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