Startseite Allgemeines Bolsonaro plante Ausnahmezustand – Demokratie störte offenbar den Ablauf
Allgemeines

Bolsonaro plante Ausnahmezustand – Demokratie störte offenbar den Ablauf

JCamargo (CC0), Pixabay
Teilen

Der frühere brasilianische Präsident Jair Bolsonaro soll nach seiner Wahlniederlage im Jahr 2022 offenbar mit dem Gedanken gespielt haben, den Ausnahmezustand auszurufen – vermutlich, weil Demokratie einfach nicht ganz nach Plan lief.

Wie sein Ex-Adlatus und heutiger Mitangeklagter Mauro Cid im Prozess um den versuchten Staatsstreich aussagte, habe Bolsonaro persönlich einen entsprechenden Dekret-Entwurf „gelesen und bereinigt“ – was in politischen Kreisen meist bedeutet: durchgestrichen, was noch zu legal klang, und „Notstand“ durch „Souveräne Willensbekundung“ ersetzt.

Der Plan: Wenn die Wahl schon verloren geht, dann vielleicht einfach das Wahlergebnis verlieren. Praktisch.

Aktuell stehen Bolsonaro und sieben Mitverschwörer vor Brasiliens Oberstem Gerichtshof. Der Vorwurf: der etwas plumpe Versuch, die demokratisch gewählte Regierung mit einem Staatsstreich zu ersetzen – ein Move, der laut Anklage zum Glück an „mangelnder militärischer Begeisterung“ scheiterte. Selbst die Generäle sollen angesichts des Plans zwischen Kopfschütteln und kollektivem Fremdschämen geschwankt haben.

Doch es kommt noch dicker: Bolsonaro soll auch über geplante Anschläge auf seinen Nachfolger Lula da Silva, Vizepräsident Alckmin und den obersten Richter Alexandre de Moraes zumindest informiert gewesen sein. Ob er Beifall klatschte oder nur stumm nickte, ist noch unklar.

Der 70-jährige Ex-Präsident selbst bestreitet natürlich alles. Stattdessen spricht er bereits über ein politisches Comeback bei der Präsidentschaftswahl 2026 – ungeachtet der Tatsache, dass er rechtlich gar nicht kandidieren darf. Ein kleines Detail, das Populisten traditionell eher kreativ interpretieren.

„Was ist schon ein rechtskräftiges Urteil, wenn man genug Flaggen und Wut hat?“, könnte sein Wahlkampfslogan werden.

Im Fall eines Schuldspruchs drohen Bolsonaro bis zu 40 Jahre Haft – oder, in seiner Lesart: eine verlängerte „spirituelle Auszeit mit politischem Tiefgang“. Seine Anhörung im Prozess wird heute oder morgen erwartet. Möglicherweise bringt er ein eigenes Megafon mit.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

GB:Met-Polizeichef: „Ich verstehe, warum Frauen der Polizei nicht vertrauen“

Fünf Jahre nach der Ermordung von Sarah Everard hat der Chef der...

Allgemeines

China entfernt drei ehemalige Generäle aus politischem Beratungsgremium

Wenige Tage vor dem Beginn der wichtigsten politischen Jahrestagung Chinas hat die...

Allgemeines

Britische Regierung betont enge Zusammenarbeit mit den USA nach Kritik von Trump

Die britische Regierung hat bekräftigt, weiterhin eng mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten,...

Allgemeines

Behörden identifizieren Opfer der tödlichen Schießerei vor Bar in Austin

Nach der tödlichen Schießerei vor einer Bar in Austin im US-Bundesstaat Texas...