Stromausfälle von bis zu 24 Stunden, steigende Treibstoffpreise und immer heftigere Hurrikans: Kuba steckt in einer schweren Energie- und Wirtschaftskrise. Als Reaktion treibt die Regierung den Ausbau erneuerbarer Energien massiv voran – auch, um unabhängiger von Ölimporten zu werden.
Verschärfte US-Sanktionen und der Stopp venezolanischer Öllieferungen unter Präsident Donald Trump haben die Lage weiter verschärft. Vor allem im Osten der Insel kommt es regelmäßig zu langen Stromabschaltungen. Gleichzeitig zählt Kuba laut dem Weltklimarat Intergovernmental Panel on Climate Change zu den besonders verwundbaren Ländern gegenüber extremen Wetterereignissen. Hurrikans, Überschwemmungen und Dürren nehmen zu.
Grüner Umbau mit chinesischer Hilfe
Die Regierung in Havanna hat sich verpflichtet, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2035 auf 26 Prozent zu steigern. Ein zentrales Element sind Solar- und Windparks, die größtenteils mit Unterstützung aus China entstehen.
Im Dezember 2024 unterzeichneten Kuba und die Volksrepublik ein Abkommen über den Bau mehrerer Solarparks. Bis 2028 sollen insgesamt 92 Anlagen mit einer Kapazität von rund 2 Gigawatt entstehen. Bereits jetzt sind Dutzende Solarparks am Netz, die mehrere Hundert Megawatt liefern. Auch neue Windkraftprojekte – etwa in Herradura im Osten des Landes – sind geplant.
China gilt dabei als strategischer Partner. Beobachter sehen neben wirtschaftlichen Interessen auch geopolitische Motive: Peking habe kein Interesse an einem Kollaps Kubas und unterstütze daher gezielt den Energiesektor.
Alte Netze, neue Probleme
Doch der Umbau ist teuer. Experten schätzen, dass Investitionen von bis zu zehn Milliarden US-Dollar nötig wären, um Stromerzeugung, Netze und Speicher umfassend zu modernisieren. Allein rund 16 Prozent der erzeugten Energie gehen im maroden Leitungsnetz verloren.
Zudem fehlt es an Batteriespeichern – ein zentrales Problem, da Solarenergie nur tagsüber verfügbar ist, der Strombedarf aber vor allem abends seinen Höhepunkt erreicht. Ohne moderne Speichertechnik bleiben erneuerbare Energien allein keine vollständige Lösung.
Soziale Kluft wächst
Für viele Kubaner bleibt eigene Solartechnik unerschwinglich. Ein Solarpanel kostet ein Vielfaches eines durchschnittlichen Monatslohns. Wer sich Anlagen leisten kann, sind meist Unternehmer oder Familien mit Geldüberweisungen aus dem Ausland. In wohlhabenderen Vierteln Havannas gehören Solarpaneele inzwischen zum Straßenbild – auf dem Land dagegen bleibt Strom oft knapp.
Trotz aller Hindernisse setzt die Regierung auf die „Energiewende“ als Ausweg aus der Dauerkrise. Ziel ist langfristig eine Stromversorgung aus nationalen Ressourcen – weniger abhängig von Importen, weniger anfällig für Sanktionen.
Ob dieser Kraftakt gelingt, hängt jedoch nicht nur vom politischen Willen ab, sondern vor allem von Geld, Technik und Zeit. Bis dahin bleibt der Alltag vieler Kubaner geprägt von Hitze, Dunkelheit – und der Hoffnung auf Wind und Sonne.
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