1. Vermögenslage
Bilanzsumme
Die Bilanzsumme ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen – von 4,3 Mio. EUR auf 6,7 Mio. EUR (+55 %). Dies ist vor allem auf den Anstieg der Forderungen an Kunden zurückzuführen, die auf 6,4 Mio. EUR (Vorjahr: 4,1 Mio. EUR) gewachsen sind.
Forderungsstruktur
Der Forderungsbestand besteht größtenteils aus Forderungen gegenüber Privatpatienten im Rahmen des zahnärztlichen Factorings. Laut Anhang entfällt der Großteil der Restlaufzeit auf bis zu 3 Monate, was auf eine grundsätzlich kurzfristige Fälligkeit hindeutet.
Eine Einzelwertberichtigung und Pauschalwertberichtigung wurden vorgenommen (insgesamt 133 TEUR), was im Branchenvergleich angemessen erscheint.
Sonstige Vermögensgegenstände
Ein ungewöhnlich hoher Anstieg zeigt sich bei den sonstigen Vermögensgegenständen (von 580 EUR auf 253 TEUR). Dies erklärt sich laut Anhang durch Forderungen gegenüber der Gesellschafterin aus der Verlustübernahme.
Anlagevermögen
Das Anlagevermögen ist stark rückläufig: Immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen haben sich durch Abschreibungen und Abgänge von 118 TEUR auf 12 TEUR reduziert. Dies kann auf eine abgeschlossene oder stark verringerte Investitionsphase hinweisen.
2. Finanzierungsstruktur
Fremdkapital
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind von 3,5 Mio. EUR auf 5,6 Mio. EUR gestiegen. Diese sind täglich fällig und über eine Globalzession sowie Kontenverpfändung gesichert. Aufgrund der kurzfristigen Laufzeit besteht eine gewisse Abhängigkeit von der stetigen Kreditverfügbarkeit.
Zusätzlich besteht eine Haftung im Rahmen eines Konzern-Haftungsverbunds über 263 Mio. EUR, die derzeit jedoch nicht in Anspruch genommen wird.
Eigenkapital
Das Eigenkapital hat sich durch eine Kapitalzuführung von 500 TEUR von 228 TEUR auf 728 TEUR erhöht. Die Eigenkapitalquote liegt damit bei etwa 11 %, was im Bereich Finanzdienstleistung als eher niedrig gilt. Der Bilanzverlust bleibt bestehen, wird aber durch den Ergebnisabführungsvertrag getragen.
3. Ertragslage
Erträge
-
Zinserträge: 292 TEUR (+33 %)
-
Provisionserträge: 931 TEUR (+19 %)
Beide Erlösquellen zeigen ein stabiles Wachstum, was auf eine Ausweitung des Factoringvolumens hindeutet.
Aufwendungen
-
Zinsaufwand: 152 TEUR (+187 %), bedingt durch gestiegene Refinanzierungskosten.
-
Personalaufwand: 573 TEUR (+37 %), auch durch Geschäftsführerwechsel.
-
Sonstige Verwaltungsaufwendungen: 777 TEUR (+59 %), z. B. durch höhere Versandkosten und Konzernumlagen.
Ergebnis
Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EBT) beträgt -253 TEUR (Vorjahr: -628 TEUR). Durch einen periodenfremden Einmalertrag von 150 TEUR (Herabsetzung Wertberichtigungen) wurde das Ergebnis positiv beeinflusst. Ohne diesen Sondereffekt wäre das operative Ergebnis schwächer ausgefallen.
Der Verlust wurde gemäß Ergebnisabführungsvertrag von der Gesellschafterin getragen.
4. Liquidität
Die Liquiditätsausstattung erfolgt nahezu vollständig über kurzfristige Kreditlinien. Ein Konsortialkreditvertrag sichert die Refinanzierung gruppenweit für drei Jahre mit Option auf Verlängerung. Die Flexibilität der Linien wurde erhöht.
Liquiditätsengpässe sind bei planmäßigem Verlauf nicht zu erwarten, jedoch besteht durch die variable Verzinsung ein Zinsänderungsrisiko.
5. Risikobericht
Die Gesellschaft sieht keine bestandsgefährdenden Risiken. Die wesentlichen identifizierten Risiken:
-
Adressenausfallrisiko: Zentrale Risikoposition aufgrund des echten Factorings.
-
Zinsänderungsrisiko: Variable Refinanzierung verteuert sich bei steigenden Zinsen.
-
Operationelle Risiken: Insbesondere Personalengpässe, IT-Umstellung.
-
Strategische Risiken: Wettbewerb, Digitalisierungserwartungen, Fachkräftemangel.
Ein Risikodeckungspotenzial ist vorhanden, ein internes Risikocontrollingsystem implementiert.
6. Entwicklung und Ausblick
Die Gesellschaft erwartet 2024:
-
zweistelliges Umsatzwachstum durch steigendes Abrechnungsvolumen,
-
Verbesserung des EBT im sechsstelligen Bereich,
-
Synergieeffekte durch Integration in ARZ-Gruppe und Kooperation mit ARZ.dent.
Herausforderungen bestehen weiterhin in:
-
der Umsetzung der digitalen Infrastruktur,
-
der Anpassung an Fachkräftemangel,
-
der Steuerung von Kostensteigerungen bei Energie, Personal und IT.
Zusammenfassung (neutral)
| Bereich | Einschätzung |
|---|---|
| Vermögenslage | Forderungswachstum, solide Liquiditätsstruktur, aber hohe Abhängigkeit von Fremdkapital |
| Ertragslage | Wachstumsdynamik erkennbar, aber operativ noch verlustbehaftet |
| Finanzierung | Geringe Eigenkapitalquote, stark kreditfinanziert |
| Risiken | Adressenausfall- und Zinsrisiken im Fokus |
| Ausblick | Positiv durch Konzernintegration, Digitalisierung, Kundenzuwachs |
Kommentar hinterlassen