Startseite Allgemeines  Bilanzanalyse der teemfactor GmbH zum 31.12.2023
Allgemeines

 Bilanzanalyse der teemfactor GmbH zum 31.12.2023

rawpixel (CC0), Pixabay
Teilen

1. Vermögenslage

Bilanzsumme

Die Bilanzsumme ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen – von 4,3 Mio. EUR auf 6,7 Mio. EUR (+55 %). Dies ist vor allem auf den Anstieg der Forderungen an Kunden zurückzuführen, die auf 6,4 Mio. EUR (Vorjahr: 4,1 Mio. EUR) gewachsen sind.

Forderungsstruktur

Der Forderungsbestand besteht größtenteils aus Forderungen gegenüber Privatpatienten im Rahmen des zahnärztlichen Factorings. Laut Anhang entfällt der Großteil der Restlaufzeit auf bis zu 3 Monate, was auf eine grundsätzlich kurzfristige Fälligkeit hindeutet.

Eine Einzelwertberichtigung und Pauschalwertberichtigung wurden vorgenommen (insgesamt 133 TEUR), was im Branchenvergleich angemessen erscheint.

Sonstige Vermögensgegenstände

Ein ungewöhnlich hoher Anstieg zeigt sich bei den sonstigen Vermögensgegenständen (von 580 EUR auf 253 TEUR). Dies erklärt sich laut Anhang durch Forderungen gegenüber der Gesellschafterin aus der Verlustübernahme.

Anlagevermögen

Das Anlagevermögen ist stark rückläufig: Immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen haben sich durch Abschreibungen und Abgänge von 118 TEUR auf 12 TEUR reduziert. Dies kann auf eine abgeschlossene oder stark verringerte Investitionsphase hinweisen.

2. Finanzierungsstruktur

Fremdkapital

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind von 3,5 Mio. EUR auf 5,6 Mio. EUR gestiegen. Diese sind täglich fällig und über eine Globalzession sowie Kontenverpfändung gesichert. Aufgrund der kurzfristigen Laufzeit besteht eine gewisse Abhängigkeit von der stetigen Kreditverfügbarkeit.

Zusätzlich besteht eine Haftung im Rahmen eines Konzern-Haftungsverbunds über 263 Mio. EUR, die derzeit jedoch nicht in Anspruch genommen wird.

Eigenkapital

Das Eigenkapital hat sich durch eine Kapitalzuführung von 500 TEUR von 228 TEUR auf 728 TEUR erhöht. Die Eigenkapitalquote liegt damit bei etwa 11 %, was im Bereich Finanzdienstleistung als eher niedrig gilt. Der Bilanzverlust bleibt bestehen, wird aber durch den Ergebnisabführungsvertrag getragen.

3. Ertragslage

Erträge

  • Zinserträge: 292 TEUR (+33 %)

  • Provisionserträge: 931 TEUR (+19 %)

Beide Erlösquellen zeigen ein stabiles Wachstum, was auf eine Ausweitung des Factoringvolumens hindeutet.

Aufwendungen

  • Zinsaufwand: 152 TEUR (+187 %), bedingt durch gestiegene Refinanzierungskosten.

  • Personalaufwand: 573 TEUR (+37 %), auch durch Geschäftsführerwechsel.

  • Sonstige Verwaltungsaufwendungen: 777 TEUR (+59 %), z. B. durch höhere Versandkosten und Konzernumlagen.

Ergebnis

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EBT) beträgt -253 TEUR (Vorjahr: -628 TEUR). Durch einen periodenfremden Einmalertrag von 150 TEUR (Herabsetzung Wertberichtigungen) wurde das Ergebnis positiv beeinflusst. Ohne diesen Sondereffekt wäre das operative Ergebnis schwächer ausgefallen.

Der Verlust wurde gemäß Ergebnisabführungsvertrag von der Gesellschafterin getragen.

4. Liquidität

Die Liquiditätsausstattung erfolgt nahezu vollständig über kurzfristige Kreditlinien. Ein Konsortialkreditvertrag sichert die Refinanzierung gruppenweit für drei Jahre mit Option auf Verlängerung. Die Flexibilität der Linien wurde erhöht.

Liquiditätsengpässe sind bei planmäßigem Verlauf nicht zu erwarten, jedoch besteht durch die variable Verzinsung ein Zinsänderungsrisiko.

5. Risikobericht

Die Gesellschaft sieht keine bestandsgefährdenden Risiken. Die wesentlichen identifizierten Risiken:

  • Adressenausfallrisiko: Zentrale Risikoposition aufgrund des echten Factorings.

  • Zinsänderungsrisiko: Variable Refinanzierung verteuert sich bei steigenden Zinsen.

  • Operationelle Risiken: Insbesondere Personalengpässe, IT-Umstellung.

  • Strategische Risiken: Wettbewerb, Digitalisierungserwartungen, Fachkräftemangel.

Ein Risikodeckungspotenzial ist vorhanden, ein internes Risikocontrollingsystem implementiert.

6. Entwicklung und Ausblick

Die Gesellschaft erwartet 2024:

  • zweistelliges Umsatzwachstum durch steigendes Abrechnungsvolumen,

  • Verbesserung des EBT im sechsstelligen Bereich,

  • Synergieeffekte durch Integration in ARZ-Gruppe und Kooperation mit ARZ.dent.

Herausforderungen bestehen weiterhin in:

  • der Umsetzung der digitalen Infrastruktur,

  • der Anpassung an Fachkräftemangel,

  • der Steuerung von Kostensteigerungen bei Energie, Personal und IT.

Zusammenfassung (neutral)

Bereich Einschätzung
Vermögenslage Forderungswachstum, solide Liquiditätsstruktur, aber hohe Abhängigkeit von Fremdkapital
Ertragslage Wachstumsdynamik erkennbar, aber operativ noch verlustbehaftet
Finanzierung Geringe Eigenkapitalquote, stark kreditfinanziert
Risiken Adressenausfall- und Zinsrisiken im Fokus
Ausblick Positiv durch Konzernintegration, Digitalisierung, Kundenzuwachs

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Das Thema Banken Compliance und das Geschäftsmodel der TGI AG Goldkauf mit Rabatt

Wenn Banken Gelder von Anlegern eines Unternehmens wie der TGI AG annehmen,...

Allgemeines

Insolvenzbeschluss zur KEVAL Bau- und Immobilienholding GmbH & Co. KG

Das Amtsgericht München hat am Dienstagabend das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen...

Allgemeines

Vergleich: Geschäftsmodell PIM Gold vs. TGI AG (Goldkauf mit Rabatt)

Obwohl es keine BaFin-Warnung gegen die TGI AG gibt, sondern lediglich einen...

Allgemeines

„Tot oder nur offline?“ – Chinas neuester Tech-Hit macht Sorgen salonfähig

Wer braucht noch Freunde oder Nachbarn, wenn man eine App hat, die...