Der Zahlungsdienstleister Block, bekannt durch Square, Cash App und Afterpay, streicht rund 40 Prozent seiner Stellen. Unternehmensgründer Jack Dorsey begründet den drastischen Schritt mit dem Einsatz von KI-gestützten „Intelligenz-Tools“.
Mehr als 4.000 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Belegschaft schrumpft damit auf knapp unter 6.000 Mitarbeiter.
In einem Schreiben an die Aktionäre erklärte Dorsey, kleinere Teams könnten mithilfe der firmeneigenen KI-Werkzeuge effizienter arbeiten als größere Strukturen. „Ein deutlich kleineres Team, das die von uns entwickelten Tools nutzt, kann mehr leisten – und es besser machen. Die Fähigkeiten dieser Intelligenz-Tools wachsen von Woche zu Woche exponentiell“, schrieb er.
Finanzchefin Amrita Ahuja formulierte es in der Finanzprognose des Unternehmens noch direkter: Man sehe die Chance, „mit kleineren, hochqualifizierten Teams schneller zu arbeiten und mithilfe von KI mehr Aufgaben zu automatisieren“.
„Nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke“
Auf der Plattform X betonte Dorsey, die Entlassungen seien kein Zeichen wirtschaftlicher Probleme. „Unser Geschäft ist stark, der Bruttogewinn wächst weiter“, schrieb er.
Vielmehr wolle man proaktiv handeln. Dorsey ist überzeugt, dass zahlreiche Unternehmen bald ähnlich vorgehen werden: „Ich glaube, die meisten Firmen sind zu spät dran. Innerhalb des nächsten Jahres wird die Mehrheit zu derselben Erkenntnis gelangen und vergleichbare strukturelle Veränderungen vornehmen. Lieber handeln wir jetzt aus eigener Entscheidung, als später dazu gezwungen zu werden.“
KI verändert den Arbeitsmarkt
Die Maßnahme reiht sich in eine Welle von Stellenstreichungen im Technologiesektor ein. Unternehmen wie Amazon, Meta, Microsoft und Verizon haben im vergangenen Jahr ebenfalls tausende Jobs abgebaut – häufig im Zusammenhang mit dem verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Viele Tech-Konzerne hatten während der Pandemie massiv Personal aufgebaut, als die Nachfrage nach digitalen Diensten stark anstieg. Block beschäftigte Ende 2019 rund 3.800 Mitarbeiter, wuchs zeitweise jedoch auf über 10.000 an. Auch Meta hatte seine Belegschaft innerhalb von etwa zwei Jahren nahezu verdoppelt.
Nun kehren viele Unternehmen zu schlankeren Strukturen zurück.
Dorsey erklärte, er habe sich bewusst für einen klaren und schnellen Schnitt entschieden, statt „über Monate oder Jahre hinweg schrittweise zu kürzen“. Betroffene Mitarbeiter erhalten nach Unternehmensangaben mindestens 20 Wochen Abfindung – je nach Betriebszugehörigkeit auch mehr –, behalten ihre Aktienanteile bis Ende Mai, bekommen sechs Monate Krankenversicherung sowie Firmengeräte und zusätzlich 5.000 Dollar.
Börse reagiert positiv
An den Finanzmärkten wurde der Schritt positiv aufgenommen: Die Aktie von Block stieg nach Bekanntgabe der Entlassungen zeitweise um bis zu 24 Prozent.
Die Entscheidung fällt in eine Phase wachsender Unsicherheit über die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt. Unternehmen wie Anthropic und OpenAI bringen zunehmend KI-Werkzeuge für Büro- und Wissensarbeit auf den Markt. Erst kürzlich aktualisierte Anthropic sein Modell „Claude“, um Aufgaben in Bereichen wie Personalwesen, Design oder Vermögensverwaltung besser zu unterstützen.
Auch Amazon hatte in einem internen Schreiben erklärt, man brauche „weniger Hierarchieebenen“, um schneller agieren zu können, und bezeichnete KI als die „transformativste Technologie seit dem Internet“.
Dorseys Kurs verdeutlicht einen wachsenden Trend in der Tech-Branche: Mit Hilfe von KI sollen Unternehmen schlanker, effizienter – und deutlich personalärmer – werden.
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